Die Bundeskunsthalle in Bonn widmet dem US-amerikanischen Fotografen Peter Hujar eine umfassende Ausstellung: Eyes Open in the Dark ist bis 23. August 2026 zu sehen und präsentiert erstmals in Deutschland eine große Überblicksschau seines Werks.
- Peter Hujar, William S Burroughs
- Peter Hujar, Susan Sontag, 1975
- Peter Hujar, cow chewing.1978
Die Ausstellung rückt einen Fotografen in den Mittelpunkt, der zu Lebzeiten zwar Teil der legendären New Yorker Kunstszene war, dessen fotografisches Werk jedoch lange nur einem kleineren Kreis bekannt blieb.
Peter Hujar gilt heute als einer der bedeutendsten Chronisten der New Yorker Downtown-Szene der 1970er- und frühen 1980er-Jahre. In seinen eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien porträtierte er Freundinnen, Künstlerinnen und Menschen aus seinem Umfeld – häufig in intimen, direkten Aufnahmen, die die Atmosphäre dieser kulturell und gesellschaftlich bewegten Zeit einfangen. Als Hujar 1987 an den Folgen von AIDS starb, war seine fotografische Arbeit außerhalb der Szene noch weitgehend unbekannt. Erst in den Jahren danach wurde sein Werk zunehmend international gewürdigt.
Im Zentrum von Hujars Werk steht die Porträtfotografie. Er fotografierte Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld – in seinem Apartmentstudio, auf der Straße oder bei Veranstaltungen in Manhattan. Seine Bilder zeigen Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturszene ebenso wie Freunde oder zufällige Begegnungen.
- Peter Hujar, Gary Schneider-ContortionII
- Peter Hujar, Gary Schneider- Contortion1
- Peter Hujar, Daniel Schok, 1981
Doch Hujar beschränkte sich nicht allein auf Porträts. Auch Tiere, Architektur und urbane Landschaften gehörten zu seinen Motiven. Immer wieder richtete er die Kamera zudem auf sich selbst. Die so entstandenen Fotografien bilden ein dichtes visuelles Zeitdokument der kreativen Szene New Yorks in einer Phase großer kultureller Umbrüche.
Die Ausstellung in Bonn konzentriert sich vor allem auf Hujars spätere Schaffensphase ab Mitte der 1970er-Jahre. In dieser Zeit stand er in engem künstlerischen Austausch mit Persönlichkeiten wie Paul Thek und dem jüngeren Künstler David Wojnarowicz. Die Werke spiegeln zugleich die Intensität dieser Gemeinschaft wider – und die Tragik ihres Endes, als die AIDS-Krise viele Mitglieder dieser Szene traf.
Ein eigener Abschnitt der Ausstellung widmet sich dem Jahr 1976, das als besonders produktive Phase gilt. In diesem Zeitraum entstand unter anderem eine Serie außergewöhnlicher Porträts des Tänzers Bruce de Sainte Croix. Zudem entwickelte Hujar eine Reihe von Wasserstudien für eine katholische Kapelle und wandte sich nach einer Phase persönlicher Depression erneut intensiv der Straßen- und Architekturfotografie zu.
Peter Hujar studierte Anfang der 1950er-Jahre Fotografie an der School of Industrial Arts in Manhattan. Zwar nahm er zunächst auch kommerzielle Aufträge an, doch die Arbeit im Auftrag entsprach nicht seinem künstlerischen Temperament. Anfang der 1970er-Jahre gab er die kommerzielle Fotografie auf und lebte fortan unter oft prekären finanziellen Bedingungen, während er sich ganz seiner künstlerischen Praxis widmete.
Hujar war zudem ein meisterhafter Drucker seiner eigenen Fotografien. Zu Lebzeiten fertigte er die meisten seiner Abzüge selbst als klassische Gelatinesilberprints an. Nach seinem Tod legte er fest, dass nur sein Freund, der Künstler Gary Schneider, weitere Drucke seiner Fotografien herstellen dürfe. Die Ausstellung zeigt sowohl originale Abzüge Hujars als auch später entstandene Pigmentdrucke von Schneider.
„Peter Hujar. Eyes Open in the Dark“ ist die erste große Präsentation seines Gesamtwerks in Deutschland. Kuratiert wurde die Ausstellung vom Hujar-Biografen John Douglas Millar und von Gary Schneider in enger Zusammenarbeit mit dem Nachlass des Künstlers. Organisiert wurde sie von Raven Row in London und der Peter Hujar Foundation.
Parallel zur Bonner Ausstellung zeigt der Gropius Bau in Berlin vom 19. März bis 28. Juni 2026 die Ausstellung „Peter Hujar / Liz Deschenes: Persistence of Vision“, die weitere Perspektiven auf Hujars fotografisches Werk eröffnet.
Mit der Schau in der Bundeskunsthalle wird ein Fotograf neu entdeckt, dessen Bilder nicht nur Porträts einzelner Menschen sind, sondern eindringliche Zeugnisse einer künstlerischen Gemeinschaft und einer Zeit, die von Kreativität, Freiheit – und schließlich auch von Verlust geprägt war.
Foto oben: PeterHujar, self-portrait


















