Mit „We Are Here“ präsentiert das FOTO ARSENAL WIEN die erste Einzelausstellung von Zanele Muholi in Österreich. Mehr als 120 Fotografien, Videoarbeiten und Archivmaterial aus über zwei Jahrzehnten geben vom 19. September 2026 bis 10. Januar 2027 einen umfassenden Einblick in das Werk des südafrikanischen „visual activist“.
- Zanele Muholi, „Phaphama“, Cassilhaus, Chapel Hill, North Carolina, 2016, aus der Serie „Somnyama Nyonyama“. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Cape Town
Im Zentrum von Muholis Arbeit stehen Fragen nach Sichtbarkeit und Repräsentation: Wer wird in Bildern gesehen, wessen Geschichten werden erzählt und in Archiven bewahrt – und wer bleibt unsichtbar? Muholi arbeitet seit mehr als 20 Jahren an der fotografischen Sichtbarmachung Schwarzer lesbischer, schwuler, bisexueller, trans, queerer und intergeschlechtlicher Menschen in Südafrika und darüber hinaus. Die Arbeiten entstehen in engem Austausch mit den Porträtierten und deren Communities.
Dabei versteht Muholi Fotografie nicht allein als künstlerisches Medium, sondern als Form visuellen Aktivismus. Die Bilder schaffen ein Gegenarchiv zu gesellschaftlicher Ausgrenzung und Gewalt und schreiben Menschen in eine visuelle Geschichte ein, die lange übersehen oder verdrängt wurde.
Die von Marit Lena Herrmann kuratierte Ausstellung gliedert sich in sechs Kapitel und versammelt zentrale Werkserien aus unterschiedlichen Schaffensphasen.
- Zanele Muholi, „Zazi II“, Boston, 2019, aus der Serie „Somnyama Nyonyama“. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Cape Town.
Liebe, Alltag und Gemeinschaft
Die Serie „Being“ von 2006 richtet den Blick auf intime lesbische Beziehungen. Muholi zeigt Liebe, Vertrauen und Alltag und setzt damit bewusst positive Bilder Schwarzer queerer Lebensrealitäten gegen stereotype oder ausschließlich von Diskriminierung bestimmte Darstellungen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das ebenfalls 2006 begonnene Langzeitprojekt „Faces and Phases“. Das inzwischen mehrere hundert Schwarzweißporträts umfassende Archiv porträtiert Schwarze LGBTQIA+ Personen und verbindet die Fotografien mit persönlichen Zeugnissen. Parallel zur Ausstellung erscheint 2026 bei MACK eine aktuelle Publikation der Serie.
Auch die Selbstporträts aus „Somnyama Nyonyama“ sind Teil von Muholis Auseinandersetzung mit Identität, gesellschaftlichen Zuschreibungen und historischen Bildtraditionen. Im Selbstporträt „Phaphama“ von 2016 treffen etwa männlich konnotierte Kleidung, kulturelle Zeichen und ein direkter, herausfordernder Blick aufeinander. Der Titel bedeutet auf isiZulu „Wach auf!“.
- Zanele Muholi, „Qiniso, The Sails“, Durban, 2019, aus der Serie „Somnyama Nyonyama“. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Cape Town.
Hasselblad Award 2026
Muholi wurde 2026 mit dem Hasselblad Award ausgezeichnet. Im Oktober folgt eine Ausstellung in Göteborg. Zuvor waren Arbeiten unter anderem in der Tate Modern in London, im Gropius Bau Berlin und im San Francisco Museum of Modern Art zu sehen.
Begleitet wird „We Are Here“ in Wien von Diskussionen, Workshops, Führungen, einer Konferenz sowie Buchpräsentationen. Dazu kooperiert das FOTO ARSENAL WIEN unter anderem mit dem Queer Analog Darkroom Collective, dem Queer Museum Vienna, DER GREIF und dem Österreichischen Filmmuseum.
- Zanele Muholi, „Bester I“, Mayotte, 2015, aus der Serie „Somnyama Nyonyama“. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Cape Town
Die Ausstellung eröffnet am 18. September 2026 um 19 Uhr in Anwesenheit von Zanele Muholi. Am folgenden Tag findet ein Book Talk zu „Faces and Phases“ mit Muholi und Renée Mussai statt. Die Ausstellung läuft vom 19. September 2026 bis 10. Januar 2027.
Foto oben: Zanele Muholi, Miss Dvine II, 2007_



















