Vom 17. bis 21. Juni 2026 wird Oberstdorf erneut zum Treffpunkt der Fotoszene. Unter dem Leitthema „Abenteuer“ entfaltet der Fotogipfel ein vielschichtiges Ausstellungsprogramm, das die Bandbreite fotografischer Ausdrucksformen sichtbar macht.

Fotos: Esther Horvath
Neben Workshops, Vorträgen und Begegnungen bilden die Ausstellungen das inhaltliche Herzstück des Festivals – verteilt über den gesamten Ort und eingebettet in die alpine Landschaft.
Eine der zentralen Positionen nimmt die Ausstellung „Abenteuer – Im Herzen des Eises“ von Esther Horvath ein. Seit mehr als einem Jahrzehnt begleitet die international renommierte Fotografin wissenschaftliche Expeditionen in die Arktis und Antarktis. Ihre Arbeiten dokumentieren nicht nur die extremen Lebensbedingungen vor Ort, sondern auch die Bedeutung der Forschung in diesen sensiblen Ökosystemen.
Präsentiert werden die großformatigen Fotografien an einem ebenso eindrucksvollen wie symbolischen Ort: auf der Gipfelstation des Nebelhorns in über 2.200 Metern Höhe. Die Verbindung von Bild und Landschaft verstärkt die Wirkung der Arbeiten und macht das Thema „Abenteuer“ unmittelbar erfahrbar. Horvaths Fotografien zeigen die Polarregionen nicht als ferne Kulisse, sondern als fragile Lebensräume, deren Zukunft eng mit globalen Entwicklungen verknüpft ist.
Einen ganz anderen Zugang wählt Katja Gerung mit ihrer Ausstellung „Frauenzimmer – She is always a Woman“. In der Galerie Oberstdorf richtet sie den Blick nach innen und versteht Abenteuer als persönlichen Prozess. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Inszenierung und dokumentarischer Beobachtung und kreisen um Fragen weiblicher Identität.

Fotos: Katja Gerung
Gerung arbeitet bewusst reduziert: Kamera, Stativ und Selbstauslöser genügen, um Bildräume zu schaffen, in denen sie zugleich Regisseurin und Protagonistin ist. Die entstandenen Fotografien sind weniger Abbild als Reflexion – visuelle Annäherungen an innere Zustände und Selbstwahrnehmung.
Mit der Ausstellung „Mein größtes Abenteuer“ von Frank Fischer öffnet der Fotogipfel den Raum für die Community. Die gezeigten Arbeiten stammen von Teilnehmern seiner Fotoschule und erzählen von persönlichen Erfahrungen, Reisen und individuellen Perspektiven. Landschaften, Lichtstimmungen und erzählerische Momente verbinden sich zu einem vielstimmigen Bild fotografischer Praxis.
Ergänzt wird dieses Spektrum durch den PROFIFOTO NEW TALENT AWARD 25/26, der gezielt junge Positionen fördert. Die präsentierten Arbeiten zeigen eine große stilistische Bandbreite – von dokumentarischen Ansätzen bis hin zu konzeptuellen Bildserien – und geben einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der zeitgenössischen Fotografie.
Über die genannten Positionen hinaus verwandelt sich ganz Oberstdorf in eine temporäre Galerie. Institutionen und Initiativen wie die Leica Akademie, der DVF, die GDT oder weitere fotografische Netzwerke präsentieren ihre Projekte an unterschiedlichen Orten im Ort. So entsteht ein dichtes Geflecht aus Ausstellungen, das Besucher auf eine visuelle Entdeckungsreise einlädt.
Das Thema „Abenteuer“ wird dabei bewusst offen interpretiert. Es reicht von der klassischen Expedition in entlegene Landschaften über gesellschaftliche Fragestellungen bis hin zu sehr persönlichen, introspektiven Bildwelten. Gerade diese Vielfalt macht den Reiz des Fotogipfels aus: Er zeigt Fotografie nicht als festgelegte Disziplin, sondern als offenes Feld individueller Perspektiven.
Der Fotogipfel Oberstdorf verbindet auf besondere Weise Erlebnis und inhaltliche Auseinandersetzung. Die alpine Umgebung wird dabei selbst Teil der Inszenierung und verstärkt die Wirkung der gezeigten Arbeiten. Gleichzeitig eröffnet das Festival Raum für Begegnung, Austausch und neue Impulse innerhalb der Fotoszene.
So entsteht ein Format, das Fotografie nicht nur zeigt, sondern erlebbar macht – als Abenteuer im besten Sinne: als Entdeckung, als Herausforderung und als Einladung, die eigene Wahrnehmung zu erweitern.











