Mit der offiziellen Eröffnung positioniert sich das Nederlands Fotomuseum an seinem neuen Standort als international sichtbares Zentrum der Fotografie – als Archiv, Ausstellungsort und lebendiger Treffpunkt gleichermaßen.

Das Museum hat Anfang Februar 2026 sein dauerhaftes Domizil im umfassend renovierten Santos-Lagerhaus im Rotterdamer Stadtteil Rijnhaven bezogen – einem denkmalgeschützten Gebäude aus den Jahren 1901/1902, das einst als Kaffee-Speicher diente und heute zu den architektonischen Schmuckstücken der Stadt zählt. Möglich wurde der Umzug durch eine großzügige Förderung der Droom en Daad Foundation.
Das historische Lagerhaus, entworfen von den Architekten J. P. Stok Wzn und J. J. Kanters, verbindet nun industrielle Vergangenheit mit zeitgenössischer Architektur. Prägend sind ein neu eingefügtes Atrium und eine markante, perforierte Aluminiumkrone auf dem Dach. In ihr befinden sich Büros, ein Panoramarestaurant sowie mehrere Kurzzeitapartments. Die architektonische Transformation wurde von einem deutsch-niederländischen Planungsteam realisiert und hebt das Gebäude auf ein internationales Museumsniveau – funktional wie gestalterisch.

Mit dem Umzug erhält die nationale Sammlung mit über 6,5 Millionen Objekten erstmals einen Raum, der Größe und Ambition gerecht wird. Der Bestand umfasst mehr als 175 Archive niederländischer Fotografen und reicht von frühen Daguerreotypien aus den 1840er-Jahren bis zu zeitgenössischen digitalen Arbeiten. Ein Schwerpunkt liegt auf analoger und dokumentarischer Fotografie des 20. Jahrhunderts, ergänzt durch aktuelle künstlerische Positionen und Installationen. Zu den besonderen Beständen zählen historische Aufnahmen aus ehemaligen niederländischen Kolonien sowie ikonische Werke bedeutender Fotografen, die die visuelle Geschichte der Niederlande geprägt haben.
Das neue Haus setzt auf Transparenz. In den zentralen Etagen wurden offene Depots und Ateliers eingerichtet, die Einblicke in Restaurierung, Katalogisierung, Forschung und Digitalisierung ermöglichen. Hochentwickelte Klima- und Lichttechnik – inklusive Kältespeichern für empfindliche Negative – sorgt für konservatorische Spitzenstandards. Besucherinnen und Besucher erleben damit nicht nur Ausstellungen, sondern auch die unsichtbare Arbeit hinter dem Archiv.

Den Auftakt des Rundgangs bildet im ersten Obergeschoss die permanente Ehrengalerie. Sie zeichnet die Entwicklung der Fotografie in den Niederlanden von ihren Anfängen um 1839 bis in die digitale Gegenwart nach. Eine Expertengruppe wählte 99 ikonische Fotografien aus – darunter Werke international renommierter Namen – und lädt das Publikum ein, über das „100. Bild“ mitzuentscheiden. Interaktive Stationen, erklärende Videos zur Kameratechnik und eine digitale Bildwand erweitern das klassische Ausstellungskonzept.
Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm richtet sich an Schulen, Jugendliche und Erwachsene. Workshops, Führungen und Ferienformate finden in eigens eingerichteten Studios statt. Ein besonderes Highlight ist die Wiederbelebung der Dunkelkammerarbeit: In einem Pilotprojekt lernen Kinder und Jugendliche analoge Techniken wie Lochkamera und Fotogramm kennen. Damit verbindet das Museum historische Verfahren mit zeitgenössischer Medienbildung.

Zwei Etagen sind temporären Ausstellungen vorbehalten. Die klimatisierte vierte Etage eignet sich für fragile Vintage-Fotografie, während die fünfte Ebene vor allem neuen Talenten Raum gibt. Zur Eröffnung präsentiert das Museum unter anderem eine Hommage an die Cyanotypie – die klassische Blaupause – mit Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler sowie eine groß angelegte Schau zur fotografischen Geschichte Rotterdams mit über 300 Bildern aus 180 Jahren Stadtentwicklung.
Das Erdgeschoss versteht sich als offener Begegnungsraum: Bibliothek mit einer der größten Fotobuchsammlungen Europas, Museumsshop, Empfang, Café und ein Kurzfilm eines niederländischen Fotografen schaffen eine niederschwellige Atmosphäre. Ein nostalgischer analoger Fotoautomat lädt Besucher ein, eigene Porträts zu erstellen – ein spielerischer Brückenschlag zwischen Tradition und Gegenwart.













