Der niederländische Fotograf und Biologe Michiel van Noppen gewinnt den Fritz Pölking Preis 2026 mit seinem Projekt Die Gärtner des Waldes. Der Fritz Pölking Jugendpreis geht an den Norweger Tobias Gjerde für sein Portfolio Der Zauber der nordischen Wildnis. Beide Auszeichnungen werden im Rahmen des Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres“ von der Gesellschaft für Naturfotografie GDT vergeben.
Van Noppens ausgezeichnete Arbeit führt in den Regenwald Costa Ricas und beschäftigt sich mit der ökologischen Beziehung zwischen dem Baird-Tapir und dem seltenen Jícaro-Danto-Baum. Der Tapir frisst dessen Früchte, trägt die Samen über weite Strecken und trägt so zur Verbreitung der Pflanze bei. Beide Arten sind jedoch durch Lebensraumverlust, Abholzung und die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen bedroht. Hinzu kommt die Rückkehr der Neuwelt-Schraubenwurmfliege, die insbesondere verletzten Tapiren zusetzt.
- Foto: Michiel van Noppen, Jicaro Danto
- Foto: Michiel van Noppen, Farmers for Conservation
- Foto: Michiel van Noppen, Growing trees of connection
Van Noppen verbindet in seiner Arbeit biologische Expertise mit einem dokumentarisch geprägten fotografischen Ansatz. Er ist Mitglied der International League of Conservation Photographers und Gründer der Sacha Huagra Foundation, die sich dem Schutz des Baird-Tapirs widmet. Die Jury hob besonders hervor, wie konsequent das Projekt wissenschaftliche Zusammenhänge, lokales Wissen und die Lebensrealität der Menschen vor Ort miteinander verbindet.
Jurymitglied Hanneke Van Camp beschreibt die Entscheidung als Abwägung zwischen der visuellen Kraft klassischer Naturfotografie und der gesellschaftlichen Relevanz einer Conservation-Story. Am Ende habe Die Gärtner des Waldes durch Bildauswahl, inhaltliche Geschlossenheit und die respektvolle Nähe zu seinem Thema überzeugt.
Nordische Stille
Der mit dem Jugendpreis ausgezeichnete Tobias Gjerde verfolgt einen deutlich anderen Ansatz. Seine Fotografien entstehen in den frühen Morgenstunden, am Abend und in den kargen Landschaften des Nordens. Tiere erscheinen häufig klein innerhalb weiter Bildräume; Nebel, Licht und Landschaft werden zu gleichberechtigten Elementen der Komposition.
- Foto: Tobias Gjerde
- Foto: Tobias Gjerde
- Foto: Tobias Gjerde
Bemerkenswert ist, dass Gjerde den Jugendpreis bereits zum zweiten Mal in Folge erhält. Der 23-Jährige stammt aus Oslo und fotografiert seit seiner Kindheit. 2024 wurde er als bislang jüngstes Mitglied in die Vereinigung Norske Naturfotografer aufgenommen; 2023 war er als Militärfotograf beim Arktischen Rangerbataillon der norwegischen Armee tätig. Parallel studiert er an der NTNU in Trondheim.
Die Jury würdigte insbesondere die formale Geschlossenheit seines Portfolios. Licht, Raum und nordische Vogelarten bilden darin eine konsistente visuelle Sprache, die weniger auf das spektakuläre Einzelbild als auf Atmosphäre und Konzentration setzt.
Zwei Positionen der Naturfotografie
Gerade im direkten Vergleich zeigen die beiden ausgezeichneten Arbeiten, wie breit zeitgenössische Naturfotografie inzwischen aufgestellt ist: hier die dokumentarisch und ökologisch argumentierende Conservation-Story, dort ein reduziertes, stark atmosphärisches Portfolio. Gemeinsam ist beiden Positionen die intensive Beschäftigung mit ihrem jeweiligen Lebensraum und der Anspruch, über das einzelne Tiermotiv hinauszugehen.
Der internationale Fritz Pölking Preis wird seit 19 Jahren von der Gesellschaft für Naturfotografie GDT gemeinsam mit dem Tecklenborg-Verlag zu Ehren des 2007 verstorbenen Naturfotografen Fritz Pölking ausgeschrieben. Der Hauptpreis ist mit 2.000 Euro, der Jugendpreis mit 1.500 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 23. Oktober 2026 beim Internationalen Naturfotofestival der GDT statt.
Foto oben: Michiel van Noppen, An Endangered Symbioses
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