Mit „TROPICAL Exp.“ zeigt die BFF Region Berlin Ende August eine Ausstellung, die sich bewusst der analogen Fotografie und ihren Unwägbarkeiten verschreibt. 36 professionelle Fotografen aus ganz Deutschland entwickelten dafür jeweils ein neues Werk auf längst abgelaufenem Filmmaterial. Ausgangspunkt des Projekts war ein ungewöhnlicher Dachbodenfund: eine alte Bonbondose mit der Aufschrift „Tropical“, gefüllt mit Farb- und Schwarz-Weißfilmen unterschiedlicher Formate.
- Foto: Yves_Sucksdorff
Die Ausstellung ist Teil der Reihe „BFF-Triebwerk“, mit der die Berliner Region des Berufsverbands Freie Fotografen und Filmgestalter seit mehr als zehn Jahren zeitgenössische Positionen professioneller Fotografie präsentiert. In diesem Jahr wurde das Experiment besonders konsequent analog gedacht: Rollfilm und Kleinbild, Schwarz-Weiß und Farbe, unbekannte Lagerbedingungen und überschrittene Haltbarkeitsdaten bildeten die gemeinsame Ausgangsbasis.
Kontrollverlust als Konzept
Gerade die Unsicherheit des Materials gehört zum Konzept. Abgelaufene Filme reagieren nicht mehr zuverlässig. Farbverschiebungen, veränderte Kontraste, Schleier oder andere chemisch bedingte Abweichungen lassen sich nur begrenzt vorhersehen. Was in der kommerziellen Fotografie gewöhnlich als Fehler vermieden würde, wird bei „TROPICAL Exp.“ zum gestalterischen Faktor.
Die Ausstellung versteht sich damit auch als Gegenentwurf zu einer zunehmend von digitaler Perfektion und KI-generierten Bildern bestimmten visuellen Kultur. Die Initiatoren betonen den Wert von menschlich erzeugten Bildern, handwerklichem Können und bewusst fotografischen Objekten. Im Mittelpunkt stehen Materialität, Imperfektion und die Auseinandersetzung mit den Grenzen eines Mediums, dessen Ergebnis sich nicht vollständig vorausberechnen lässt.
- Foto: Yves Sucksdorff, Filmbox
Die in der Pressemitteilung gezeigten Arbeiten verdeutlichen die Bandbreite des Ansatzes. Yves Sucksdorff macht bereits die gefundene „Tropical“-Filmdose selbst zum fotografischen Objekt, Mareen Fischinger arrangiert analoge Filmstreifen zu einer grafischen Komposition. Weitere Beispiele von Sucksdorff und Frank Linders zeigen, wie unterschiedlich sich das Ausgangsmaterial zwischen klassischer Schwarz-Weiß-Fotografie und experimenteller Farbarbeit interpretieren lässt.
36 Positionen
Beteiligt sind unter anderem J. Konrad Schmidt, Maximilian König, Yves Sucksdorff, Moritz Leisen, Dominik Butzmann, Jens Oellermann, Jörg Streck, Klaus Mellenthin, Stefan Hobmaier, Samantha Dietmar, Mareen Fischinger, Sabine von Bassewitz, Simon Puschmann, Florian W. Müller, Anke Luckmann, Christian Klant und Frank Linders. Insgesamt vereint die Schau 36 neu entstandene Arbeiten ebenso vieler hauptberuflich tätiger Fotografen.
Die Vernissage findet am Freitag, 28. August 2026, um 19 Uhr in der Galerie von Yves Sucksdorff in der Meinekestr. 6 in Berlin-Charlottenburg statt. Am 29. und 30. August ist die Ausstellung jeweils von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Anschließend kann sie noch bis zum 19. September nach Vereinbarung besucht werden.
„TROPICAL Exp.“ macht damit ausgerechnet jene Eigenschaften zum Thema, die digitale Bildproduktion zunehmend zu eliminieren versucht: Zufall, Materialfehler und Kontrollverlust. Gerade angesichts perfekt steuerbarer KI-Bildwelten bekommt die physische Spur des fotografischen Prozesses dabei eine neue Bedeutung.
Foto oben: Mareen Fischinger

















