31,5 Zoll, 6.016 × 3.384 Pixel, 98 Prozent AdobeRGB und DCI-P3 sowie USB-C mit 90 Watt: JAPANNEXT positioniert seinen neuen 6K-Monitor auffällig aggressiv. Für professionelle Fotografen ist das Datenblatt interessant – entscheidend ist allerdings, was der Hersteller über Farbmanagement und Panelhomogenität bislang nicht sagt.
6K-Monitore sind nach wie vor eine vergleichsweise kleine Produktgruppe. Mit dem JN-IPS326K-HSPC9bringt JAPANNEXT nun ein 31,5-Zoll-Modell auf den Markt, das mit 6.016 × 3.384 Pixeln exakt jene Auflösung bietet, die auch Apples Pro Display XDR verwendet – allerdings zu einem empfohlenen Verkaufspreis von 899 Euro.
Das allein macht den Monitor für professionelle Bildbearbeitung interessant. Mehr als 20 Millionen Bildpunkte auf rund 80 Zentimetern Diagonale bedeuten eine hohe Pixeldichte und vor allem viel nutzbare Arbeitsfläche für Photoshop, Lightroom, Capture One, DaVinci Resolve oder Layout-Anwendungen.
Doch Auflösung ist bei einem professionellen Bildbearbeitungsmonitor nur die halbe Geschichte.
6K auf 31,5 Zoll
Das IPS-Panel arbeitet mit 60 Hz und erreicht laut Hersteller eine maximale Helligkeit von 500 cd/m² sowie ein statisches Kontrastverhältnis von 1.500:1. Die Blickwinkel gibt JAPANNEXT mit jeweils 178 Grad horizontal und vertikal an. Insgesamt sollen 1,07 Milliarden Farben dargestellt werden.
Für Fotografen ist vor allem die Kombination aus Bildschirmgröße und Auflösung attraktiv. Bei 31,5 Zoll lassen sich hochauflösende Dateien großflächig beurteilen, ohne dass Bedienoberflächen zwangsläufig auf einen zweiten Bildschirm ausgelagert werden müssen. Gleichzeitig bleibt ausreichend Platz für Werkzeugpaletten, Browser, Vergleichsansichten und Softproof-Fenster.
Gerade an Mac Studio, Mac mini oder leistungsfähigen Windows-Workstations ist 6K deshalb weniger ein Prestigeparameter als eine durchaus sinnvolle Arbeitsauflösung.
JAPANNEXT weist ausdrücklich auf die native 6K-Unterstützung und HiDPI-Skalierung von macOS hin.
98 Prozent AdobeRGB und DCI-P3
Für fotografische Anwendungen ist allerdings die Farbwiedergabe entscheidender als die reine Pixelzahl.
Der JN-IPS326K-HSPC9 soll 100 Prozent sRGB sowie jeweils 98 Prozent AdobeRGB und DCI-P3abdecken. Der Monitor wird nach Herstellerangaben werksseitig kalibriert.
Auf dem Papier ist das für einen Monitor dieser Preisklasse ausgesprochen bemerkenswert. Eine nahezu vollständige AdobeRGB-Abdeckung macht ihn grundsätzlich auch für anspruchsvolle Fotobearbeitung und Print-Workflows interessant, während DCI-P3 für Video und hybride Produktionsumgebungen relevant ist.
Allerdings sollte man an dieser Stelle genau unterscheiden zwischen Farbraumabdeckung und Farbverbindlichkeit.
Die Angabe, dass ein Display 98 Prozent AdobeRGB darstellen kann, sagt zunächst nur etwas darüber aus, wie groß sein darstellbarer Farbraum ist. Sie sagt noch nichts darüber aus, wie präzise einzelne Farben wiedergegeben werden, wie stabil die Darstellung über die Fläche ist oder wie gut sich das Display über längere Zeit reproduzierbar kalibrieren lässt.
Und genau hier bleibt das bisher veröffentlichte Datenblatt vergleichsweise zurückhaltend.
Was Profis noch wissen müssen
Für einen ernsthaften Color-Management-Workflow wären weitere Angaben wichtig.
Die technischen Daten nennen zwar 98 Prozent AdobeRGB und DCI-P3 sowie eine werksseitige Kalibrierung, machen aber keine Angaben zu Delta E, interner LUT, nativer Farbtiefe, Hardwarekalibrierung oder einer Homogenitätskorrektur des Panels. Ob der Monitor damit auch für farbverbindliche Proofing-, Repro- und Fine-Art-Workflows geeignet ist, lässt sich aus dem Datenblatt allein nicht beurteilen. Gerade für professionelle Fotografen ist das entscheidend.
Ein Display kann einen sehr großen Farbraum darstellen und trotzdem in den Ecken eine andere Farbtemperatur zeigen als in der Bildmitte. Ebenso kann eine werksseitige Kalibrierung bei Auslieferung sehr gut sein, ohne dass sich dieser Zustand Monate später exakt reproduzieren lässt.
Für allgemeine Bildbearbeitung ist das häufig akzeptabel. Für Proofing, Reproduktion, Fine-Art-Printing oder farbkritische Auftragsproduktionen sind solche Unterschiede dagegen relevant.
Werkskalibrierung ist nicht Hardwarekalibrierung
Der Hinweis auf eine werksseitige Kalibrierung sollte deshalb nicht mit einer professionellen Hardwarekalibrierung verwechselt werden.
Bei letzterer werden Korrekturwerte typischerweise direkt in der internen LUT des Monitors gespeichert. Dadurch bleibt die Grafikkarte weitgehend unangetastet und der Monitor selbst übernimmt die Farbkorrektur.
Ob der JAPANNEXT diese Möglichkeit bietet, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.
Für Fotografen dürfte deshalb ein eigener Test mit einem geeigneten Messgerät besonders interessant sein: Weißpunkt, Gamma, Delta E, Schwarzwert, Helligkeitsverteilung und Farbhomogenität über die gesamte Fläche wären wesentlich aussagekräftiger als die nominale Farbraumabdeckung allein.
HDR – mit Einschränkungen
JAPANNEXT bewirbt den Monitor zudem als HDR-kompatibel. Bei einer maximalen Helligkeit von 500 cd/m² und einem IPS-Kontrastverhältnis von 1.500:1 sollte man die Erwartung allerdings richtig einordnen.
Für die Betrachtung und Bearbeitung von HDR-Inhalten ist die Unterstützung grundsätzlich nützlich. Einen dedizierten HDR-Referenzmonitor ersetzt der JN-IPS326K-HSPC9 damit jedoch nicht.
Für echtes HDR-Mastering sind neben hoher Spitzenhelligkeit insbesondere tiefes Schwarz, eine entsprechende Kontrastleistung und eine präzise kontrollierbare Leuchtdichte entscheidend. Angaben zu Local Dimming oder vergleichbaren Technologien nennt JAPANNEXT nicht.
Für Fotografen dürfte HDR ohnehin eher eine ergänzende Funktion sein. Interessanter sind die 500 cd/m² vor allem deshalb, weil genügend Reserven vorhanden sind, um den Monitor auf typische Arbeitshelligkeiten von etwa 80 bis 160 cd/m² einzustellen.
A.R.T. gegen Reflexionen
JAPANNEXT setzt auf eine als A.R.T. bezeichnete Antireflexionstechnologie. Sie soll Reflexionen in hellen Arbeitsumgebungen reduzieren und damit die Bildbeurteilung erleichtern. Ergänzend bietet der Monitor Flicker-Free-Technik und einen Low-Blue-Light-Modus.
Gerade bei einem großen 32-Zoll-Display ist die Oberflächenbeschaffenheit nicht nebensächlich. Starke Spiegelungen können die Wahrnehmung dunkler Bildpartien erheblich beeinträchtigen.
Wie neutral die Beschichtung arbeitet und ob sie feine Strukturen sichtbar beeinflusst, lässt sich allerdings ebenfalls erst im Praxistest beurteilen.
USB-C mit 90 Watt
Sehr überzeugend ist dagegen die Anschlussausstattung.
Der Monitor besitzt zwei HDMI-2.1-Anschlüsse, DisplayPort 1.4 und USB-C 3.1. Alle sollen die 6K-Auflösung mit 60 Hz unterstützen. Über USB-C werden neben dem Videosignal auch Daten übertragen; gleichzeitig können kompatible Notebooks mit bis zu 90 Watt Power Delivery versorgt werden.
Für Fotografen, die mit einem MacBook Pro oder einem mobilen Windows-System arbeiten, ergibt sich daraus eine elegante Ein-Kabel-Lösung: Notebook anschließen, Monitor betreiben, Peripherie verwenden und gleichzeitig den Rechner laden.
Zwei USB-A-Ports und USB-B ergänzen den integrierten Hub.
Praktisch ist außerdem die KVM-Funktion. Damit können Tastatur und Maus an zwei verschiedenen Rechnern genutzt werden. Gerade Studios, in denen beispielsweise Mac und Windows-PC parallel eingesetzt werden, profitieren davon.
Zwei Rechner auf einem Display
Mit Picture-in-Picture und Picture-by-Picture lassen sich zwei Quellen gleichzeitig darstellen.
Das kann in professionellen Umgebungen durchaus sinnvoll sein: etwa für Mac und PC, Aufnahme- und Schnittrechner oder zur parallelen Kontrolle unterschiedlicher Signale.
Bei 6K-Auflösung und 32 Zoll steht dafür auch genügend Fläche zur Verfügung, ohne dass beide Ansichten sofort unpraktisch klein werden.
Ergonomie ohne Sparmaßnahmen
Auch mechanisch bietet der Monitor die Ausstattung, die man von einem Arbeitsplatzgerät erwartet.
Die Höhe lässt sich um 134 Millimeter verstellen, der Bildschirm zwischen –5 und +20 Grad neigen und um jeweils 30 Grad seitlich drehen. Zusätzlich lässt sich das Panel um 90 Grad ins Hochformat rotieren.
Eine VESA-Aufnahme ermöglicht alternativ die Montage an einem Monitorarm.
Für Fotografen, die viel mit Hochformatserien, Editorial-Strecken oder Layouts arbeiten, ist die Pivot-Funktion bei einem 6K-Display durchaus interessant.
Viel Monitor fürs Geld
Mit 899 Euro setzt JAPANNEXT zweifellos ein Ausrufezeichen. Ein 31,5-Zoll-IPS-Display mit 6K, 98 Prozent AdobeRGB und DCI-P3, 500 cd/m², USB-C mit 90 Watt und KVM ist in dieser Preisregion ungewöhnlich. Der Verkaufsstart ist für Oktober vorgesehen.
Professionelle Fotografen sollten den JN-IPS326K-HSPC9 deshalb weder vorschnell als Schnäppchen feiern noch allein wegen seines niedrigen Preises abtun.
Die hohe Auflösung ist real und für den Arbeitsalltag unmittelbar nutzbar. Auch der große Farbraum und die Anschlussausstattung sprechen für den Monitor.
Die entscheidende offene Frage betrifft dagegen die Farbverbindlichkeit.
Etablierte Grafikmonitore von Herstellern wie EIZO oder BenQ rechtfertigen einen Teil ihres teilweise erheblich höheren Preises nicht durch mehr Pixel, sondern durch aufwendige Uniformity-Korrektur, interne LUTs, Hardwarekalibrierung, definierte Toleranzen und langfristige Reproduzierbarkeit.
Ob und wie nahe JAPANNEXT diesen Anforderungen kommt, lässt sich anhand des Datenblatts nicht beantworten.
Und genau deshalb wäre der JN-IPS326K-HSPC9 ein ausgesprochen interessanter Kandidat für einen ProfiFoto-Praxistest: Wenn die Messwerte halten, was Auflösung und Farbraumabdeckung versprechen, könnte der Monitor das Preisgefüge bei hochauflösenden Displays für Fotografen erheblich unter Druck setzen.
Bis dahin ist er zunächst eines der interessantesten 6K-Angebote seiner Preisklasse – aber noch kein ausgewiesener Referenzmonitor.

















