Die Stiftung World Press Photo hat das Bild „Separated by ICE“ der US-Fotografin Carol Guzy als „Photo of the Year“ gekürt, das die dramatischen Folgen migrationspolitischer Maßnahmen in den USA dokumentiert.
Die Aufnahme (Foto oben) entstand im August 2025 im Jacob K. Javits Federal Building in New York und zeigt den Moment, in dem ein Vater nach einer Gerichtsanhörung von Beamten der Einwanderungsbehörde festgenommen wird – vor den Augen seiner Familie. Guzy hielt die Szene in einem der wenigen Bereiche fest, zu denen Pressevertreter Zugang hatten. Das Bild steht exemplarisch für eine Praxis, bei der Migranten trotz regelkonformer Teilnahme an Anhörungen unmittelbar festgesetzt werden. Die Jury würdigte die Fotografie als eindringliches Dokument staatlicher Maßnahmen und ihrer unmittelbaren menschlichen Konsequenzen.
Carol Guzy selbst betont die Bedeutung der porträtierten Menschen: Die Auszeichnung gehöre letztlich den Familien, die den Mut aufgebracht hätten, ihre Situation sichtbar zu machen. Für die Jury unterstreicht das Bild die Rolle des Fotojournalismus als unverzichtbares Instrument demokratischer Kontrolle, indem es politische Realität nachvollziehbar und überprüfbar macht.

Foto: Saber Nuraldin, EPA ImagesAid, Emergency in Gaza
Neben dem Hauptpreis wurden zwei Finalisten ausgezeichnet, die zentrale globale Krisen des vergangenen Jahres sichtbar machen. Saber Nuraldin erhielt eine Nominierung für seine Aufnahme „Aid Emergency in Gaza“, die die dramatische Versorgungslage im Gazastreifen dokumentiert. Das Bild zeigt Menschen, die versuchen, Hilfslieferungen zu erreichen. Die Jury hob hervor, dass die klare Bildsprache die Dringlichkeit der Situation unmittelbar erfahrbar macht.

Foto: Victor J. Blue, for The New York Times Magazine, The Trials of the Achi Women
Ebenfalls als Finalist ausgezeichnet wurde Victor J. Blue für „The Trials of the Achi Women“, entstanden für das New York Times Magazine. Die Fotografie zeigt indigene Frauen aus Guatemala nach einem historischen Gerichtsprozess, in dem Täter sexualisierter Gewalt aus der Zeit des Bürgerkriegs verurteilt wurden. Der zurückhaltende, klassische Bildaufbau lenkt den Fokus auf die Würde und Stärke der Frauen und setzt damit bewusst einen Kontrapunkt zu gängigen Darstellungen von Opfern.
Insgesamt wurden für den Wettbewerb 57.376 Bilder von 3.747 Fotografen aus 141 Ländern eingereicht. Die prämierten Arbeiten spiegeln laut Jury die zentralen Themen unserer Zeit wider – von politischen Konflikten über soziale Ungleichheit bis hin zu individueller und kollektiver Resilienz.
Die ausgezeichneten Bilder werden im Rahmen der World Press Photo Ausstellung 2026 weltweit in über 60 Städten gezeigt. Die Premiere findet am 24. April in Amsterdam statt. Parallel erscheint das World Press Photo Yearbook 2026, das die prämierten Arbeiten in Buchform zusammenfasst und einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Bildreportagen des Jahres bietet.
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