Mit der Ausstellung „Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin“ rückt die Staatsbibliothek zu Berlin 2026 ein Jahrhundert visueller Mediengeschichte ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
- Friedrich Seidenstücker, Fahrbarer Zeitungskiosk an der Hauptstraße in Schönberg, Berlin 1928. © bpk-Fotoarchiv / Friedrich Seidenstücker
- Konrad Hoffmeister, Lesende S-Bahnfahrer (Alexanderplatz), Berlin (Ost) 1957/1958. Die abgebildete Berliner Zeitung trägt die Schlagzeile „Der Weg zur Lösung der Berlin-Frage“. © bpk-Fotoarchiv / Konrad Hoffmeister
- Abisag Tüllmann, Selbstporträt im Spiegel, Zürich 1964. Das bpk-Fotoarchiv verwahrt den Nachlass des bildjournalistischen Gesamtwerks von Abisag Tüllmann. © bpk-Fotoarchiv / Abisag Tüllmann
Die Ausstellung im Stabi Kulturwerk zeichnet nach, wie Fotografien seit den 1920er-Jahren die Wahrnehmung Berlins geprägt haben – und wie der Journalismus sich im Zusammenspiel mit technischen Innovationen, politischen Rahmenbedingungen und urbanen Lebenswelten verändert hat. Die Hochphase des Berliner Zeitungsviertels, in der bis zu 147 Tageszeitungen erschienen, bildet einen Ausgangspunkt für die Entwicklung der Pressefotografie als eigenständiges Berufsbild. Handliche Kameras, schnellere Druckverfahren und die Entstehung des illustrierten Journalismus machten Bilder zum zentralen Element der Nachrichtenvermittlung.
Thematisch führt die Ausstellung durch die Pressegeschichte der Weimarer Republik, die Mechanismen der Zensur und Propaganda im Nationalsozialismus sowie die unterschiedlichen Presselandschaften in Ost- und West-Berlin. Historische Aufnahmen aus dem bpk Fotoarchiv treffen auf zeitgenössische Arbeiten der Agentur OSTKREUZ. Die Präsentation zeigt, wie sich die Bildsprache der Pressefotografie veränderte, ohne ihren Bezug zur Dynamik des städtischen Lebens zu verlieren.

Manfred Heiting, Prof. Dr. Achim Bonte (Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin) und Bundesminister a.D. Peter Altmaier (Vorsitzender des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek)
Zugleich erhält die institutionelle Erforschung visueller Mediengeschichte einen erheblichen Impuls: Der Fotohistoriker und Sammler Manfred Heiting unterstützt die Bibliothek mit einer der größten privaten Einzelspenden der jüngeren Vergangenheit. Mit einem hohen sechsstelligen Betrag ermöglicht er den Ankauf umfangreicher Materialien zum Werk des Fotografen Dr. Paul Wolff – einem Pionier der Kleinbildfotografie und einer Schlüsselfigur des fotojournalistischen Aufbruchs der 1920er- und 1930er-Jahre. In Summer Schools und Forschungsstipendien sollen insbesondere Wolffs Beziehungen zur Illustriertenpresse und zur wachsenden Produktion fotoillustrierter Reklame- und Unternehmenspublikationen untersucht werden.
Heitings Zuwendung umfasst außerdem ein mehrjähriges Förderprogramm für die bildwissenschaftliche Forschung, die Stiftung seiner Arbeitsbibliothek und die Finanzierung technischer Ausstattung des Studiensaals in Berlin-Friedrichshagen.
Beide Entwicklungen – Ausstellung und Förderung – markieren einen Moment, in dem die historische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Pressefotografie in Berlin neu an Bedeutung gewinnt. Ziel der Staatsbibliothek ist es, die neu formierte Abteilung „Presse und Bild“ zu einem international sichtbaren Kompetenzzentrum der Bild- und Presseforschung auszubauen – eng verknüpft mit dem historischen Zeitungsbestand. Während „Im Rhythmus der Großstadt“ die Entwicklung der visuellen Berichterstattung über ein Jahrhundert hinweg für die Öffentlichkeit erfahrbar macht, schafft Heitings Engagement die materiellen und strukturellen Voraussetzungen, um diese Geschichte künftig vertieft zu erforschen.
Die geplante Festveranstaltung zur Vorstellung der Sammlung Dr. Paul Wolff im Frühjahr 2026 und die erste Manfred Heiting Summer School im Spätsommer setzen zusätzliche Akzente. Gemeinsam verdeutlichen sie, dass Berlin nicht nur historisch, sondern auch institutionell zu einem der zentralen Orte für die Erforschung von Pressefotografie und visuellem Journalismus im 20. Jahrhundert wird.
Foto oben: Fotograf unbekannt. Eine Berliner Reportage-Fotografin fotografiert von einem Kran des noch im Bau befindlichen Berliner Stadthauses, Berlin 1909. © bpk-Fotoarchiv.












