Mit dem Joseph Petzval Métamorphose 35mm F1.8 erweitert Lomography seine Petzval Art Lens Serie um ein manuelles Vollformatobjektiv für Sony E, Canon RF und Nikon Z. Eine gekoppelte Bokeh-Steuerung soll den bekannten Petzval-Swirl bis hin zu ausgeprägten Vortex-Effekten variierbar machen.
Lomography knüpft mit dem neuen 35mm F1.8 an die charakteristische Bildwirkung seiner bisherigen Petzval-Objektive an, erweitert das Konzept jedoch deutlich. Im Mittelpunkt steht eine in sieben Stufen regelbare Bokeh-Charakteristik, die sich zusätzlich über Blende und Fokus beeinflussen lässt. Während die niedrigeren Einstellungen weichere Bildränder und eher zurückhaltende Hintergrundstrukturen erzeugen, steigert sich der Effekt bis zu einer deutlich ausgeprägten optischen Verzerrung mit radialer Bewegung um die Bildmitte.
Auf der höchsten Bokeh-Stufe sollen sich Lichtquellen zu kometenartigen Formen ausdehnen und ein Vortex-Effekt entstehen, der den Blick zum scharfen Zentrum des Bildes zieht. Bei kurzen Aufnahmeentfernungen verstärkt sich das Zusammenspiel aus Verwirbelung und Streckung. Lomography versteht die bewusst eingesetzten Aberrationen damit nicht als optischen Fehler, sondern als gestalterisches Mittel.
Historisch orientiert sich die Konstruktion nicht ausschließlich an Joseph Petzval. Lomography verweist auch auf Carl Friedrich Gauß und dessen frühe optische Berechnungen. Dessen Objektiv von 1817 erzeugte ausgeprägte Koma- und Astigmatismus-Effekte und galt deshalb seinerzeit für die Fotografie als ungeeignet. Gerade diese vermeintlichen Fehler bilden nach Angaben des Herstellers einen Ausgangspunkt für die Bildcharakteristik der Métamorphose.
Das Vollformatobjektiv besitzt eine Brennweite von 35 mm und eine Lichtstärke von F1.8. Die Konstruktion besteht aus sechs Elementen in fünf Gruppen. Die Naheinstellgrenze beträgt 35 Zentimeter, das Filtergewinde misst 67 Millimeter. Neben einer stufenlosen Irisblende von F1.8 bis F22 lassen sich die für Petzval-Objektive typischen Drop-in-Blendenplatten verwenden. Elektronische Kontakte besitzt das Objektiv nicht; Schärfe, Blende und Bokeh werden vollständig manuell eingestellt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Videografie. Der Fokusring bietet einen Drehweg von 180 Grad, die Steuerringe sind stufenlos ausgelegt und mit MOD-0.8-Follow-Focus-Systemen kompatibel. Eine integrierte 1/4-Zoll-Halterung erleichtert den Einsatz auf Rigs und Gimbals. Der focus-coupled Bokeh-Mechanismus soll dabei verhindern, dass sich beim Verändern der Bokeh-Wirkung gleichzeitig der Fokus verschiebt. Dadurch lassen sich Bokeh-Übergänge auch während einer laufenden Aufnahme einsetzen.
Mit der Métamorphose setzt Lomography damit den Gegenentwurf zur möglichst fehlerfreien modernen Objektivkonstruktion fort. Statt Aberrationen vollständig zu korrigieren, werden sie bewusst kontrollierbar gemacht. Das 35mm F1.8 richtet sich entsprechend weniger an Fotografen, die maximale Neutralität suchen, als an Anwender, die den optischen Charakter bereits bei der Aufnahme als Teil ihrer Bildgestaltung einsetzen wollen.
Die Joseph Petzval Métamorphose 35mm F1.8 Focus-Coupled Bokeh Control Art Lens wird für Sony E, Canon RF und Nikon Z angeboten.
















