Mit PHOTOLABEL.ORG startet in der Schweiz eine neue Initiative zur Kennzeichnung authentischer Fotografien. Statt ausschließlich auf technische Nachweisverfahren zu setzen, verfolgt der von Fotojournalisten gegründete Verein einen bewusst einfachen Ansatz: Fotografen können Bilder, die definierten Authentizitätsrichtlinien entsprechen, mit einem geschützten Label kennzeichnen und damit persönlich für deren Glaubwürdigkeit einstehen.
Ausgangspunkt der Initiative ist ein Problem, das Bildredaktionen, Verlage und Fotografen zunehmend beschäftigt: Fotorealistische KI-Bilder lassen sich allein anhand ihrer visuellen Erscheinung kaum noch zuverlässig von Fotografien unterscheiden. Damit steigt zugleich der Aufwand, den Medien für Verifikation und Kennzeichnung von Bildmaterial betreiben müssen. PHOTOLABEL will diesem Vertrauensverlust ein sichtbares positives Zeichen entgegensetzen.
Positiv-Label statt Warnhinweis
Während viele aktuelle Ansätze vor allem darauf zielen, KI-generierte oder manipulierte Inhalte zu markieren, dreht PHOTOLABEL das Prinzip um. Gekennzeichnet wird nicht das künstliche oder veränderte Bild, sondern die authentische Fotografie.
Das Label soll anzeigen, dass die gezeigte Szene inhaltlich dem entspricht, was sich vor der Kamera befand. Digitale Bildbearbeitung ist dabei ausdrücklich nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Entscheidend sei, dass Betrachter einer gekennzeichneten Fotografie die fotografierte Szene unverfälscht sehen. Damit orientiert sich PHOTOLABEL weniger an der Frage, ob ein Bild bearbeitet wurde, sondern daran, ob durch die Bearbeitung seine inhaltliche Aussage verändert wird.
Das ist insofern bemerkenswert, als sich die Initiative bewusst gegen eine Gleichsetzung von Authentizität und unbearbeiteter Kameradatei stellt. Klassische fotografische Eingriffe wie Korrekturen oder Beschnitt bleiben grundsätzlich möglich. Maßstab soll vielmehr die Wahrhaftigkeit der dargestellten Situation sein.
Verantwortung beim Fotografen
Im Zentrum steht dabei ausdrücklich die Verantwortung des Fotografen. PHOTOLABEL versteht sein Zeichen als Vertrauensversprechen: Wer es verwendet, bürgt dafür, dass ein Bild den festgelegten Richtlinien entspricht.
Der Verein verweist in diesem Zusammenhang auch auf ein Positionspapier des Bundesverbands professioneller Bildanbieter BVPA, wonach sich die Authentizität visueller Inhalte nur im Zusammenspiel von Fotografen, Bildagenturen, Bildredaktionen und Verlagen gewährleisten lasse. PHOTOLABEL setzt dabei bewusst am Beginn dieser Kette an – beim Urheber des Bildes.
Damit greift die Initiative letztlich auf ein Prinzip zurück, das im klassischen Fotojournalismus lange selbstverständlich war: Glaubwürdigkeit entsteht nicht ausschließlich durch Technik, sondern auch durch die Reputation und Verantwortung des Fotografen.
- Gegründet wurde PHOTOLABEL im Sommer 2026 in der Schweiz. Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem der Fotograf und Vereinspräsident Christoph Schütz, der Fotograf und Bildarchivar Yannick Andrea, Jean-Guy Python, Präsident von Photojournalistes suisses/Impressum, sowie die Fotografin Caroline Fink
Ergänzung zu C2PA
PHOTOLABEL positioniert sich ausdrücklich nicht als Alternative oder Konkurrenz zu technischen Herkunftsnachweisen wie C2PA. Vielmehr soll das sichtbare Zeichen solche Systeme ergänzen.
Während Content Credentials und vergleichbare Verfahren Informationen über Entstehung und Bearbeitung eines Bildes technisch dokumentieren können, setzt PHOTOLABEL auf unmittelbare Verständlichkeit. Das Logo lässt sich direkt neben oder auf einer Fotografie darstellen und soll für das Publikum ohne zusätzliche Software oder technische Überprüfung erkennbar sein. Als weiteren Vorteil nennt die Initiative ihre technologische Unabhängigkeit.
Gerade darin liegt allerdings auch die zentrale Herausforderung des Konzepts. Ein Label kann Vertrauen sichtbar machen, technisch beweisen kann es Authentizität nicht. Seine Glaubwürdigkeit steht und fällt deshalb mit klaren Regeln, ihrer konsequenten Anwendung und letztlich mit der Verlässlichkeit derjenigen, die das Zeichen verwenden.
Medien als Zielgruppe
PHOTOLABEL richtet sich deshalb nicht nur an Fotografen. Der Verein hofft ausdrücklich darauf, dass Informationsmedien und Verlage Fotografen bevorzugen, die mit dem Zeichen für die Authentizität ihrer Aufnahmen einstehen, und das Label ihrerseits in ihren Publikationen einsetzen.
Damit soll das Signet im Idealfall eine ähnliche Funktion übernehmen wie andere bekannte Qualitäts- oder Herkunftskennzeichnungen: Es soll unmittelbar signalisieren, dass für ein bestimmtes Bild definierte Standards gelten.
Die Nutzung ist lizenzpflichtig. Entsprechende Lizenzen können laut PHOTOLABEL gegen eine geringe Gebühr über die Website des Vereins erworben werden. Angaben zur konkreten Höhe nennt die Medienmitteilung nicht.
Schweizer Initiative mit internationalem Anspruch
Das verwendete Logo ist nach Angaben des Vereins sowohl in der Schweiz als auch in der Europäischen Union geschützt. Damit ist der Ansatz ausdrücklich nicht auf den Schweizer Markt beschränkt.
Ob sich PHOTOLABEL im Alltag von Redaktionen, Agenturen und Fotografen etablieren kann, wird wesentlich davon abhängen, ob es gelingt, aus dem Logo tatsächlich ein belastbares Vertrauenssignal zu machen. Interessant ist der Ansatz gerade deshalb, weil er dem gegenwärtigen Wettrüsten zwischen Bildgeneratoren und Detektionssystemen eine vergleichsweise analoge Idee entgegensetzt: Nicht jedes künstliche Bild soll erkannt werden – authentische Fotografie soll sich selbst zu erkennen geben.

















