Mit der FP2 und dem 50mm F1.4 CL DG | Contemporary stellt Sigma zwei Neuheiten vor, die unterschiedliche Aspekte einer gemeinsamen Produktphilosophie verkörpern: maximale fotografische und filmische Gestaltungsmöglichkeiten bei möglichst kompakten Abmessungen.
Während die FP2 das modulare Konzept der bisherigen fp-Serie weiterentwickelt, begründet das neue 50-mm-Objektiv eine zusätzliche Linie innerhalb der Sigma I series, bei der nicht allein die technische Perfektion, sondern ein bewusst gestalteter Bildcharakter im Mittelpunkt steht.
Sigma FP2: Kleine Kamera, große Möglichkeiten
Mit der FP2 führt Sigma seine ungewöhnliche Vollformat-Kameraserie fort. Das minimalistische Gehäuse bleibt dem ursprünglichen fp-Konzept verpflichtet, bietet aber zahlreiche technische Neuerungen für professionelle Foto- und Videoanwendungen.
Herzstück ist ein teilweise gestapelter Vollformat-CMOS-Sensor mit 24,5 Megapixeln. Seine schnelle Auslesegeschwindigkeit soll Rolling-Shutter-Effekte reduzieren und Serienaufnahmen mit bis zu 20 Bildern pro Sekunde ermöglichen. Dabei sind laut Hersteller bis zu 200 Aufnahmen in Folge möglich.
Das verbesserte Autofokussystem unterstützt die Erkennung von Menschen, Tieren und Vögeln. Für die kreative Bildgestaltung stehen 13 Farbmodi zur Verfügung, die direkt über eine eigene Taste angewählt werden können.
Eine wesentliche Neuerung gegenüber dem ursprünglichen fp-Konzept ist das neigbare Display. Es lässt sich um 90 Grad nach oben und 45 Grad nach unten schwenken. Alternativ bietet Sigma mit dem EVF-21 einen externen elektronischen Sucher mit 5,76 Millionen Bildpunkten an.
Neben einem SD-Kartensteckplatz verfügt die FP2 über 70 GB internen Speicher. Auch die Akkulaufzeit wurde verbessert: Sigma nennt rund 370 Fotos oder 130 Minuten Videoaufnahme und damit eine gegenüber der ursprünglichen fp um etwa 30 Prozent verlängerte Laufzeit.
Vom Foto- zum Cine-System
Wie ihre Vorgängerinnen lässt sich die FP2 über einen Schalter zwischen STILL- und CINE-Modus umstellen. Beide Betriebsarten besitzen eigene Benutzeroberflächen und auf den jeweiligen Einsatz zugeschnittene Funktionen.
Für Filmemacher bietet die Kamera unter anderem 6K-OpenGate-Aufnahmen, ProRes RAW und L-Log. Sigma gibt einen Dynamikumfang von bis zu 14,1 Blendenstufen unter den spezifizierten Aufnahmebedingungen an. Auch 32-Bit-Float-Audioaufzeichnungen sind mit entsprechendem optionalem Zubehör möglich.
Zur Ausstattung gehört außerdem ein Director’s Viewfinder, der die Bildausschnitte verschiedener professioneller Kinokameras simulieren kann, darunter ARRI ALEXA 35, Sony VENICE 2 und BURANO.
Das modulare Konzept bleibt eines der wichtigsten Merkmale der FP2. Über standardisierte Befestigungspunkte und verschiedene Erweiterungsmodule lässt sich das kompakte Gehäuse vom minimalistischen Fotoapparat bis zur umfangreich ausgestatteten Filmkamera konfigurieren. Neu sind unter anderem der elektronische Sucher EVF-21, die Blitzschuheinheit HU-21 und eine spezielle Basisplatte.
Charakter statt klinischer Perfektion
Mit dem gleichzeitig angekündigten 50mm F1.4 CL DG | Contemporary eröffnet Sigma eine neue Objektivlinie innerhalb seiner I series. Das erste Modell der CL-Reihe verbindet die Lichtstärke F1.4 mit einem kompakten Metallgehäuse und einer bewusst charaktervollen Bildwiedergabe.
Interessant ist dabei vor allem der optische Ansatz. Während moderne Objektivkonstruktionen in der Regel darauf abzielen, Abbildungsfehler möglichst vollständig zu korrigieren, setzt Sigma beim neuen 50mm CL bestimmte Aberrationen gezielt als Gestaltungsmittel ein.
Mithilfe umfangreicher Simulationen wurden optische Eigenschaften so abgestimmt, dass innerhalb der Schärfeebene eine sanfte Bildwirkung, harmonische Übergänge in die Unschärfe und eine ausgeprägte räumliche Darstellung entstehen sollen.
Sigma verspricht einen warmen, differenzierten Bildcharakter mit weichem Bokeh und nuancierten Tonwertabstufungen. Besonders bei Offenblende F1.4 soll das Objektiv seine spezifische Bildästhetik entfalten. Damit richtet es sich insbesondere an Fotografen, die in der Porträt-, Reportage- und Alltagsfotografie eine bewusst gestaltete Bildanmutung suchen.
Die optische Konstruktion umfasst neun Linsen in sechs Gruppen, darunter drei asphärische Elemente und ein FLD-Glaselement.
Neuer Autofokusantrieb
Eine technische Besonderheit ist der neu entwickelte Rotary Direct Drive (RDD). Bei diesem Autofokusantrieb sind Spulen und Magnete ringförmig angeordnet und an die Form des Objektivtubus angepasst.
Anders als bei vielen modernen Objektiven erfolgt die Fokussierung durch die Bewegung des gesamten optischen Systems. Die neue Antriebstechnologie soll dafür das notwendige Drehmoment liefern und gleichzeitig eine kompakte Bauform ermöglichen.
Ein weiterer Vorteil: Sobald der Fokusring im Autofokusbetrieb gedreht wird, wechselt das Objektiv unmittelbar zur manuellen Scharfstellung.
Das vollständig aus Metall gefertigte Gehäuse verfügt über einen Blendenring, eine Entfernungsskala und eine klassische Schärfentiefeskala. Dazu kommen eine gerändelte Gegenlichtblende und ein magnetischer Metallobjektivdeckel. Das Objektiv ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt, die Frontlinse besitzt eine wasser- und ölabweisende Beschichtung.
Zwei Produkte, eine Philosophie
Mit den beiden Neuheiten verfolgt Sigma zwei komplementäre Ansätze. Die FP2 steht für technische Flexibilität und eine modulare, auf unterschiedliche Workflows zugeschnittene Kamerakonstruktion. Das 50mm F1.4 CL wiederum versteht optische Abbildungsleistung nicht ausschließlich als Frage maximaler Schärfe, sondern auch als bewusst gestaltbare Bildästhetik.
Gerade die Kombination erscheint interessant: eine auf das Wesentliche reduzierte Vollformatkamera mit einem lichtstarken Standardobjektiv, dessen Wiedergabe sich bewusst von einer rein technisch optimierten Bildcharakteristik unterscheiden soll.
Dabei bleibt die FP2 dank L-Mount offen für das umfangreiche Objektivangebot der L-Mount-Allianz, während das neue 50mm CL zusätzlich für Sony E-Mount angeboten wird.
Preise und Verfügbarkeit
Die Sigma FP2 mit L-Mount soll im November 2026 zum Preis von 2.199 Euro auf den Markt kommen.
Das Sigma 50mm F1.4 CL DG | Contemporary ist für das Frühjahr 2027 angekündigt. Es wird für L-Mount sowie für Sony E-Mount erhältlich sein, wobei die Sony-Version ausschließlich in Schwarz angeboten wird. Ein Preis steht noch nicht fest.
Weitere Informationen: sigma-foto.de























