Der 23. Monat der Fotografie in Krakau widmet sich unter dem Titel „Unreal Estate“ den politischen, gesellschaftlichen und historischen Verflechtungen Mitteleuropas. Das internationale Festival findet vom 14. Mai bis 14. Juni 2026 statt und rückt insbesondere die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland in den Fokus.
Ausgangspunkt des diesjährigen Programms ist ein Begriff aus den Memoiren Vladimir Nabokovs. „Unreal Estate“ beschreibt nicht nur verlorene Orte und Erinnerungen, sondern auch den Versuch, Identität unter Bedingungen von Umbruch und Entwurzelung neu zu definieren. Die Kuratoren Krzysztof Pijarski und Anna Voswinckel übertragen dieses Konzept auf Mitteleuropa, eine Region, deren Geschichte von verschobenen Grenzen, politischen Brüchen und komplexen Identitäten geprägt ist.
Im Zentrum des Festivals stehen drei Ausstellungen des Hauptprogramms, die in bedeutenden Institutionen der Stadt gezeigt werden: im Museum für Gegenwartskunst MOCAK, in der Galerie Bunkier Sztuki sowie im Potocki-Palast. Die Ausstellungen sind in thematische Kapitel gegliedert und verbinden Einzelpositionen mit kollektiven Präsentationen.
Bereits seit März ist im MOCAK die Ausstellung „Speak, Volumes“ zu sehen. Sie präsentiert Arbeiten der deutschen Künstlerin Anette Kelm, die sich unter anderem mit im Nationalsozialismus verbotenen Buchausgaben und deren visueller Inszenierung auseinandersetzt. In der Galerie Bunkier Sztuki folgt mit „A Possible Arrangement“ eine umfangreiche Gruppenausstellung, die unterschiedliche künstlerische Perspektiven auf gesellschaftliche Transformation, Erinnerungskultur und urbane Entwicklung in Polen und Deutschland vereint. Im Potocki-Palast schließlich untersucht „Shifting Strata“ Fragen von Landschaft, Geschichte und Identität im Spannungsfeld zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.
Ergänzt wird das Hauptprogramm durch ein vielfältiges Rahmenangebot mit Diskussionen, Führungen, Filmvorführungen und Begegnungen mit Künstlern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung junger Positionen. In der ShowOFF-Sektion werden sechs Projekte international ausgewählter Nachwuchskünstler präsentiert, während die FRINGE-Sektion Arbeiten von Studierenden polnischer und deutscher Kunsthochschulen zeigt.
Der Monat der Fotografie versteht Fotografie als Medium, das gesellschaftliche Realitäten sichtbar macht und neue Perspektiven eröffnet. Die Arbeiten der teilnehmenden Künstler zeigen, wie eng persönliche Geschichten, politische Entwicklungen und historische Erfahrungen miteinander verwoben sind. Fotografie wird dabei zu einem Instrument des Dialogs, das bekannte Zusammenhänge hinterfragt und neue Deutungen ermöglicht.
Mit seinem thematischen Fokus auf Mitteleuropa und den Beziehungen zwischen Polen und Deutschland setzt der Krakauer Photomonth 2026 ein klares Zeichen für die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart. Das Festival lädt dazu ein, vertraute Narrative neu zu betrachten und die komplexen Realitäten einer Region zu reflektieren, die bis heute von ihren historischen Bruchlinien geprägt ist.










