Mit seiner 38. Ausgabe setzt das Internationale Festival des Fotojournalismus Visa pour l’Image in Perpignan vom 29. August bis 13. September 2026 erneut ein starkes Zeichen für unabhängigen Journalismus und die Glaubwürdigkeit dokumentarischer Fotografie. Mehr als je zuvor versteht sich das Festival als Gegenpol zu einer von künstlicher Intelligenz, Desinformation und manipulierten Bildern geprägten Medienwelt.

Paolo Roversi, The Smell of India
Festivaldirektor Jean-François Leroy schlägt im Vorfeld des 26. Festivals Visa pour l’Image politische Töne an. Ausgehend von einem KI-generierten Fake-Foto des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro unterstreicht er die Bedeutung verifizierter Bildberichterstattung und professioneller Medien. Die zentrale Botschaft: Gerade im Zeitalter künstlich erzeugter Inhalte wächst der Wert authentischer journalistischer Fotografie.
Das Ausstellungsprogramm 2026 spiegelt diesen Anspruch eindrucksvoll wider. Zu den Höhepunkten zählt eine große Werkschau von Raymond Depardon (Foto oben), Mitbegründer der Agentur Gamma und eine der prägenden Persönlichkeiten des französischen Fotojournalismus. Ebenso bemerkenswert ist die Ausstellung „No End in Sight: Chernobyl 40 Years Later“ von Gerd Ludwig, der seit mehr als drei Jahrzehnten die Folgen der Reaktorkatastrophe dokumentiert.
Aktuelle Krisen und Konflikte stehen ebenfalls im Fokus. Abdulmonam Eassa beleuchtet den Krieg im Sudan, Diego Ibarra Sánchez dokumentiert die Entwicklungen im Libanon, während Robin Tutenges einen seltenen Einblick in den nahezu unbekannten Konflikt in der äthiopischen Amhara-Region ermöglicht.
- Étienne Montès, Fifteen years of photojournalism, then stop!
- Gerd Ludwig, No End in Sight: Chernobyl 40 Years Later
- Diego Ibarra Sánchez (FOR THE NEW YORK TIMES), The Last War, 2015-2026 – Lebanon
Neben klassischen Reportagen bietet das Festival auch überraschende Perspektiven. Jérôme Gence untersucht in seiner Arbeit „Virtual Marriages in Japan“ das Phänomen von Menschen, die fiktive Figuren aus Manga und Videospielen heiraten, während Paolo Roversi mit „The Smell of India“ eine poetische und fast traumartige Sicht auf Indien präsentiert.
Zu den weiteren Highlights gehören die täglichen Abendprojektionen im historischen Campo Santo, die wichtigsten Bildgeschichten des vergangenen Jahres zusammenfassen, sowie die renommierte „Transmission pour l’Image“, bei der etablierte Fotojournalisten ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Als erste Mentoren wurden bereits João Silva, Michael Yamashita und Gerd Ludwig bestätigt.
Auch 2026 vergibt Visa pour l’Image wieder zahlreiche Auszeichnungen und Förderpreise. Dazu gehören die Visa d’or Awards, die Canon Female Photojournalist Grant, die Canon Video Grant sowie mehrere mit jeweils 8.000 Euro dotierte Förderprogramme für dokumentarische Langzeitprojekte.
Damit bleibt Visa pour l’Image nicht nur das weltweit wichtigste Festival für Fotojournalismus, sondern auch ein Ort der Debatte über die Zukunft des visuellen Journalismus – und über die Rolle der Fotografie in einer Zeit, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Simulation zunehmend verschwimmt.
Foto oben: Raymond Depardon, MAGNUM PHOTOS
















