Was passiert mit fotografischen Arbeiten nach dem Tod ihrer Urheber? Wie lassen sich Archive langfristig sichern, ordnen und zugänglich machen? Und wer übernimmt Verantwortung für das visuelle Gedächtnis einer Gesellschaft, deren Bilder zunehmend digital entstehen und verschwinden?
Diesen Fragen widmet sich am 19. Juni 2026 das Symposium „Damit Bilder bleiben! Das fotografische Archiv als visuelles Gedächtnis“, das FREELENS gemeinsam mit der Deutsche Fotothek veranstaltet. Die Veranstaltung findet in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek statt.

Maren, Berlin 1989. Foto: Estate Sibylle Bergemann/OSTKREUZ
Im Mittelpunkt stehen die zunehmend drängenden Probleme fotografischer Vor- und Nachlässe. Viele Archive professioneller Fotografen lagern bis heute unsystematisch in Kellern, Kartons oder privaten Räumen, häufig ohne ausreichende Verschlagwortung, Metadaten oder konservatorische Betreuung. Für Angehörige und Nachlassverwalter entstehen dadurch enorme Herausforderungen — sowohl organisatorisch als auch finanziell.
Zugleich wächst mit der Digitalisierung die Gefahr, dass fotografische Arbeiten langfristig unzugänglich oder sogar vollständig verloren gehen. Gerade digitale Bildbestände benötigen dauerhafte Pflege, Migration und Archivierungsstrategien, um über Jahrzehnte hinweg erhalten zu bleiben.
Das Symposium bringt Fotografen, Archivare, Kuratoren und Nachlassverantwortliche zusammen und diskutiert praxisnah mögliche Lösungsansätze. Im Zentrum stehen Fragen wie: Wie kann nachhaltige Archivpraxis bereits zu Lebzeiten entstehen? Welche Rolle spielen Institutionen bei der Sicherung fotografischen Erbes? Wie lassen sich fotografische Bestände sinnvoll strukturieren und zugänglich machen? Und wie kann das kulturelle Gedächtnis der Fotografie langfristig gesichert werden?
Eröffnet wird die Veranstaltung mit einem Video-Grußwort von Hanns-Peter Frentz, Leiter der Arbeitsgruppe „Fotografisches Erbe“ im Deutschen Fotorat. Anschließend geben Dr. Jens Bove und Dr. Agnes Matthias Einblicke in die Arbeit der Deutschen Fotothek und den Umgang mit fotografischen Vor- und Nachlässen innerhalb institutioneller Archivstrukturen.
Weitere Beiträge widmen sich unter anderem dem Estate von Sibylle Bergemann, dem Archiv des Fotografen Wolfgang Prüssner sowie persönlichen Erfahrungen im Umgang mit fotografischen Lebenswerken. Eine Gesprächsrunde mit Rudi Meisel und Jürgen Matschie thematisiert darüber hinaus fotografische Biografien und persönliche Archive.
Das Symposium verweist zugleich auf eine größere Entwicklung innerhalb der Fotografie. Während Museen, Sammlungen und Archive zunehmend den kulturellen Wert fotografischer Nachlässe erkennen, fehlt es vielerorts weiterhin an Infrastruktur, Finanzierung und systematischen Konzepten zur Sicherung fotografischen Erbes.
Gerade im Zeitalter digitaler Bildproduktion gewinnt diese Debatte zusätzlich an Bedeutung. Denn fotografische Archive bestehen längst nicht mehr nur aus Abzügen, Negativen und Kontaktbögen, sondern zunehmend aus Festplatten, Cloudspeichern, RAW-Dateien und komplexen Metadatenstrukturen.
Die Deutsche Fotothek, die 2024 ihr hundertjähriges Bestehen feierte, versteht die Erhaltung und Aktivierung fotografischer Nachlässe als zentrale Aufgabe. Dazu gehören konservatorische Betreuung, hochauflösende Digitalisierung sowie digitale Langzeitarchivierung.
Das Symposium „Damit Bilder bleiben!“ findet am Freitag, den 19. Juni 2026, von 14 bis 17.30 Uhr in der Deutschen Fotothek in Dresden statt. Der Eintritt ist frei.
Foto oben: S-Bahnsteig Alexanderplatz, Berlin-Mitte, DDR, 1980. Foto: Rudi Meisel / Deutsche Fotothek













