Es sind oft die flüchtigen Momente am Rande der Geschichte, die sich als die nachhaltigsten erweisen. Marilyn & Me von Lawrence Schiller gehört genau in diese Kategorie: ein Buch, das weniger eine Biografie als vielmehr ein visuelles und emotionales Zeitdokument ist – entstanden in den letzten Monaten eines Weltstars.

Im Zentrum steht die Begegnung zwischen der Ikone Marilyn Monroe und einem damals noch unbekannten Fotografen. Als Schiller 1962 im Auftrag von Paris Match ans Set von Something’s Got to Give geschickt wird, ahnt er nicht, dass er nicht nur Bilder machen, sondern Geschichte festhalten wird. Die inzwischen legendären Aufnahmen am Swimmingpool, bei denen Monroe sich nackt inszeniert, markieren nicht nur einen medialen Höhepunkt ihrer Karriere, sondern auch den Durchbruch des Fotografen.
Was dieses Buch jedoch über die bekannten Bilder hinaushebt, ist die Perspektive. Schiller erzählt nicht aus der Distanz des Chronisten, sondern aus der Nähe eines Beteiligten. Seine Erinnerungen lassen eine Atmosphäre entstehen, die zwischen Professionalität und Intimität oszilliert. Monroe erscheint darin weniger als unnahbarer Mythos, sondern als komplexe Persönlichkeit – selbstbewusst, verletzlich, kalkulierend und zugleich zutiefst menschlich.
Die über 100 Fotografien, darunter zahlreiche bislang unveröffentlichte Outtakes, entfalten dabei eine eigene narrative Kraft. Sie zeigen eine Frau, die sich der Kamera bewusst ist, sie nutzt und zugleich von ihr durchdrungen wird. Gerade in diesen Zwischenmomenten entsteht ein Bild, das sich dem üblichen Starkult entzieht und stattdessen eine fast schon intime Nähe zulässt.
Besonders eindringlich wirkt die historische Dimension: Nur wenige Monate nach den Aufnahmen stirbt Monroe unter bis heute ungeklärten Umständen. Diese zeitliche Nähe verleiht den Bildern eine zusätzliche Schwere. Sie werden zu Momentaufnahmen eines Abschieds, der im Moment der Entstehung noch nicht als solcher erkennbar war.
Schillers Buch ist damit mehr als eine Sammlung ikonischer Fotografien. Es ist eine Reflexion über das Verhältnis von Nähe und Distanz, von Inszenierung und Authentizität – und über die fragile Grenze zwischen öffentlichem Bild und privater Realität. Für Leserinnen und Leser, die sich für Fotografiegeschichte, Celebrity-Kultur oder die Mechanismen medialer Ikonen interessieren, ist Marilyn & Me eine ebenso ästhetisch ansprechende wie inhaltlich vielschichtige Publikation.
*Lawrence Schiller: Marilyn & Me, Hardcover, ca. 200 Seiten, Preis: ca. 60 €, ISBN: 978-3-8365-0614-0 (englische Ausgabe). Weitere Ausgaben: multilingual (Englisch/Deutsch, Englisch/Französisch)








