In Berlin sind die Preisträger der achten Ausgabe des Vonovia Award für Fotografie bekannt gegeben worden. Die Auszeichnung würdigt fotografische Arbeiten, die sich mit dem Thema „Zuhause“ auseinandersetzen.
In der Kategorie „New Talent“ setzte sich Maria Bolz mit ihrer Serie „theydream“ durch. Den Preis in der Kategorie „Professional“ erhielt Michael Kohls für seine Arbeit „Etrogim“.
Der Vonovia Award für Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren als Plattform für zeitgenössische fotografische Positionen etabliert. Das alljährlich ausgeschriebene Thema „Zuhause“ wird von den teilnehmenden Fotografen immer wieder neu interpretiert. Die ausgezeichneten Serien der aktuellen Ausgabe zeigen, wie vielfältig sich dieser Begriff aus gesellschaftlicher, persönlicher und kultureller Perspektive betrachten lässt.

PREIS „NEW TALENT, MARIA BOLZ, „theydream“ (2025/26)
Die Serie „theydream“ von Maria Bolz widmet sich Fragen von Identität und Selbstwahrnehmung. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper als ein Ort, der nicht selbstverständlich als Zuhause empfunden wird, sondern durch persönliche Entwicklung und Selbstbehauptung erst gefunden werden muss. In inszenierten Selbstporträts, aufgenommen in der Natur ihrer Heimat, verbindet Bolz Vergangenheit und Gegenwart, Herkunft und Selbstfindung. Die Arbeit reflektiert die Suche nach einem inneren Ort der Zugehörigkeit und erzählt zugleich von Verletzlichkeit und Selbstbestimmung. Die Jury würdigte insbesondere den intensiven biografischen Ansatz sowie die Verbindung unterschiedlicher Bildsprachen, die der Serie eine eigenständige visuelle Dichte verleiht.

PREIS „PROFESSIONAL“, MICHAEL KOHLS, „Etrogim“ (2025/26)
Michael Kohls widmet sich in seiner Serie „Etrogim“ der Frage, was Zuhause für jüdisches Leben in Deutschland heute bedeutet. In Porträts, Stillleben und räumlichen Aufnahmen untersucht er die Spuren von Zugehörigkeit, Erinnerung und kultureller Identität. Die Fotografien zeigen Menschen aus dem persönlichen Umfeld des Künstlers und eröffnen einen differenzierten Blick auf jüdische Lebensrealitäten jenseits gängiger Klischees. Vor dem historischen Hintergrund der Shoa und der damit verbundenen Erfahrung von Verlust und Vertreibung entwickelt Kohls eine visuelle Erzählung, in der sich Identität vor allem in Beziehungen, Symbolen und Erinnerungen manifestiert. Die Jury hob hervor, dass die Arbeit gesellschaftlich relevante Fragen auf sensible Weise behandelt und zugleich ein vielschichtiges Bild jüdischen Alltags entstehen lässt.
Der Vonovia Award für Fotografie ist insgesamt mit 40.000 Euro dotiert. Sieben Fotografen nahmen an der aktuellen Meisterklasse teil, in der sie unter Begleitung von Experten neue Serien mit jeweils sechs bis zwölf Bildern entwickelten. Neben den beiden Hauptpreisen werden die Teilnehmer auch bei der Realisierung ihrer Projekte finanziell unterstützt.
Die fotografischen Positionen der Meisterklasse werden erstmals vom 2. bis 17. Mai 2026 in der Kreativ Kathedrale TRUDI in Essen präsentiert. Weitere Ausstellungen, unter anderem im öffentlichen Raum in Hannover, sind im Laufe des Jahres geplant. Der Vonovia Award bietet damit nicht nur eine finanzielle Förderung, sondern auch eine Plattform für Sichtbarkeit und Austausch innerhalb der zeitgenössischen Fotografie.
Seit seiner Gründung im Jahr 2017 richtet sich der Preis sowohl an etablierte Fotografen als auch an Nachwuchstalente. Die ausgezeichneten Arbeiten werden regelmäßig in Museen und Ausstellungshäusern präsentiert und geben Einblick in aktuelle Entwicklungen der fotografischen Praxis.
Foto oben (v.l.n.r.): Daniel Riedl, Maria Bolz, Michael Kohls, Martin Brockhoff (Foto: Toni Kretschmer, Offenblende)













