Mit der Sprocket Rocket gelang Lomography bereits 2011 eine der ungewöhnlichsten 35-mm-Kameras der analogen Renaissance. Nun erscheint die Panorama-Kamera in zwei neuen zweifarbigen Editionen: Strawberry Fusion und Mint Fusion.

Die neuen Modelle verbinden den experimentellen Charakter der Kamera mit einer auffällig verspielten Gestaltung und richten sich erneut an Fotografen, die bewusst außerhalb klassischer Bildkonventionen arbeiten möchten.
Die Besonderheit der Sprocket Rocket liegt bis heute in ihrem radikalen Umgang mit dem Filmformat. Als weltweit erste 35-mm-Weitwinkelkamera wurde sie speziell dafür entwickelt, die Perforationslöcher des Films sichtbar in die Aufnahme einzubeziehen. Statt das Negativ sauber auf das eigentliche Bildfenster zu begrenzen, nutzt die Kamera die gesamte Breite des Films inklusive der sogenannten Sprocket Holes. Dadurch entstehen extrem breite Panoramaaufnahmen mit kompromisslos analogem Charakter.
Das Bildformat beträgt 1:3 und ermöglicht 18 Panoramaaufnahmen pro Filmrolle. Optional lässt sich eine Maske einsetzen, um auch klassische Panoramen ohne sichtbare Perforation zu fotografieren. Ergänzt wird das Konzept durch manuelle Drehknöpfe, die Vor- und Rückwärtsbewegungen des Films erlauben und so Mehrfachbelichtungen sowie experimentelle Überlagerungen vereinfachen.
Technisch bleibt die Kamera bewusst reduziert. Die Sprocket Rocket arbeitet vollständig mechanisch und benötigt keine Batterien. Verbaut ist ein 30-mm-Weitwinkelobjektiv mit den Blenden f/10.8 und f/16. Neben einer festen Verschlusszeit von 1/100 Sekunde steht zusätzlich ein Bulb-Modus für Langzeitbelichtungen zur Verfügung. Ein Blitzschuh sowie ein Stativgewinde erweitern die kreativen Einsatzmöglichkeiten zusätzlich.
Lomography positioniert die Kamera weniger als präzises Werkzeug, sondern vielmehr als Einladung zum spielerischen Umgang mit Film. Genau darin liegt seit jeher die Stärke der Marke. Die 1992 in Wien gegründete Lomographische Gesellschaft entwickelte sich von einem experimentellen Fotoprojekt zu einer weltweit aktiven Community rund um analoge und kreative Fotografie. Heute umfasst das Sortiment neben Kameras auch Filme, Objektive, Sofortbildprodukte und Zubehör für experimentelle Anwendungen.
Die neuen Farbvarianten unterstreichen diesen Ansatz konsequent. Strawberry Fusion kombiniert Rosa- und Gelbtöne, während Mint Fusion auf eine Mischung aus Pastellgrün und Creme setzt. Damit wird die Kamera selbst zum gestalterischen Objekt und transportiert bereits äußerlich jene spielerische Ästhetik, die sich später auch in den Bildern wiederfindet.
Interessant bleibt dabei vor allem der bewusste Gegenentwurf zur digitalen Perfektion moderner Bildwelten. Die Sprocket Rocket produziert keine technisch makellosen Fotografien, sondern Bilder voller Zufälle, Überlagerungen und Unschärfen. Sichtbare Filmränder, Lichtlecks und unperfekte Kompositionen werden nicht als Fehler verstanden, sondern als Teil des fotografischen Ausdrucks.
Gerade in einer Zeit zunehmend algorithmisch erzeugter Bilder wirkt dieses fast anarchische Verständnis von Fotografie bemerkenswert aktuell. Die Sprocket Rocket erinnert daran, dass analoge Fotografie nicht nur Nostalgie bedeutet, sondern auch Freiheit, Experiment und Kontrollverlust.













