Der traditionsreiche Kamerahersteller Leica Camera AG steht vor einer Phase strategischer Weichenstellungen. Zum 1. April 2026 übernimmt Andreas Voll den Vorstandsvorsitz des Unternehmens und folgt damit auf Matthias Harsch, der Leica seit 2017 geführt hat.
Der Führungswechsel fällt in eine Zeit, in der nicht nur die operative Führung, sondern auch die Eigentümerstruktur und die langfristige Rolle der Familie Kaufmann verstärkt diskutiert werden.
Mit Andreas Voll setzt Leica auf einen Manager mit internationaler Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie, Industrie und Luxusmarken. Zuletzt leitete er als CEO die fischer Group. Zuvor war er mehrere Jahre in Führungspositionen bei der Schweizer Luxusuhrenmanufaktur IWC Schaffhausen tätig, die zum Luxusgüterkonzern Richemont gehört. Dort verantwortete er zuletzt als Chief Operating Officer operative Bereiche und globale Wachstumsinitiativen.
Seine Karriere begann Voll bei der internationalen Strategieberatung Roland Berger.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Kaufmann betonte bei der Bekanntgabe der Personalie, Voll vereine „unternehmerische Weitsicht, technologische Kompetenz und ein tiefes Verständnis für Luxus- und Premiummarken“.
Voll selbst kündigte an, Leica in eine neue Phase zu führen, in der technologische Innovation und Markenidentität gleichermaßen gestärkt werden. Zu seinen strategischen Schwerpunkten sollen unter anderem Der Ausbau digitaler und vernetzter Imaging-Lösungen, die Weiterentwicklung des Premium-Produktportfolios, die Stärkung globaler Vertriebs- und Retail-Strukturen, Kooperationen im Bereich Mobile Imaging und Optik sowie eine nachhaltige und verantwortungsvolle Produktion gehören.
Sein Vorgänger Matthias Harsch hatte Leica in den vergangenen Jahren stark internationalisiert und die Marke über klassische Kameraprodukte hinaus weiterentwickelt. In dieser Zeit baute das Unternehmen seine Position als globale Premiummarke für Fotografie und Optik weiter aus und erschloss neue Geschäftsfelder.
Symbolisch für diese Entwicklung stand auch das Jahr 2025, in dem Leica das 100-jährige Jubiläum der Kameraproduktion feierte. Bis zum Amtsantritt von Voll führt Harsch die Geschäfte weiter und soll den Übergang begleiten. Darüber hinaus bleibt er dem Unternehmen beratend verbunden.
Der CEO-Wechsel erfolgt parallel zu Diskussionen über mögliche Veränderungen in der Eigentümerstruktur.
Mehrheitseigner der Leica Camera AG ist Andreas Kaufmann, der rund 55 Prozent der Anteile kontrolliert. Weitere 45 Prozent hält der Finanzinvestor Blackstone Inc., der 2011 bei Leica eingestiegen war.
In Branchenkreisen kursieren seit einiger Zeit Spekulationen über einen möglichen Ausstieg von Blackstone. Medienberichte sprechen von einer möglichen Bewertung des Unternehmens im Bereich von rund einer Milliarde Euro. Konkrete Entscheidungen oder bestätigte Verkaufsprozesse gibt es bislang jedoch nicht.
Ein möglicher Investorwechsel würde einen weiteren wichtigen Abschnitt in der jüngeren Unternehmensgeschichte markieren. Der Einstieg von Blackstone hatte Leica damals finanzielle Stabilität verschafft und Investitionen in Produktentwicklung, Digitalisierung und globale Expansion ermöglicht.
Parallel zu den Eigentümerfragen wird in der Branche auch über die langfristige Rolle der Familie Kaufmann diskutiert.
Andreas Kaufmann gilt seit seinem Einstieg Mitte der 2000er-Jahre als prägende Figur der modernen Leica-Ära. Unter seiner Führung entwickelte sich das Unternehmen von einem angeschlagenen Traditionshersteller zu einer globalen Premium-Marke mit wachsender Präsenz in Retail, Kooperationen und digitalen Imaging-Lösungen.
Beobachter sehen deshalb in den aktuellen Entwicklungen auch den Beginn einer möglichen nächsten Generation der Unternehmensführung, auch wenn Kaufmann selbst mehrfach betont hat, dass die Familie langfristig engagiert bleiben wolle.
Vor diesem Hintergrund dürfte dem neuen Vorstandschef Andreas Voll eine Schlüsselrolle zukommen. Er übernimmt das Unternehmen in einer Phase, in der Leica seine strategische Position zwischen Technologieunternehmen, Luxusmarke und kultureller Institution der Fotografie weiter definieren muss.
Die Kombination aus Industrieerfahrung, Premium-Markenhintergrund und internationalem Managementprofil deutet darauf hin, dass Leica sowohl technologisch als auch markenstrategisch weiter wachsen will – unabhängig davon, wie sich die Eigentümerstruktur künftig entwickelt.
Fest steht: Mit dem Führungswechsel beginnt für Leica eine neue Etappe, in der Tradition, Innovation und strategische Eigentümerfragen enger miteinander verknüpft sein dürften als je zuvor.
Foto oben: Andreas Voll













