„KI ist ein Werkzeug, das den Wert menschlicher Tätigkeit steigert“, schrieb das Magazin Monopol im Januar dieses Jahres. In Bezug auf die Kreativbranche, zu der natürlich nicht nur Fotografierende zählen, ist das ein schönes Szenario. Denn es würde bedeuten, dass gestaltende Arbeiten von denjenigen ausgeführt werden, die auch jetzt im Design, in der Fotografie oder im Film für ihre kreativen Kompetenzen und Leistungen gebucht werden. Nur dass sie ihre Expertise künftig auch dafür nutzen können, um gestaltende und produzierende Arbeiten mit der generativen KI zu erstellen, anstatt beispielsweise mit der Kamera. Nur angekommen sind wir da leider noch nicht.
Die Kreativbranche und viele Akteure im Foto-Business befinden sich in einem beispiellosen Kampf um den Wert ihrer Arbeit, die Vergütung ihrer Expertise und die Art und Weise, wie ihre Dienstleistungen jetzt und künftig produziert werden. Mein Eindruck ist, dass der Umgang damit sehr unterschiedlich ist. In Gesprächen erlebe ich Kreative, darunter viele Fotografinnen und Fotografen, die sich durch die Möglichkeiten der KI extrem motiviert fühlen, in Weiterbildungen Exzellenz in dieser Technologie entwickeln und die KI fest in ihre Arbeitsabläufe integriert haben. Aber auch Kreative, die sich dagegen entschieden haben und eine ablehnende Haltung einnehmen. Allerdings gibt es eine große Gruppe dazwischen. Sie lehnt KI nicht ab, aber hat noch keine Vorstellung davon, welche Arbeitsprozesse die KI bei ihnen übernehmen und verändern könnte und wie sie sich dieses Wissen am besten aneignen.
Die Association of Photographers (AOP) hat 2026 erneut die Auswirkungen generativer KI auf ihre Mitglieder untersucht. Die Umfrage zeigt stark gestiegene finanzielle Verluste und deutliche Umsatzrückgänge bei vielen Fotografinnen und Fotografen. Gleichzeitig werden weniger neue Bilder veröffentlicht und erheblich weniger Aufträge lizenziert. Mehr als die Hälfte der Befragten hat bereits Jobs an KI-Dienste verloren. Nahezu alle fordern Transparenz, Entschädigung für Urheberrechtsverletzungen und ein verbindliches „Opt-In“-Modell für KI-Training. Die große Mehrheit lehnt es zudem ab, eigene Werke als Trainingsdaten bereitzustellen.
Vermutlich verhält sich das auf dem deutschen Markt, insbesondere in der Werbefotografie, nicht anders. Aber macht es nicht sehr deutlich, dass Fotografinnen und Fotografen dringend an ihrem Geschäftsmodell arbeiten und ihre Expertise transformieren sollten?
Dazu eine kleine Geschichte, denn im Gespräch mit einem Fotografen-Duo zeigte sich kürzlich, wie wichtig es ist, Auftraggebern gegenüber Empfehlungen mit Expertise abzugeben, wenn es um die Planung und Produktion einer Bildkampagne geht. Ein Konzern platzierte eine Anfrage bei dem Fotografen-Duo und erkundigte sich zugleich, in welcher Weise Teile der Kampagne oder die gesamte Kampagne mit Hilfe der KI produziert werden können. Bildbestandteile waren Models, Hintergründe und Produkte, grob gesagt drei Ebenen, die theoretisch unterschiedlich und getrennt voneinander produziert und zusammengesetzt werden können. Jetzt ist nicht nur Produktionsexpertise und KI-Kompetenz gefragt, sondern vor allem Beratungskompetenz. Dem Kunden gegenüber schlüssig zu erläutern, welches Konzept mit welchen Argumenten empfehlenswert ist und welche Kosten dabei entstehen. Denn so viel ist klar, die Kostenfrage ist derzeit neben der unklaren oder fehlenden Rechtssicherheit für viele Auftraggeber immer noch das entscheidende Argument.
Was bedeutet das für Fotografierende und das Fotografen-Duo? Auch wenn viele KI persönlich nicht einsetzten oder erlernen wollen, benötigen sie doch die Produktionsexpertise und ein Netzwerk, um Anfragen dieser Art für sich zu entscheiden, indem sie den Kunden gut beraten.
In meinen Workshops für die KI-Weiterbildungen von Synthetic Styles zeigt sich, wie wichtig der Erfahrungshorizont von Fotografen und Stylisten für ein exzellentes Bildergebnis ist. Denn jemand, der gut promptet, braucht dringend auch die Erfahrung, wie Licht fließt und gesetzt wird, was ein guter Bildaufbau ist, oder welche Requisiten und Models eingesetzt werden sollten, um ein innovatives Ergebnis zu erzielen. Liegt es nicht auf der Hand, wie relevant der Wert menschlicher Expertise ist, damit wie auch immer generierte Bilder ästhetisch und wiedererkennbar sind und etwas für die Marke und das Marketing des Auftraggebers erreichen können und nicht nur KI-Slop sind?
Und wann transformieren Sie Ihre Expertise?
Silke Güldner coacht Fotografinnen und Fotografen dabei, ihr Potenzial und ihre Kompetenz im Foto-Business zu entwickeln, zu präsentieren und zu verkaufen.








