Mit der Ausstellung „Intermezzo. Revisiting Helmut Newton“ schlägt die Helmut Newton Foundation ein neues Kapitel in der Präsentation ihres eigenen Bestands auf. Die ab dem 24. April 2026 im Museum für Fotografie in Berlin gezeigte Schau versteht sich nicht als klassische Retrospektive, sondern als bewusst temporärer Zwischenzustand auf dem Weg zu einer grundlegenden Neugestaltung der Dauerausstellung.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang vermittelte die Ausstellung „Helmut Newton’s Private Property“ im Erdgeschoss des Museums einen biografischen Zugang zum Werk des Fotografen und seiner Frau June Newton, bekannt als Alice Springs. Nun nutzt die Stiftung den Moment der Transformation, um die Präsentation radikal zu überdenken. Während die Grundidee einer biografischen Annäherung bestehen bleibt, wird der Raum erstmals als experimentelle Zwischenphase genutzt.
Das „Intermezzo“ fungiert dabei als Übergang zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ziel ist es, das Werk Newtons aus neuen Perspektiven zu betrachten und zugleich den Blick auf die Arbeitsprozesse hinter den ikonischen Bildern zu öffnen.
Zentrales Element der Ausstellung ist ein großformatiger Filmraum im Erdgeschoss. Acht Videoprojektoren bespielen vier Leinwände gleichzeitig und erzeugen eine immersive Präsentation. Der Film basiert teilweise auf Material, das ursprünglich für eine große Newton-Ausstellung im spanischen A Coruña produziert wurde.
Ergänzt wird die Projektion durch bislang unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter Interviews mit Zeitzeugen und Wegbegleitern wie Philippe Garner, Carla Sozzani, Jenny Capitain, Violetta Sanchez oder Matthias Harder. Viele dieser Quellen stammen aus jüngst digitalisierten Beständen des Newton-Archivs. Der Film ist als Endlosschleife angelegt und ermöglicht ein kontinuierliches Eintauchen in Leben und Werk des Fotografen.

Damit verschiebt sich der Fokus von der klassischen Werkpräsentation hin zu einer narrativen Erfahrung, die Produktionskontexte, persönliche Beziehungen und historische Einordnung miteinander verbindet.
Parallel dazu bleibt ein wesentlicher Teil der bisherigen Ausstellung erhalten, wird jedoch neu interpretiert. Im hinteren Bereich des Erdgeschosses hängen weiterhin rund hundert Ausstellungsposter Newtons, allerdings in veränderter Konstellation und ergänzt durch Plakate aus Einzelausstellungen von Alice Springs.
Unterhalb der Wandpräsentation erstreckt sich eine 16 Meter lange Vitrine, deren Inhalt vollständig neu zusammengestellt wurde. Während bislang Vintage-Magazine mit Newtons Arbeiten gezeigt wurden, treten nun Mode- und Lifestylemagazine sowie Editorials von Alice Springs in den Vordergrund. Darunter finden sich Titel wie Jardin des Modes, Elle, Vogue, Vanity Fair, Stern, The New Yorker, Photo oder Paris Match.
Diese chronologische Lesart eröffnet einen Einblick in die Entwicklung der Modefotografie und der sich wandelnden Frauenbilder in der westlichen Welt vom späten 20. Jahrhundert bis in die frühen 2000er Jahre. Besonders sichtbar werden dabei gesellschaftliche Umbrüche der 1960er- und 1970er-Jahre und deren visuelle Auswirkungen auf Mode und Medien.
Die Korridore der Ausstellung erweitern das Konzept um eine dokumentarische Ebene. Großformatige Texttafeln mit illustrierten Biografien zeichnen Leben und Karriere von Helmut und June Newton nach. Ergänzt werden sie durch Porträtfotografien der beiden Stiftungsgründer.

Hier beginnt zugleich eine neue kuratorische Idee unter dem Titel „Spotlight: Behind the Frame“. In unregelmäßigen Abständen wird jeweils eine ikonische Aufnahme aus dem Werk Newtons oder Alice Springs’ in den Mittelpunkt gestellt. Nicht das fertige Bild steht dabei allein im Fokus, sondern dessen Entstehungs- und Distributionsgeschichte.
Kontaktabzüge, vorbereitende Polaroids, Notizen oder alternative Aufnahmen geben Einblick in Arbeitsprozesse, Veröffentlichungsstrategien und die editoriale Nutzung der Fotografien. Als frühe Beispiele nennt die Stiftung Newtons legendäre Aufnahme „Rue Aubriot“ für die französische Vogue von 1975 sowie eine frühe Werbefotografie von Alice Springs aus dem Jahr 1970. Diese Miniaturausstellungen sollen später auch international auf Reisen gehen und als eigenständige kuratorische Module fungieren.
Das „Intermezzo“ ist zugleich ein Ausblick auf die langfristige Weiterentwicklung der Stiftung. Nach dem Ende der filmischen Phase, die bis Ende 2027 vorgesehen ist, soll eine vollständig neu konzipierte Dauerausstellung entstehen. Diese wird stärker auf unterschiedliche Aspekte fotografischer Praxis reagieren und persönliche Objekte aus dem Besitz von Helmut und June Newton erneut integrieren – allerdings in neuen Präsentationsformen, ergänzt durch Audio- und Videokommentare.
Die Ausstellung markiert damit nicht nur eine Rückschau auf eines der einflussreichsten fotografischen Werke des 20. Jahrhunderts, sondern auch eine Öffnung des Archivs als lebendigen Forschungs- und Erfahrungsraum. Statt einer statischen Erinnerungskultur setzt die Helmut Newton Foundation auf Bewegung, Kontextualisierung und neue Zugänge zum fotografischen Erbe.
https://www.helmut-newton-foundation.org
Die Collagen zeigen Fotografien von Helmut Newton sowie Presseartikeln über sein Werk, gezeigt im Film Intermezzo. Revisiting Helmut Newton.
Alle Abbildungen: © Helmut Newton Foundation | Produziert von Profirst International in Zusammenarbeit mit dem Martin Salvador Studio für die MOP Foundation.












