Mit Murmures de l’âme begibt sich die französische Fotografin Marie Sueur auf eine visuelle Erkundung innerer Zustände jenseits rationaler Kontrolle. Ihre mit dem NEW TALENT AWARD 26/1 ausgezeichneten Arbeiten kreisen um das Unsichtbare – um jene psychischen Räume, in denen sich Erinnerung, Traum und unbewusste Impulse überlagern und in fragmentarischen Bildern manifestieren.
Sueur interessiert sich nicht für die Abbildung von Realität im klassischen Sinne. Vielmehr versteht sie Fotografie als Projektionsfläche für Empfindungen, die sich sprachlich kaum fassen lassen. Ihre Bilder entstehen aus einem intuitiven Prozess heraus, der sich bewusst dem Zugriff klarer Bedeutungen entzieht. Es sind visuelle Annäherungen an das Flüchtige, das Unbestimmte, das sich jeder eindeutigen Lesart widersetzt.
Im Zentrum der Serie steht das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Loslassen. In einer Welt, die zunehmend von Beobachtung, Bewertung und Struktur geprägt ist, sucht Sueur nach einem Gegenraum – einem Ort, an dem sich Wahrnehmung verflüssigt und neue, subjektive Wirklichkeiten entstehen können. Ihre Fotografien wirken wie fragile Zustände zwischen Wachsein und Traum, in denen sich Formen auflösen und Bedeutungen verschieben.
Dabei spielt auch die Materialität eine entscheidende Rolle. Sueur erweitert ihre fotografischen Arbeiten häufig durch physische Eingriffe – etwa durch Stickerei, Überlagerungen oder das Hinzufügen von Materialien. Diese Eingriffe verleihen den Bildern eine zusätzliche Ebene und verstärken den Eindruck, dass es sich weniger um abgeschlossene Werke als um offene Prozesse handelt.
Die Biografie der Künstlerin spiegelt sich in dieser Arbeitsweise wider. Geboren in Kamerun, aufgewachsen in verschiedenen Ländern, geprägt von Bewegung und kultureller Vielfalt, entwickelte sie früh ein Gespür für Übergänge, Zwischenräume und das Unvorhersehbare. Diese Erfahrungen fließen in ihre Bildsprache ein, die weniger von festen Verortungen als von inneren Landschaften geprägt ist.
Jury-Mitglied Bettina Scheerbarth (Hahnemühle) beschreibt die Serie als „leise Bildsprache“, die fragile Momente mit formaler Konsequenz zu eindringlichen Metaphern verdichte und einen kontemplativen Raum eröffne. Zwischen Wahrnehmung und Projektion entsteht eine visuelle Meditation über das Unbewusste als letzten Ort ungefilterter Freiheit. „Murmures de l’âme ist kein Projekt, das Antworten liefert. Es ist eine Einladung zur Wahrnehmung – ein stilles Erkunden dessen, was sich dem Zugriff entzieht. In diesen Bildern wird Fotografie zu einem Medium des Fühlens, nicht des Wissens. Ein Raum, in dem Unsicherheit nicht als Mangel erscheint, sondern als Voraussetzung für Freiheit.“
New Talent Award
Zweimal jährlich bietet der von Canon und ProfiFoto in Kooperation mit der Laif Genossenschaft, Hahnemühle und Whitewall ausgeschriebene New Talent Award Fotografinnen und Fotografen die Chance, bei der Umsetzung ihrer „Bilder im Kopf“ Unterstützung zu finden. Das aus dem >Canon Profifoto Förderpreis< weiterentwickelte Konzept öffnet den Wettbewerb für die zahlreichen Quereinsteiger in die professionelle Fotografie. Teilnehmen können alle, die professionell in der Fotografie oder artverwandten Berufsgruppen tätig sind, gleich welchen Alters und egal ob haupt- oder nebenberuflich. Die Auszeichnung wird alle sechs Monate von einer renommierten Jury an fünf Bewerber vergeben, deren fotografische Handschrift überzeugt und die mit ihren Konzepten neugierig machen auf mehr. Unter den insgesamt zehn Siegerarbeiten der jährlich zwei Wettbewerbs-Abschnitte ermittelt die Jury die drei besten Arbeiten.





















