Mit der Ausstellung „Robert Capa. Der visuelle Journalist“ rückt das Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen in Monschau einen Fotografen in den Mittelpunkt, der den Fotojournalismus des 20. Jahrhunderts nachhaltig veränderte und bis heute das visuelle Gedächtnis ganzer Generationen prägt.

Robert Capa, Pablo Picasso with Françoise Gilot and his nephew Javier Vilato, on the beach, Golfe-Juan, France, August 1948. © Robert Capa © International Center of Photography / Magnum Photos
Die in Kooperation mit Magnum Photos realisierte Schau versteht sich nicht nur als Retrospektive ikonischer Aufnahmen, sondern als umfassender Blick auf Capas Arbeitsweise und Wirkungsgeschichte. Neben Originalfotografien werden historische Magazinseiten, Reproduktionen bedeutender Bildstrecken sowie zeitgenössische Dokumente präsentiert. Veröffentlichungen in internationalen Leitmedien wie Life, Picture Post oder Times verdeutlichen, welchen Einfluss Capas Arbeiten auf die Entwicklung des modernen Bildjournalismus hatten. Ein Teil der gezeigten Exponate ist erstmals in Deutschland zu sehen.
Robert Capa, geboren als Endre Friedmann in Budapest, begann seine Karriere Anfang der 1930er-Jahre in Berlin. Bereits früh zeigte sich sein Mut zur Nähe und sein Gespür für den entscheidenden Moment – Eigenschaften, die später zu seinem Markenzeichen werden sollten. Seine berühmte Maxime „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran“ steht sinnbildlich für eine Haltung, die Authentizität über Distanz stellte. Von Berlin führte sein Weg über Paris in die großen Konfliktzonen Europas und darüber hinaus.
Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung ist Capas Arbeit während des Spanischen Bürgerkriegs sowie seine Berichterstattung aus dem Zweiten Weltkrieg. Fotografien aus England, Nordafrika und Italien zeigen die unmittelbare Konfrontation mit Kriegsgeschehen und Zerstörung. Besonders eindrucksvoll sind die Aufnahmen vom 6. Juni 1944, als Capa die alliierten Truppen bei der Landung in der Normandie begleitete – Bilder, die bis heute als visuelle Chiffren des D-Days gelten.

Robert Capa, Motorcyclists and woman walking on the road from Nam Dinh to Thai Binh, Indochina (Vietnam), May, 1954. © Robert Capa © International Center of Photography / Magnum Photos
Doch die Ausstellung beschränkt sich nicht auf das Bild des Kriegsfotografen. Ein eigenes Kapitel widmet sich Capas Porträtarbeiten und seinem humanistischen Blick auf Menschen jenseits der Frontlinien. Freundschaften mit Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway oder Pablo Picasso sowie seine Beziehung zu Ingrid Bergman spiegeln sich in intimen, oft überraschend leisen Aufnahmen wider. Diese Werke offenbaren eine andere Facette Capas: die Fähigkeit, Nähe nicht nur im Konflikt, sondern auch im Persönlichen herzustellen.
Den Schlusspunkt der Präsentation bildet Capas letzter Auftrag in Indochina. Sein dort entstandenes letztes Foto, aufgenommen kurz vor seinem Tod im Jahr 1954, steht symbolisch für ein Leben im Spannungsfeld zwischen dokumentarischem Anspruch und persönlichem Risiko.
Begleitet wird die Ausstellung von einem vielseitigen Rahmenprogramm mit Vernissage, Workshops für Kinder und Jugendliche sowie einer telefonischen Führung im Rahmen von „Bei Anruf Kultur“. Der Eintritt ist frei, wodurch das Fotografie-Forum einmal mehr seinen Anspruch unterstreicht, Fotografie als öffentlich zugängliche Kulturform zu vermitteln.
Foto oben: Robert Capa photographed by Ruth Orkin, Paris, France, 1951. © Ruth Orkin courtesy Capa Collection













