Adobe erweitert Lightroom für Mobilgeräte um die Funktion „Open Eyes“. Damit lassen sich geschlossene Augen in Porträt- und Gruppenaufnahmen automatisch korrigieren – auf Wunsch unter Berücksichtigung weiterer Fotos derselben Person. Gleichzeitig hält das generative Erweitern von Bildrändern Einzug in die mobile Bildbearbeitung. Die Neuerungen zeigen, wie selbstverständlich KI inzwischen nicht nur technische Fehler korrigiert, sondern auch den ursprünglichen Bildinhalt verändert.
Ein Gruppenfoto, auf dem ausgerechnet eine Person die Augen geschlossen hat, galt lange als klassischer Fall für eine zweite Aufnahme. Mit der neuen Funktion Open Eyes will Adobe dieses Problem in Lightroom auf dem Smartphone auf Knopfdruck lösen. Erkennt die Software geschlossene Augen, bietet sie automatisch eine entsprechende Schnellaktion an.
Die KI erzeugt dabei eine Darstellung geöffneter Augen und passt diese an das vorhandene Gesicht an. Sind in der Lightroom-Bibliothek weitere Aufnahmen derselben Person vorhanden, kann die Software sie als Referenz verwenden, um Augenfarbe, Augenform und Größe möglichst glaubwürdig wiederzugeben. Die Funktion arbeitet laut Adobe aber auch ohne solche Vergleichsbilder.
Der Eingriff konzentriert sich auf die betroffene Gesichtspartie. Der übrige Bildinhalt soll unverändert bleiben. Adobe stellt Open Eyes kostenlos zur Verfügung.
Zwischen Retusche und Bildgenerierung
Technisch erscheint die neue Funktion als konsequente Weiterentwicklung automatisierter Porträtretusche. Inhaltlich geht sie allerdings einen Schritt weiter: Wo bei einer klassischen Retusche vorhandene Bildinformationen verändert oder aus einer anderen Aufnahme übernommen werden, kann Open Eyes fehlende Informationen eigenständig erzeugen.
Das wirft eine grundsätzliche Frage auf. Zeigt die korrigierte Aufnahme noch den fotografierten Augenblick oder bereits eine nachträglich konstruierte Version davon?
Für private Erinnerungsbilder dürfte diese Unterscheidung häufig zweitrangig sein. Wenn auf einem Familienfoto alle Personen mit geöffneten Augen zu sehen sein sollen, ist die Korrektur zunächst eine praktische Lösung.
In der dokumentarischen Fotografie gelten andere Maßstäbe. Gerade bei journalistischen Aufnahmen ist die Unterscheidung zwischen einer zulässigen Bildoptimierung und einer inhaltlichen Veränderung wesentlich. Auch ein vermeintlich unbedeutendes Detail wie der Zustand der Augen gehört zum tatsächlich aufgenommenen Moment.
Die neue Funktion macht damit exemplarisch deutlich, wie fließend die Grenzen zwischen fotografischer Retusche und KI-generierter Bildinformation inzwischen geworden sind.
Generatives Erweitern
Neben Open Eyes führt Adobe das generative Erweitern von Bildern in Lightroom Mobile ein. Die Funktion ergänzt Bereiche außerhalb des ursprünglichen Bildausschnitts durch KI-generierte Inhalte.
Damit lassen sich beispielsweise Querformate in Hochformate für soziale Netzwerke umwandeln, ohne das ursprüngliche Motiv durch einen engeren Beschnitt zu verlieren. Die Software berechnet dafür passende Bildinformationen und erweitert Hintergründe, Landschaften oder architektonische Strukturen über die ursprünglichen Bildgrenzen hinaus.
Auch bei Porträts kann zusätzlicher Raum um das Motiv geschaffen werden, wenn eine Aufnahme für unterschiedliche Veröffentlichungsformate benötigt wird.
Anders als bei einer einfachen Anpassung des Seitenverhältnisses entsteht dabei allerdings neuer Bildinhalt, der zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht vorhanden war.
Für die kommerzielle Bildproduktion und die Gestaltung von Social-Media-Inhalten bietet das erhebliche praktische Vorteile. Gleichzeitig wächst damit die Notwendigkeit, zwischen fotografisch dokumentierten und synthetisch ergänzten Bildbereichen zu unterscheiden.
KI als Korrekturinstanz
Beide Neuerungen stehen für eine Entwicklung, die weit über Lightroom hinausreicht. Bildbearbeitung verlagert sich zunehmend von der gezielten Veränderung vorhandener Pixel zur automatisierten Rekonstruktion oder Erfindung visueller Informationen.
Dabei verschwindet ein großer Teil der technischen Komplexität hinter einfachen Bedienoberflächen. Anwender müssen weder aufwendige Maskierungen erstellen noch einzelne Bildbereiche manuell zusammensetzen. Die Software analysiert das Motiv und schlägt unmittelbar eine passende Lösung vor.
Was Adobe als Möglichkeit präsentiert, misslungene Aufnahmen zu retten, verändert zugleich die Erwartungen an Fotografie. Geschlossene Augen, ungünstige Bildausschnitte oder fehlender Raum im Hintergrund müssen nicht länger als unveränderliche Eigenschaften einer Aufnahme akzeptiert werden.
Ob diese Möglichkeiten sinnvoll eingesetzt werden, bleibt jedoch eine gestalterische und gegebenenfalls auch journalistisch-ethische Entscheidung.
Verfügbarkeit
Open Eyes ist nach Angaben von Adobe ab sofort für alle Nutzer von Lightroom für Mobilgeräte verfügbar und kann kostenlos eingesetzt werden. Auch das generative Erweitern wird mit dem aktuellen Update für die mobile Lightroom-Version angeboten. Zu möglichen Nutzungslimits oder Abo-Voraussetzungen für diese zweite Funktion macht die vorliegende Mitteilung keine näheren Angaben.
Weitere Informationen: adobe.com


















