Die Leica Camera AG hat die ursprünglich für den Leica Oskar Barnack Award 2026 nominierte Serie „Mariupol – Open Wounds“ des russischen Fotografen Valery Melnikov nachträglich von der Shortlist ausgeschlossen. Vorausgegangen sei eine rechtliche und Compliance-Prüfung.
„Nach einer rechtlichen und Compliance-Prüfung hat die Leica Camera AG entschieden, die von Valery Melnikov eingereichte Serie von der LOBA-Shortlist 2026 auszuschließen“, teilte das Unternehmen mit. Weitere konkrete Gründe für die Entscheidung nennt Leica bislang nicht.
- Foto: Valery Melnikov
- Foto: Valery Melnikov
Damit greift Leica nachträglich in eine bereits abgeschlossene Auswahl ein. Die internationale LOBA-Jury hatte im Mai aus den Vorschlägen von mehr als 130 Fotografieexperten aus 48 Ländern zwölf Serien für die Shortlist bestimmt. Die Bekanntgabe der Gewinner des Hauptpreises und des Newcomer Award ist für den 8. Oktober 2026 in Wetzlar vorgesehen.
„Mariupol – Open Wounds“
Melnikovs Serie beschäftigt sich mit den Menschen in der ukrainischen Hafen- und Industriestadt Mariupol. Leica beschrieb die Arbeit bei Bekanntgabe der Shortlist als fortlaufendes dokumentarisches Projekt über die humanitären Folgen des Krieges für die in der Stadt verbliebene Bevölkerung. Dabei wurde ausdrücklich auf den russischen Überfall auf die Ukraine und die Belagerung Mariupols ab Ende Februar 2022 verwiesen.

Foto: Valery Melnikov (®Alexandra Anikeeva)
Der 1973 geborene Melnikov ist ein international ausgezeichneter Dokumentarfotograf. Nach Angaben von World Press Photo arbeitete er zunächst zehn Jahre für das Verlagshaus Kommersant und seit 2009 für die Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya. Zu seinen früheren Arbeiten gehören Reportagen aus Tschetschenien, Georgien, dem Libanon, Mali, Syrien und der Ostukraine.
Kritik an der Nominierung
Die Aufnahme Melnikovs in die LOBA-Shortlist hatte nach deren Veröffentlichung Kritik hervorgerufen. Ukrainische Fotografen und Autoren beanstandeten insbesondere den politischen Kontext der Arbeit und Melnikovs Verbindungen zu russischen Medien. Der „Kyiv Independent“ berichtete ausführlich über die Kontroverse und zitierte unter anderem ukrainische Fotografen, die eine stärkere Kontextualisierung der Serie und der Bedingungen ihrer Entstehung im russisch besetzten Mariupol forderten.
Ob diese Kritik oder Melnikovs beruflicher Hintergrund unmittelbar Anlass für die jetzt abgeschlossene rechtliche und Compliance-Prüfung waren, hat Leica nicht mitgeteilt. Eine entsprechende Schlussfolgerung wäre daher spekulativ.
Shortlist nachträglich verändert
Der Vorgang ist auch über den konkreten Fall hinaus bemerkenswert: Die fotografische und kuratorische Auswahl des LOBA erfolgt durch eine unabhängige internationale Jury, während Leica als Veranstalter nun auf einer zusätzlichen rechtlichen und Compliance-Ebene eine bereits getroffene Shortlist-Entscheidung korrigiert.
Ursprünglich umfasste die Shortlist zwölf Serien. (leica-oskar-barnack-award.com) Ob der frei gewordene Platz neu besetzt wird, ist bislang nicht bekannt.
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