Christie’s bringt im November in Paris mehr als 350 Fotografien aus der Sammlung von Roger Thérond unter den Hammer. Der langjährige Chefredakteur von Paris Match zählte zu den bedeutenden Fotosammlern seiner Generation. Seine Kollektion spannt einen Bogen von den Anfängen der Fotografie im 19. Jahrhundert bis zu den großen Positionen der Moderne – von Gustave Le Gray und Nadar über Eugène Atget bis Man Ray, Dora Maar, Henri Cartier-Bresson, Helmut Newton und Guy Bourdin.
Die Versteigerungen finden am 13. und 14. November 2026 in Paris statt, ergänzt um eine Online-Auktion vom 6. bis 17. November. Bereits vom 6. bis 13. November zeigt Christie’s die Sammlung in einer öffentlichen Ausstellung in der Avenue Matignon.
- MAN RAY (1890-1976) Le Baiser, vers 1930-1931
Ein Journalist als Sammler
Roger Thérond prägte Paris Match über Jahrzehnte und baute parallel eine Sammlung auf, die sich vor allem der französischen Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts widmete. Während sein journalistischer Alltag von aktuellen Ereignissen bestimmt war, suchte der Sammler in der Fotografie nach Authentizität, Poesie und vergangenen Welten.
Zu seinen frühen Schwerpunkten gehörten Aufnahmen aus den Anfängen des Mediums: Ägypten und Nubien bei Félix Teynard, das verschwundene Paris von Eugène Atget, Hochgebirgsfotografien der Brüder Bisson und die berühmten Meeresbilder Gustave Le Grays. Später kamen zentrale Positionen der Moderne und Avantgarde hinzu, darunter Man Ray, Dora Maar, Brassaï, Henri Cartier-Bresson, Jacques-Henri Lartigue und Maurice Tabard.
Gustave Le Gray als Höhepunkt
Einen Schwerpunkt der Auktion bilden Arbeiten von Gustave Le Gray. Mehr als ein Dutzend Fotografien des französischen Pioniers werden angeboten. Für „Marine, bateau quittant le port“ liegt die Schätzung bei 500.000 bis 700.000 Euro, „Le Port du Havre“ wird mit 300.000 bis 400.000 Euro angesetzt.
Zu den wichtigsten Losen überhaupt gehört ein Ensemble von 50 Albuminabzügen, das 1867 und 1868 auf einer Reise durch Oberägypten entstand. Die Fotografien waren für die Söhne von Ismaïl Pascha bestimmt und tragen handschriftliche Beschriftungen Le Grays. Christie’s schätzt das Konvolut auf 800.000 bis 1,2 Millionen Euro.
Ebenfalls außergewöhnlich ist Félix Teynards persönliches Album „Égypte et Nubie“ mit 160 Fotografien. Die Schätzung liegt zwischen 300.000 und 500.000 Euro.
- LÁSZLÓ MOHOLY-NAGY
Von Nadar bis Atget
Die Sammlung dokumentiert zugleich entscheidende Momente der Fotografiegeschichte, in denen sich das Medium vom rein dokumentarischen Instrument zur eigenständigen Kunstform entwickelte.
Nadar ist mit mehreren Porträts vertreten, darunter ein Selbstporträt mit seiner Frau Ernestine und dem gemeinsamen Sohn sowie ein Bild von Alexandre Dumas. Zwei seltene Aktalben von Auguste Belloc aus der Mitte des 19. Jahrhunderts werden mit 200.000 bis 300.000 Euro taxiert.
Mit Eugène Atget führt die Sammlung bereits an die Schwelle der Moderne. Seine Arbeiten „Maison Close, Versailles“ und „Rue Asselin, Paris“ von 1921 werden jeweils auf 80.000 bis 100.000 Euro geschätzt.
Surrealismus und Moderne
Besonders prominent vertreten sind Man Ray und Dora Maar. Man Rays „Le Baiser“ von etwa 1930/31, mit Lee Miller als einer der beiden dargestellten Personen, zählt mit einer Schätzung von 250.000 bis 350.000 Euro zu den Hauptlosen.
- Eugène Atget (1857-1927) rue Asselin, Paris, 1921
Von Dora Maar kommen unter anderem „Legs (1 and 2)“, „Picasso with Bull’s Skull“ und „Mannequin étoile“ zum Aufruf. Letzteres Motiv wurde 2019 vom Centre Pompidou als Plakatmotiv für seine große Dora-Maar-Retrospektive verwendet und wird nun auf 100.000 bis 150.000 Euro geschätzt.
Die Seite mit den Auktionshighlights zeigt zudem, wie breit die Sammlung angelegt ist: Neben Le Gray und Teynard stehen Atget, Man Ray, Dora Maar und Jacques-Henri Lartigue exemplarisch für eine Sammlung, die technische, dokumentarische und künstlerische Entwicklungslinien der Fotografie miteinander verbindet.
Paris im Zeichen der Fotografie
Die Versteigerung fällt in ein besonderes Jahr: Frankreich begeht 2026 das 200-jährige Jubiläum der Fotografie, zugleich zieht Paris Photo erneut internationale Sammler nach Paris. Vor diesem Hintergrund dürfte die Auflösung der Roger-Thérond-Sammlung zu den wichtigsten Ereignissen des diesjährigen Pariser Fotomarkt-Herbstes zählen.
Foto oben: Roger Thérond in seinem Pariser Haus, September 1999: Der ehemalige Direktor von Paris Match posiert in dem ausgebauten Dachgeschoss, in dem er seine umfangreiche Fotosammlung aufbewahrte. Nach seinem Rückzug aus der Redaktion hatte Alain Genestar die Leitung des Magazins übernommen.
Ausstellung: 6.–13. November 2026
Christie’s Paris: 9 avenue Matignon, 75008 Paris
Live-Auktionen: 13. und 14. November 2026
Online-Auktion: 6.–17. November 2026


















