Mit der Auftakt-Ausstellung von gute aussichten – junge deutsche fotografie 2025/2026 präsentiert das Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein ab Donnerstag, 26. März 2026, 18 Uhr, die Arbeiten der acht diesjährigen Preisträger.
Die renommierte Nachwuchsplattform gibt damit erneut einen konzentrierten Einblick in aktuelle künstlerische Positionen der Fotografie in Deutschland – überraschend, vielschichtig und inhaltlich hoch relevant.
Unter dem diesjährigen Leitmotiv „Das Schweigen berühren“ versammelt die Ausstellung Werke, die sich mit Erinnerung, Gewalt, Identität und Widerstand auseinandersetzen. Aus 108 Einreichungen hat eine hochkarätig besetzte Jury acht Positionen ausgewählt, die auf sehr unterschiedliche Weise versuchen, Unsichtbares sichtbar zu machen und verdrängte Geschichten zu erzählen.

Brenda Alamilla, Transformationen des Schweigens, 2022-2025
Die Bandbreite der Arbeiten ist groß – sowohl formal als auch inhaltlich. Mit ihrer Serie Transformationen des Schweigens analysiert Brenda Alamilla die Bildpolitik der mexikanischen Sensationspresse („Nota Roja“) und legt deren problematische Darstellung von Gewalt offen.

Daniela Duckwitz, Frur, 2025
Daniela Duckwitz nähert sich in Frur der Fluchtgeschichte ihrer eigenen Familie und verknüpft historische Erfahrung mit persönlichen Erinnerungen.

Lynn Gerstmair, Über das Verschwinden, 2024/25
In Über das Verschwinden schafft Lynn Gerstmair eine poetische Hommage an die 1914 ausgestorbene Wandertaube „Martha“ und übersetzt digitale Bilder in textile Strukturen.

Bob Jones, 587 Blitze, 2025
Einen radikal prozessualen Ansatz verfolgt Bob Jones: In seiner Installation 587 Blitze untersucht er mit eigens entwickelten Lochkameras die körperliche Dimension der Bildentstehung und treibt diese bis an die eigene Belastungsgrenze.
Anissa Tavara wiederum erweitert das Medium auf technischer Ebene: In Portrait im Biofilm gelingt ihr eine Form der Bildwiedergabe ohne klassische chemische Verfahren – ein experimenteller Vorstoß in neue fotografische Materialien.
Mehrere Arbeiten widmen sich gesellschaftlich marginalisierten Perspektiven.

Sophie Nawova Meyer, Diese DDR, 2025
In Diese DDR rekonstruiert Sophie Nawova Meyer Lebensrealitäten Schwarzer Menschen in der ehemaligen DDR und eröffnet damit ein bislang wenig erforschtes Kapitel deutscher Geschichte.

Steffen Niers, Immer Hoffnung, 2025
Steffen Niers setzt mit Immer Hoffnung ein stilles, eindringliches Zeichen gegen antisemitische, rassistische und rechtsextreme Gewalt – und stellt den Stimmen der Überlebenden bewusst Raum entgegen.

Gerd Waliszewski, Between the Sirens, 2032-2025
Mit Between the Sirens führt Gerd Waliszewski in den Alltag junger Menschen in der Ukraine, die im Kontext des Krieges zwischen Angst, Nähe und Selbstfindung navigieren. Seine Arbeit verbindet dokumentarische Elemente mit einer intimen, persönlichen Perspektive.
Was alle acht Positionen verbindet, ist ein gemeinsames Interesse an den Brüchen der Gegenwart – und der Versuch, dort Bilder zu finden, wo Sprache oft versagt. Die Ausstellung zeigt Fotografie nicht nur als dokumentarisches Medium, sondern als Werkzeug der Forschung, Reflexion und Transformation.
Die Ausstellung ist bis zum 9. August 2026 im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein zu sehen und täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
https://www.guteaussichten.org
Foto oben: Gute Aussichten Jury 2025 im ZEIT Haus Hamburg (v.l.): Katrin Seidel, Josefine Raab, Stefanie Patruno, Stefan Becht, Amélie Schneider, Holger Jenss und, Hand am Hut, Thomas Struth. Nicht im Bild: Jurorin Frauke Schnoor (Foto: Jewgeni Roppel)









