Die aktuelle Studie „Image Market – Business Trends 2026“ von Prof. Lars Bauernschmitt zeichnet ein differenziertes, in Teilen widersprüchliches Bild der Situation von Fotografinnen und Fotografen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

Die Studie macht deutlich, dass KI zwar längst im Arbeitsalltag angekommen ist, jedoch gerade unter professionellen Bildschaffenden keineswegs als selbstverständliches Produktionsmittel etabliert ist.
Im Gegenteil: Die Ergebnisse zeigen eine Branche, die sich in einem Spannungsfeld zwischen technologischer Entwicklung, wirtschaftlichem Druck und einem tief verankerten Verständnis von fotografischer Autorschaft befindet.
Fotografinnen und Fotografen nutzen Künstliche Intelligenz durchaus, allerdings vor allem in unterstützenden Bereichen. Die Studie zeigt, dass sie im Durchschnitt mit etwa 2,3 KI-Tools arbeiten, wobei der Einsatz sich primär auf Aufgaben wie Recherche, Verschlagwortung oder organisatorische Prozesse konzentriert.
Die eigentliche Bildproduktion mittels KI spielt dagegen eine überraschend geringe Rolle. Nur ein kleiner Teil der Befragten gibt an, aktiv Bilder mit KI zu erzeugen, und selbst dort geschieht dies meist in klar abgegrenzten Kontexten wie experimentellen Arbeiten oder einzelnen Aufträgen. Die Mehrheit der Fotografen bleibt der klassischen fotografischen Produktion verpflichtet.
Diese Zurückhaltung ist nicht nur eine Frage der Gewohnheit, sondern Ausdruck eines grundlegenden Vorbehalts gegenüber KI als kreativem Instrument.
Besonders deutlich wird diese Haltung beim Blick auf die tatsächlichen Bildbestände. Der Anteil KI-generierter Bilder in den Archiven professioneller Fotografen ist verschwindend gering.
Bei Fotografinnen liegt er bei etwa 0,005 Prozent, bei Fotografen bei 0,034 Prozent.
Diese Zahlen zeigen, dass KI-Bildproduktion im professionellen Umfeld bislang kaum eine Rolle spielt. Selbst unter denjenigen, die KI nutzen, bleibt der Anteil generierter Bilder marginal. Die Fotografie als dokumentarisches und handwerkliches Verfahren dominiert weiterhin klar das Angebot.
Noch deutlicher fällt die Haltung beim Thema Trainingsdaten aus. Über 90 Prozent der befragten Fotografen lehnen es ab, ihre Bilder für das Training von KI-Systemen zur Verfügung zu stellen.
Diese Ablehnung gilt nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft. Die überwältigende Mehrheit plant nicht, ihre Position zu ändern.
Hier wird ein zentraler Konflikt sichtbar: Während KI-Systeme auf große Mengen an Bilddaten angewiesen sind, verweigern die Urheber genau diese Ressource. Die Gründe dafür liegen sowohl in urheberrechtlichen Bedenken als auch in einem grundlegenden Misstrauen gegenüber der Nutzung und Verwertung eigener Arbeiten durch KI.
Parallel zur technologischen Entwicklung verschärft sich die wirtschaftliche Situation vieler Fotografen. Die Studie zeigt, dass bereits heute ein erheblicher Teil der Befragten Umsatzrückgänge verzeichnet. Besonders betroffen ist der Bereich Werbung und PR, während journalistische Tätigkeiten vergleichsweise stabiler bleiben.
Zugleich erwarten viele Fotografen, dass der Einsatz von KI zu einem weiteren Rückgang von Aufträgen und Archivverkäufen führen wird. Diese Einschätzung wird durch die Aussagen der Bildredaktionen und Auftraggeber gestützt, die tatsächlich planen, künftig weniger klassische Bildproduktionen zu beauftragen.
Damit entsteht ein struktureller Druck auf ein Berufsbild, das ohnehin seit Jahren unter wirtschaftlichen Herausforderungen steht.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis betrifft die Einkommensstruktur. Die Studie zeigt, dass steigende Berufserfahrung nicht automatisch zu höheren Honoraren führt.
Dieses Phänomen deutet darauf hin, dass der Markt zunehmend von festen Budgets und standardisierten Vergütungsmodellen geprägt ist. Gleichzeitig erschwert die Offenheit gegenüber neuen Marktteilnehmern es etablierten Fotografen, ihre Preise durchzusetzen.
Im Kontext von KI verstärkt sich dieser Effekt, da neue Technologien zusätzliche Konkurrenz erzeugen und die Wahrnehmung von Bildproduktion als ersetzbare Leistung fördern.
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Fotografinnen und Fotografen sich in einer Phase des Übergangs befinden. Sie erkennen die Relevanz der Künstlichen Intelligenz und nutzen sie in bestimmten Bereichen, lehnen sie jedoch als zentrales kreatives Werkzeug weitgehend ab.
Gleichzeitig sehen sie sich mit einer Marktentwicklung konfrontiert, die zunehmend von KI-getriebenen Produktionsprozessen beeinflusst wird. Diese Diskrepanz zwischen technologischer Entwicklung und beruflicher Praxis führt zu einer wachsenden Unsicherheit über die zukünftige Rolle der Fotografie.
Die Studie zeigt keine einfache Verdrängung der Fotografie durch Künstliche Intelligenz, sondern eine komplexe Transformation. Fotografinnen und Fotografen stehen nicht außerhalb dieser Entwicklung, aber sie gestalten sie bislang nur begrenzt aktiv mit.
Die Zukunft des Berufs wird entscheidend davon abhängen, ob es gelingt, eine Balance zwischen technologischem Fortschritt, ökonomischer Realität und dem Selbstverständnis fotografischer Arbeit zu finden.
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