Der Pirelli Kalender 2027 markiert einen Einschnitt in der Geschichte des legendären „Cal™“: Erstmals werden zwei Fotografen gemeinsam die visuelle Handschrift des Kalenders prägen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Land – Indien – und eine Erzählung, die über reine Bildproduktion hinausgeht.
- Sølve Sundsbø
- Raghu Rai
Mit dem norwegischen Fotografen Sølve Sundsbø und dem indischen Meister Raghu Rai treffen zwei sehr unterschiedliche künstlerische Perspektiven aufeinander. Während Sundsbø für seine experimentelle, oft visuell radikale Bildsprache bekannt ist, steht Rai für eine zutiefst humanistische, dokumentarische Sicht auf Indien.
Doch das Projekt nimmt eine unerwartete Wendung: Der Tod von Raghu Rai verleiht dem Kalender eine zusätzliche, zutiefst persönliche Dimension.
Raghu Rai hatte in den Monaten vor seinem Tod bereits intensiv an seinem Beitrag gearbeitet und eine eigenständige Serie entwickelt – geprägt von seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Indien und seiner visuellen Erzählweise.
Dass dieses Werk nicht unvollendet bleibt, ist dem Engagement seiner Tochter Avani Rai zu verdanken. Sie übernimmt die Verantwortung, die Arbeit ihres Vaters im Sinne seiner Vision zu vollenden.
In ihrer persönlichen Stellungnahme beschreibt sie diesen Prozess nicht nur als künstlerische Aufgabe, sondern als zutiefst emotionale Verbindung: Fotografie wird hier zum Medium der Erinnerung, der Weitergabe und der Nähe über den Tod hinaus.
Indien steht im Zentrum des Kalenders – nicht als exotisierte Kulisse, sondern als komplexer, vielschichtiger Erfahrungsraum. Die Kombination aus Rais (bzw. Avani Rais) intimem, biografisch geprägtem Zugang und Sundsbøs ästhetischer Interpretation verspricht einen spannungsvollen Dialog zweier Sichtweisen.
So entsteht kein homogenes Bild, sondern ein visuelles Spannungsfeld zwischen persönlicher Erinnerung und zeitgenössischer Inszenierung.
Der Pirelli Kalender war stets ein Ort fotografischer Inszenierung auf höchstem Niveau – geprägt von großen Namen und ikonischen Bildsprachen. Die Entscheidung, zwei fotografische Positionen gleichberechtigt zusammenzuführen, erweitert dieses Konzept nun grundlegend.
Zugleich bleibt eine zentrale Konstante bestehen: der Anspruch, Fotografie nicht nur als ästhetisches Produkt, sondern als kulturelle Erzählform zu verstehen. aGerade in der Konstellation von Raghu Rai, Avani Rai und Sølve Sundsbø entsteht ein Werk, das zugleich Hommage, Dialog und Neuanfang ist.
Foto oben: Avani Rai und Raghu Rai (Foto: Nitin Rai, 1997)











