Die Körber-Stiftung und das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg starten mit „Expanded Horizons – Neue fotografische Perspektiven“ ein neues Förder- und Ausstellungsprogramm für junge zeitgenössische Fotografie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das langfristig angelegte Format verbindet Preisgeld, Produktionsbudget, kuratorische Begleitung, Weiterbildung und Ausstellung und will damit nicht nur einzelne Projekte sichtbar machen, sondern künstlerische Entwicklung nachhaltig unterstützen.
Für die erste Ausgabe des Programms wählte eine internationale Fachjury aus rund 60 Nominierungen acht Preisträgerinnen und Preisträger aus. Ihre Arbeiten werden vom 20. November 2026 bis zum 27. April 2027 im PHOXXI – Haus der Photographie Temporär der Deichtorhallen Hamburg gezeigt. Das Jahresthema 2026 lautet „Tomorrow’s Ghosts – (Zeit-)Geister des Fotografischen“.
Mit dem neuen Programm reagieren Körber-Stiftung und Haus der Photographie auf eine Entwicklung, die das Medium Fotografie seit Jahren prägt: Junge fotografische Positionen arbeiten längst nicht mehr ausschließlich mit klassischen Bildformen, sondern erweitern Fotografie in Richtung Installation, Archiv, KI, Bewegtbild, Text, performative Praxis und digitale Bildkulturen. „Expanded Horizons“ nimmt diese Erweiterung des Fotografischen ausdrücklich zum Ausgangspunkt und fragt danach, wie sich das Medium gesellschaftlich, ästhetisch und technologisch weiterentwickelt.
Das erste Jahresthema rückt das Gespenstische als Denkfigur der Gegenwart in den Mittelpunkt. Gemeint sind nicht nur historische Bezüge zur Geisterfotografie des 19. Jahrhunderts, sondern auch aktuelle Phänomene wie KI-generierte Bilder, halluzinierende Systeme, verzerrte Archive, virtuelle Filter, digitale Identitäten und das Fortwirken verdrängter politischer Narrative. Das Gespenstische erscheint damit als ästhetische, mediale und politische Strategie, mit der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu befragen lassen.
Der jährliche Wettbewerb basiert auf einem Nominierungsverfahren. Vorschlagsberechtigt sind Fotografie-Professoren und Lehrende öffentlicher Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie berufene Experten. Eine fünfköpfige internationale Fachjury wählt daraus bis zu acht künstlerische Positionen aus. Zur Jury 2026 gehören Mirelva Berghout, Kuratorin Sammlung Fotografie am Stedelijk Museum Amsterdam, Kai-Michael Hartig, Leiter des Bereichs Kultur der Körber-Stiftung, Nadine Isabelle Henrich, Kuratorin am Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg, Matthias Pfaller, Assistenzkurator Fotografie am Centre Pompidou in Paris, sowie der Künstler Mykola Ridnyi, Gastprofessor der Lensbased Class an der Universität der Künste Berlin.
Die Preisträger des ersten Jahrgangs sind Anastasiia Batishcheva von der Akademie der Künste München, Mai Do von der Bauhaus-Universität Weimar, Teresa Fischer, ebenfalls Bauhaus-Universität Weimar, Nora Handsley von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Lisa Mazenauer von der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, Pavle Nikolić von der Universität für angewandte Kunst Wien und der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris, Vincent Völker von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sowie Cedric Zellweger von der École cantonale d’art de Lausanne.
„Mit dem neuen, international ausgerichteten Expanded Horizons-Ausstellungs- und Förderprogramm positioniert sich das Haus der Photographie als wichtige Plattform für junge fotografische Perspektiven und stärkt künstlerische Ansätze, die das Vokabular fotografischer Praxis erforschen und erweitern“, erklärt Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg.
Eva Nemela, Vorstand der Körber-Stiftung, betont den Förderaspekt des Programms: „Künstlerische Nachwuchsförderung bedeutet für uns, Entwicklung zu ermöglichen und zugleich Räume für Begegnung mit dem Publikum zu schaffen. Expanded Horizons verbindet Förderung, Ausstellung und Vermittlung im fotografischen Bereich – und macht sichtbar, wie junge Positionen uns neue Perspektiven eröffnen.“
Mit „Expanded Horizons“ entsteht in Hamburg ein neues Format, das über die klassische Nachwuchsausstellung hinausgeht. Entscheidend ist die Verbindung von Sichtbarkeit, Produktion, Diskurs und professioneller Qualifizierung. Gerade im deutschsprachigen Raum, in dem viele junge fotografische Positionen zwischen Hochschule, freier Szene, Projektförderung und internationaler Sichtbarkeit navigieren müssen, könnte ein solches Programm eine wichtige Lücke schließen.
Für das Haus der Photographie ist „Expanded Horizons“ zugleich ein programmatisches Signal. Das PHOXXI wird damit erneut als Ort genutzt, an dem Fotografie nicht nur präsentiert, sondern als gegenwärtige Bildpraxis befragt wird. Die Körber-Stiftung stärkt mit dem Programm ihre kulturfördernde Rolle und setzt auf ein Modell, das künstlerische Qualität, gesellschaftliche Relevanz und langfristige Begleitung miteinander verbindet.
Foto oben: Pavle Nikolić: False Friends. Courtesy Expanded Horizons, 2026
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