Aus zahlreichen internationalen Einreichungen wählte die Jury des PROFIFOTO NEW TALENT AWARD – powered by Canon – fünf Gewinner der Wettbewerbsrunde 26/1 und die drei Best-of-Best 25/26.
Jahressieger wurde Mischa Lluch (Spanien/USA) mit seiner stillen, kontemplativen Serie „Fading“, für die er bereits in Runde 25/2 ausgezeichnet wurde (Foto oben). Mit filmischem Gespür erschafft er traumartige Bildräume, in denen Schönheit nicht im Perfekten, sondern im Verblassenden liegt. Gunnar Wagner: „Eine ausdrucksstarke Arbeit, die vertraute Gestaltungselemente wie Zentralperspektive und Color Grading auf eine neue narrative Ebene hebt. Hier ist nichts zu wenig und nichts zu viel – sehr beindruckend!“

Foto: Liz Obert
Platz 2 geht an Liz Obert (USA), den dritten Platz vergab die Jury an Katrina Dobbermane (Lettland/Frankreich). Weitere Auszeichnungen gehen an Laura Knipsael (Niederlande), Marie Sueur (Frankreich) und Javier Arcenillas (Spanien).

Foto: Katrina Dobbermanne
Die ausgezeichneten Serien zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig zeitgenössische Fotografie heute zwischen konzeptueller Strenge, emotionaler Tiefe und gesellschaftlicher Reflexion agiert.
Die Einreichungen kamen erneut aus zahlreichen Ländern weltweit und spiegeln eine große thematische Bandbreite wider – von Mode und Identitätsfragen über urbane Strukturen bis hin zu kunsthistorischen Bezügen und introspektiven Bildwelten. Das Teilnehmerfeld zeigte eine hohe internationale Diversität sowohl hinsichtlich Herkunft als auch Alter und beruflichem Hintergrund.

Die NTA-Jury 26/1
Die von Thomas Gerwers, ProfiFoto, moderierte Jury der Runde 26/1 bestand aus Bettina Scheerbarth (Hahnemühle FineArt), der PR-Expertin für Fotografie, Nadine Dinter, dem Kurator des Fotogipfels Oberstdorf, Christian Popkes, Guido Krebs (Canon) und Gunnar Wagner (WhiteWall).
Die Gewinnerprojekte
Laura Knipsael (Niederlande) untersucht in ihrer Serie „MOLTITUDE“ die Wandelbarkeit von Identität im Spannungsfeld zwischen digitalem Selbstentwurf und realer Erscheinung. Fünf visuelle Looks fungieren wie auswählbare „Skins“ einer virtuellen Welt und werden zu Metaphern für Selbstinszenierung, Transformation und das Ablegen alter Hüllen. Mode erscheint dabei nicht als Oberfläche, sondern als Instrument der Selbstdefinition. Christian Popkes würdigt die Arbeit als „beeindruckende Symbiose aus modischer Inszenierung und tiefgreifender Identitätsanalyse“, in der Fotografie zur Bühne einer existenziellen Metamorphose werde. Besonders hervorgehoben wird die konsequente Übertragung des biologischen Konzepts der Häutung auf digitale Avatare und die kraftvolle Farbsymbolik als Plädoyer für individuelle Freiheit.

Foto: Laura Knispel
Marie Sueur (Frankreich) erschafft mit „Murmures de l’âme“ einen poetischen Bildraum zwischen Traum, Erinnerung und innerem Erleben. Ihre Fotografien entziehen sich klarer Lesbarkeit und arbeiten mit Licht, Unschärfe, Texturen und symbolischen Elementen, um emotionale Zustände sichtbar zu machen. Bettina Scheerbarth beschreibt die Serie als „leise Bildsprache“, die fragile Momente mit formaler Konsequenz zu eindringlichen Metaphern verdichte und einen kontemplativen Raum eröffne. Zwischen Wahrnehmung und Projektion entsteht eine visuelle Meditation über das Unbewusste als letzten Ort ungefilterter Freiheit.

Foto: Marie Sueur
Javier Arcenillas (Spanien) richtet in „STREET CARTOGRAPHY“ den Blick auf urbane Strukturen unter dem Einfluss von Hitze und gleißendem Licht. Seine im Street-Photography-Duktus gehaltenen Bilder reduzieren Städte auf grafische Zonen, schwarze Leerräume und geometrische Kontraste. Guido Krebs hebt die „beeindruckend konsequente Bildsprache“ hervor, die Hitzezonen sichtbar mache und die Stadt als sensorische wie klimatische Landschaft begreifbar werden lasse. Die Serie wird zu einer visuellen Kartografie urbaner Atmosphäre, in der Licht nicht nur beleuchtet, sondern formt.

Foto: Javier Arcenillas
Liz Obert (USA) verbindet in „American Bodegónes“ kunsthistorische Referenzen mit zeitgenössischer Konsumkritik. Inspiriert von niederländischen Vanitas-Stillleben und spanischen Bodegones inszeniert sie opulente Bildtableaus, in denen Fast-Food-Ästhetik und klassische Komposition aufeinandertreffen. Gunnar Wagner, Creative Director WhiteWall, spricht von „bildgewaltigen, altmeisterlichen Inszenierungen“, die unsere Beziehung zum Essen hinterfragen. Die Arbeit thematisiert Materialismus, Vergänglichkeit und kulturelle Entfremdung und füllt ihre Tische mit „kontroversen Narrativen“, die auch auf den zweiten Blick Wirkung entfalten.
Katrina Dobbermane (Lettland/Frankreich) untersucht in „Constructed.“ den menschlichen Körper als lebendige Architektur. Geometrie, Bewegung und Wiederholung verschmelzen zu einer visuellen Studie über Selbstformung, Disziplin und ästhetische Ideale. Sport und Ernährung erscheinen als Werkzeuge eines permanenten Selbstentwurfs, der Körper als sich ständig wandelndes Kunstwerk. Die Serie verbindet choreografische Sensibilität mit präziser Komposition und reflektiert den Menschen zugleich als Medium und Gestalter seiner eigenen Form. Nadine Dinter: „Katrina Dobbermans Serie Constructed überzeugt durch ihre formale Stringenz und eine durchgängig hohe künstlerische Qualität. Sie besticht nicht nur durch ihr präzises Storytelling, sondern weckt zugleich Assoziationen an die Bildwelten von Robert Mapplethorpe und Bastian Woudt. Mit einer souveränen, klar konturierten Bildsprache – mal als kraftvolle Detailinszenierung, mal als eindringliche, beinahe skulpturale Körperdarstellung – gelingt es Dobberman, den menschlichen Körper ästhetisch als Resonanzraum von Sport, Kunst und Zukunft zu inszenieren.“
NTA 26/2
Der PROFIFOTO NEW TALENT AWARD wird zweimal jährlich von Canon und ProfiFoto in Kooperation mit WhiteWall und Hahnemühle vergeben. Gesucht werden herausragende fotografische Serien mit persönlichem, gesellschaftlichem oder künstlerischem Anspruch – von dokumentarischen Ansätzen bis zu experimentellen Konzepten.
Einmal jährlich prämiert die Jury zusätzlich die drei Best-of-Best-Projekte, die mit insgesamt 3.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet werden. Die zuvor prämierten Arbeiten werden – printed by WhiteWall – im Rahmen ausgewählter Ausstellungen und Branchenveranstaltungen präsentiert.
Die Ausschreibung zur nächsten Wettbewerbsrunde startet im Frühjahr 2026.













