Fotografieren, Film entwickeln und anschließend selbst in der Dunkelkammer vergrößern: Fotograf Rafael Krötz bietet in Stuttgart zweitägige Workshops zur analogen Schwarzweiß-Fotografie an. Gearbeitet wird bewusst in kleinen Gruppen und mit dem kompletten klassischen Workflow vom belichteten Film bis zum fertigen Abzug.
Während analoge Fotografie für viele Fotografen längst wieder selbstverständlicher Bestandteil ihrer Arbeit geworden ist, bleibt der komplette Laborprozess für Einsteiger häufig abstrakt. Genau hier setzen die Workshops von Rafael Krötz an. Statt einzelne Arbeitsschritte isoliert zu behandeln, sollen die Teilnehmer den gesamten Prozess innerhalb eines Wochenendes selbst durchlaufen.
Die Kurse sind auf zwei volle Tage ausgelegt und auf maximal fünf Teilnehmer begrenzt. Je nach Wissensstand beginnt der Samstag mit einer Einführung in die Fototechnik und dem Arbeiten mit Kleinbild-, Mittel- oder Großformatkameras. Zur Verfügung stehen unter anderem Nikon-Kleinbildkameras, Mamiya-Systeme in den Formaten 645 und 6×7 sowie eine Sinar p2 für 4×5 und 8×10 Inch. Eigene analoge Kameras können ebenfalls verwendet werden.
Vom Negativ zum Print
Fotografiert wird im Studio oder in einer alten Industrielocation. Zur Auswahl stehen Porträts, Stilllifes mit selbst mitgebrachten Objekten sowie Architektur- und Detailaufnahmen der Umgebung.
Noch am Samstagnachmittag folgt die Filmentwicklung. Bevor der eigene Film in die Entwicklungsdose kommt, wird zunächst das Einspulen geübt – erst bei Licht, anschließend blind beziehungsweise im Dunkeln. Danach übernimmt jeder Teilnehmer die Verantwortung für die Entwicklung seines eigenen Films.
Der Sonntag gehört vollständig der Dunkelkammer. Die entwickelten Filme werden geschnitten und archiviert, Kontaktabzüge erstellt und die Motive am Leuchttisch ausgewählt. Für die Vergrößerung stehen ein Kienzle-Vergrößerer bis 4×5 Inch sowie mehrere Durst M670 für Kleinbild und Mittelformat zur Verfügung.
Gearbeitet wird zunächst mit ILFORD Multigrade PE-Papier im Format 24 x 30 cm. Jeder Teilnehmer erstellt zwei bis drei eigene Prints in klassischer Schalenentwicklung. Am Ende des Wochenendes gehen Negative, Kontaktbögen und Abzüge gemeinsam mit nach Hause.
Konzentration statt Bilderflut
Krötz versteht den Workshop bewusst auch als Gegenentwurf zum schnellen digitalen Workflow. Entsprechend gibt es bislang nur wenige Aufnahmen aus den Kursen. Eine umfangreiche digitale Dokumentation der ruhigen analogen Arbeitsweise empfindet er selbst eher als störend.
Gerade darin liegt aber auch der Reiz des Konzepts. Zwischen Aufnahme und fertigem Bild liegen nicht Sekunden, sondern zahlreiche handwerkliche Entscheidungen. Belichtung, Filmentwicklung, Kontaktabzug, Motivwahl, Vergrößerung und Papierabzug werden wieder zu voneinander abhängigen Schritten eines fotografischen Prozesses.
Das vorhandene Labor bietet dabei noch Spielraum für weiterführende Formate. Nach Angaben von Krötz können dort Abzüge bis 60 x 80 cm in der Schale hergestellt werden, auch auf Barytpapier. Speziellere Themen- und Aufbaukurse sind für die Zukunft ebenfalls vorgesehen.
Termine im Herbst
Weitere Workshops sind für den 10./11. Oktober, 7./8. November und 28./29. November 2026 angekündigt. Zusätzlich werden gemeinsam mit Calumet Stuttgart Termine am 26./27. September, 17./18. Oktober und 14./15. November angeboten.
Damit richtet sich das Angebot sowohl an Fotografen, die erstmals selbst einen Schwarzweißfilm entwickeln möchten, als auch an diejenigen, die nach langer digitaler Praxis wieder einen vollständigen analogen Workflow kennenlernen oder auffrischen wollen.

















