Mit dem neuen SilverPrinter verbindet JOBO digitale Bilddaten mit klassischer Schwarz-Weiß-Fotochemie. Das gemeinsam mit dem Essener Fachlabor Polycolor entwickelte System belichtet digitale Dateien direkt auf Silbergelatine-Fotopapier und soll hochwertigen Barytprints zu deutlich geringeren Kosten verhelfen.
Mit dem JOBO SilverPrinter stellt der Gummersbacher Analog-Spezialist ein System vor, das die Vorzüge des klassischen Silbergelatine-Prints mit einem weitgehend automatisierten digitalen Workflow verbinden soll.
Entwickelt wurde der SilverPrinter in Zusammenarbeit mit Kai Sandner, Gründer des Essener Fotofachlabors Polycolor. Ziel der mehrjährigen Entwicklung war es, digitale Bilddaten so auf echtes fotografisches Schwarz-Weiß-Papier auszubelichten, dass die tonalen Eigenschaften klassischer Silbergelatine-Abzüge erhalten bleiben.
Mehr als 1.000 Graustufen
Das Herzstück des SilverPrinters bildet eine von Kai Sandner entwickelte Software, die gemeinsam mit einer hochauflösenden Belichtungseinheit fein abgestufte Tonwerte erzeugt. Nach Angaben von JOBO können zwischen der minimalen Dichte des Fotopapiers und dem tiefsten Schwarz mehr als 1.000 Graustufen differenziert werden.
Ein spezieller Algorithmus soll dabei sowohl eine hohe maximale Schwärzung, den sogenannten D-max, als auch gleichmäßige Grauverläufe sicherstellen.
Die Belichtung erfolgt über ein hochauflösendes Panel, eine speziell abgestimmte LED-Lichtquelle und eine kalibrierte Großformatoptik mit 210 Millimetern Brennweite. Der Aufbau orientiert sich an klassischen Vergrößerungsgeräten für Planfilmformate.
Anders als beim herkömmlichen Vergrößern eines Negativs übernimmt das System die Umsetzung der digitalen Bildinformationen auf das lichtempfindliche Papier. Die anschließende fotochemische Verarbeitung macht daraus einen echten Silbergelatine-Abzug, keinen Inkjet-Print.
Formate bis 40 × 50 Zentimeter
Der JOBO SilverPrinter ermöglicht Ausbelichtungen bis zu einer Größe von 40 × 50 Zentimetern bei einer Auflösung von 260 dpi. Nach der einmaligen Anpassung der Bildkontraste können die Dateien ohne weitere Probebelichtungen ausgegeben werden. Laut Hersteller lassen sich so mehr als fünf unterschiedliche Motive pro Stunde ausbelichten.
Digitale Daten, analoges Ergebnis
Der SilverPrinter reagiert auf eine Entwicklung, die JOBO seit Jahren beobachtet: Selbst Fotografen, die weiterhin analog auf Schwarz-Weiß-Film arbeiten, nutzen zunehmend digitale Workflows. Negative werden gescannt, am Computer bearbeitet und anschließend häufig auf Inkjet-Papier ausgegeben.
Der neue Belichter ermöglicht es, diese digitale Zwischenstufe beizubehalten und dennoch zu einem klassischen fotografischen Abzug zurückzukehren. Zugleich eröffnet das Verfahren die Möglichkeit, auch ursprünglich digital aufgenommene Bilder auf Silbergelatine-Papier auszubelichten.
Damit unterscheidet sich das Konzept von der traditionellen Dunkelkammerarbeit, ohne auf die fotografischen Eigenschaften des Silberhalogenid-Materials zu verzichten.
Für Galerien, Künstler und anspruchsvolle Schwarz-Weiß-Fotografen könnte dies besonders interessant sein. Barytpapiere zeichnen sich durch ihre charakteristische Haptik, hohe Tonwertdifferenzierung und bei sachgerechter Verarbeitung durch eine hohe Alterungsbeständigkeit aus.
JOBO verweist in diesem Zusammenhang auf eine mögliche Lebensdauer von mehr als 500 Jahren. Diese Herstellerangabe ist allerdings nicht pauschal auf jeden Print übertragbar, da die tatsächliche Haltbarkeit wesentlich von Papier, Verarbeitung, Wässerung, Lagerung und Präsentationsbedingungen abhängt.
Fertigung in Gummersbach
Der JOBO SilverPrinter wird in Kleinserie beziehungsweise auf Bestellung am Unternehmensstandort Gummersbach gefertigt. Bestellungen sind ab sofort möglich. Der Verkaufspreis des JOBO SilverPrinter liegt bei 14.900 Euro.
Mit dem System erweitert JOBO sein traditionell auf die analoge Filmverarbeitung ausgerichtetes Produktportfolio um eine Lösung für die hybride Schwarz-Weiß-Fotografie. Die Zusammenarbeit mit Polycolor unterstreicht dabei den Anspruch, klassische fotografische Materialien durch zeitgemäße Technik wirtschaftlich nutzbar zu halten.
Ob sich der SilverPrinter im professionellen Laboralltag etabliert, dürfte nicht zuletzt von den tatsächlichen Produktionskosten, der Qualität der Ausbelichtungen und der Nachfrage nach echten Silbergelatine-Prints abhängen. Mit dem neuen System entsteht jedenfalls eine interessante Alternative zwischen aufwendiger Dunkelkammerarbeit und digitalem Fine-Art-Printing.














