Während die spektakulären Auktionsergebnisse weiterhin von Malerei und Skulptur dominiert werden, bleibt die Fotografie ein zentraler Bestandteil des breiten Kunstmarktes – auch wenn ihre Bedeutung im Auktionsumsatz geringer ausfällt als ihre tatsächliche Präsenz im Marktgeschehen. Eine Analyse auf Basis des Art Basel & UBS Art Market Report 2026.
Für Fotokünstler ist der internationale Auktionsmarkt vor allem ein Indikator für Marktpreise und Reputation, nicht jedoch ein direkter Absatzkanal. Auktionen bilden in der Regel den Sekundärmarkt, auf dem Werke weiterverkauft werden, die bereits zuvor über Galerien oder andere Kanäle verkauft wurden. Einnahmen aus diesen Verkäufen fließen daher meist nicht an die Künstler selbst, sondern an Sammler, Nachlässe oder andere Einlieferer. Fotokünstler profitieren von steigenden Auktionspreisen in der Regel nur indirekt, etwa durch eine höhere Sichtbarkeit ihrer Position im Markt, eine gesteigerte Nachfrage im Primärmarkt oder eine generelle Aufwertung ihres Werkes im Sammlerumfeld.


Gerade deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Struktur des Auktionsmarktes. Sie erklärt, warum Fotografie innerhalb dieses Systems eine andere Rolle spielt als etwa Malerei oder Skulptur.
Die Struktur des Auktionsmarktes
Wenige Spitzenwerke dominieren den Marktwert. Der globale Markt für Kunstauktionen ist stark konzentriert. Ein sehr kleiner Teil der Werke generiert einen großen Teil des Gesamtumsatzes.
Im Jahr 2025 machten Werke mit einem Zuschlagspreis von über einer Million US-Dollar weniger als ein Prozent aller Auktionstransaktionen aus. Trotz dieser geringen Anzahl entfielen auf dieses Segment 54 Prozent des gesamten Marktwerts der Auktionen.
Innerhalb dieses hochpreisigen Bereichs verteilt sich der Umsatz wiederum auf zwei Hauptsegmente: Werke zwischen einer und zehn Millionen US-Dollar stellten 32 Prozent des Gesamtumsatzes. Werke über zehn Millionen US-Dollar generierten 22 Prozent des Umsatzes.
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die spektakulären Spitzenverkäufe, die häufig mediale Aufmerksamkeit erhalten, zwar nur einen sehr kleinen Teil der tatsächlichen Transaktionen darstellen, aber den größten Teil des Marktwertes bestimmen.
Das eigentliche Marktvolumen liegt im unteren Preissegment, denn die Mehrheit der Auktionen findet in deutlich niedrigeren Preisregionen statt.
Besonders das Segment unter 50.000 US-Dollar hat sich in den vergangenen Jahren als stabiler Kern des Marktes erwiesen. Seit 2019 ist die Zahl der Verkäufe in diesem Preisbereich deutlich gestiegen.
Die Analyse zeigt, dass die Anzahl der Auktionstransaktionen im unteren Preissegment 2025 rund 26 Prozent über dem Niveau von 2019 lag. Insgesamt nahm die Zahl der Auktionstransaktionen über alle Preisstufen hinweg seit 2019 um 23 Prozent zu.
Allerdings wirkt sich dieses Wachstum kaum auf den Gesamtumsatz aus. Da die Preise in diesem Bereich relativ niedrig sind, erhöhten die zusätzlichen Verkäufe den Gesamtwert des Marktes lediglich um etwa fünf Prozent.
Der Auktionsmarkt weist damit eine typische Zweiteilung auf: Die größte Zahl an Verkäufen findet im unteren und mittleren Preissegment statt. Der größte Teil des Umsatzes entsteht durch wenige hochpreisige Werke.
Fotografie im Auktionsmarkt
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Verteilung der Medien innerhalb der verschiedenen Preisstufen. Die höchsten Preissegmente werden klar von Malerei und Skulptur dominiert. Im Jahr 2025 entfielen 87 Prozent der Verkäufe über eine Million US-Dollar auf diese beiden Medien. Im Segment über zehn Millionen US-Dollar lag ihr Anteil sogar bei 92 Prozent.
In den unteren Preissegmenten ist die Situation deutlich vielfältiger. Bei Verkäufen unter 50.000 US-Dollar verteilt sich der Marktwert auf mehrere Medien. Malerei generierte hier 44 Prozent des Umsatzes.Zeichnungen, Aquarelle und andere Arbeiten auf Papier erreichten 19 Prozent.
Fotografie und Druckgrafik zusammen machten einen ähnlich großen Anteil aus wie diese Gruppe der Works on Paper. Fotografie ist damit vor allem im unteren und mittleren Preissegment präsent.
Da fotografische Werke meist in Editionen produziert werden und sich häufig im mittleren Preisbereich bewegen, sind sie besonders stark in jenen Marktsegmenten vertreten, die die größte Zahl an Transaktionen generieren. Das Preisniveau vieler fotografischer Arbeiten liegt typischerweise im Bereich unter 50.000 US-Dollar, also genau in jenem Segment, das seit 2019 die stärkste Zunahme an Verkäufen verzeichnet hat.
Fotografie trägt damit wesentlich zur Dynamik des breiten Sammlermarktes bei. Gleichzeitig bleibt Fotografie im Auktionsmarkt im Vergleich zu Malerei deutlich unterrepräsentiert, wenn es um Spitzenpreise geht.
Da Werke über einer Million US-Dollar mehr als die Hälfte des gesamten Marktwerts ausmachen, bedeutet die geringe Präsenz fotografischer Arbeiten in diesem Bereich automatisch einen geringeren Anteil am Gesamtumsatz des Auktionsmarktes.
Trotzdem hat der Auktionsmarkt auch für Fotokünstler eine wichtige Bedeutung. Hohe Zuschläge für fotografische Werke könnendie Marktposition eines Künstlers stärken,die Nachfrage im Galeriebereich erhöhen und langfristig zu höheren Preisen im Primärmarkt führen.
Da Auktionen jedoch überwiegend den Sekundärmarkt abbilden, profitieren Fotografen finanziell meist nur indirekt von diesen Entwicklungen.
Fazit
Der internationale Auktionsmarkt ist strukturell stark polarisiert. Weniger als ein Prozent der Transaktionen generiert mehr als die Hälfte des Umsatzes, während die große Mehrheit der Verkäufe in deutlich niedrigeren Preissegmenten stattfindet.
Genau in diesem volumenstarken Teil des Marktes ist die Fotografie besonders präsent. Sie trägt wesentlich zur Zahl der Transaktionen bei und spielt eine wichtige Rolle im Sammlermarkt mittlerer Preiskategorien.
Während die spektakulären Auktionsergebnisse weiterhin von Malerei und Skulptur dominiert werden, bleibt die Fotografie ein zentraler Bestandteil des breiten Kunstmarktes – auch wenn ihre Bedeutung im Auktionsumsatz geringer ausfällt als ihre tatsächliche Präsenz im Marktgeschehen.













