Mit der Ausstellung „DAIDO MORIYAMA. RETROSPECTIVE“ zeigt das FOTO ARSENAL WIEN ab 31. Januar bis 10. Mai 2026 eine der umfassendsten Präsentationen, die dem Werk des japanischen Fotografen (*1938, Osaka) bislang gewidmet wurden.
Ausgangspunkt der Schau ist eines der bekanntesten Bilder Moriyamas: „Stray Dog, Misawa“ (1971). Die ikonische Aufnahme steht exemplarisch für eine Bildsprache, die Konventionen bewusst unterläuft: grobkörnig, unscharf, schräg und zugleich von großer visueller Wucht. Moriyama wurde damit zu einem der prägenden Street Photographer der Gegenwart und zu einem zentralen Impulsgeber für die moderne Fotografie.
Moriyama fotografiert seit den 1960er-Jahren das Leben auf Japans Straßen und reagiert mit seiner Kamera auf gesellschaftliche Umbrüche, Konsumkultur und die Widersprüche einer Epoche tiefgreifender Transformation. Dabei bleibt er nicht distanzierter Beobachter, sondern wird Teil dessen, was er dokumentiert. Seine extreme Nähe zu Menschen und Situationen ist ein wesentliches Merkmal seiner Arbeiten, die zwischen Alltag, Tabu, Sehnsucht und medialer Überformung changieren.

Die Retrospektive zeichnet Moriyamas Entwicklung von frühen Magazinaufträgen über sein wachsendes Misstrauen gegenüber dem Fotojournalismus bis hin zu seinem Beitrag zur „Provoke“-Bewegung nach. Einen Höhepunkt markiert das radikale Fotobuch „Farewell Photography“ (1972). Nach einer persönlichen und kreativen Krise in den frühen 1980er-Jahren fand Moriyama zu einer neuen Bildsprache, die stärker von Reflexion über Identität, Erinnerung und die Grenzen des Mediums geprägt ist.
Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf Moriyamas konzeptueller Auseinandersetzung mit der Verbreitung von Bildern. Seine Experimente mit Negativen, Vergrößerungen und Fragmentierung sowie sein Interesse an Reproduzierbarkeit machen ihn bis heute zu einem Pionier, dessen Fragen nach Medienmanipulation, Überwachung und Bildfetischismus weiterhin hochaktuell sind.
In Wien umfasst die Schau über 200 Kunstwerke, ergänzt durch 250 Reproduktionen aus Publikationen, seltene Bücher und audiovisuelle Projektionen. FOTO ARSENAL WIEN ist die fünfte Station der internationalen Wanderausstellung, die zuvor unter anderem in São Paulo, Berlin, London und Helsinki zu sehen war und vom Guardian als beste Fotoausstellung des Jahres ausgezeichnet wurde.
Organisiert wurde die Retrospektive vom Instituto Moreira Salles in Zusammenarbeit mit der Daido Moriyama Photo Foundation. Kuratiert wurde sie von Thyago Nogueira (Instituto Moreira Salles) in Kooperation mit Marit Lena Herrmann (FOTO ARSENAL WIEN). Eine Monografie aus dem Prestel Verlag begleitet die Ausstellung.

















