Mit der in Zürich lebenden Künstlerin Jiajia Zhang hat die fünfte Ausgabe des Art Vontobel Contemporary Photography Prize „A New Gaze“ eine Preisträgerin ausgezeichnet, die Fotografie, Video, Installation und Text zu einer vielschichtigen Reflexion über Zukunft, Identität und gesellschaftlichen Wandel verbindet.

Jiajia Zhang
Das Gewinnerprojekt „And in 2084, You are 62“ wird vom 5. Juni bis 31. August 2026 in Zürich präsentiert. Der Preis umfasst ein Preisgeld von 20.000 Schweizer Franken, eine Einzelausstellung sowie die Veröffentlichung eines begleitenden Katalogs.
Für die aktuelle Ausgabe des Wettbewerbs stand das Thema „Switzerland 2084“ im Mittelpunkt. Die teilnehmenden Künstler waren eingeladen, mögliche Zukunftsszenarien für die Schweiz zu entwickeln und sich mit sozialen, technologischen und ökologischen Veränderungen auseinanderzusetzen, die das Land langfristig prägen könnten. Dabei ging es weniger um Prognosen als um die künstlerische Befragung von Zukunft als kultureller Vorstellung.
Jiajia Zhang nähert sich dieser Fragestellung mit einer offenen, prozessorientierten Installation, die Fotografien, Lentikularbilder, Videoarbeiten, Texte und skulpturale Elemente miteinander verbindet. Historische und aktuelle Bildwelten treffen auf persönliche Erinnerungen, Alltagsbeobachtungen und gesellschaftliche Entwicklungen. Dadurch entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der neue Perspektiven auf die sich wandelnde Schweizer Gesellschaft eröffnet.
Zentrum der Installation ist eine verspiegelte Videokammer, die als visueller Anker fungiert. Bewegte Bilder werden hier mit einem Text der britischen Philosophin und Autorin Sadie Plant kombiniert. Persönliche Momente, politische Fragmente, technologische Entwicklungen und popkulturelle Referenzen überlagern sich zu einem komplexen Geflecht von Erinnerungen, Projektionen und Zukunftsentwürfen. Die reflektierende Architektur der Installation bindet das Publikum unmittelbar in diesen Prozess ein und macht die Besucher selbst zu einem Teil der Bildwelt.
Bemerkenswert ist dabei die Entscheidung der Künstlerin, große Zukunftserzählungen zugunsten alltäglicher Beobachtungen zurückzustellen. Gesten der Fürsorge, technologische Artefakte, Objekte und soziale Rollenbilder werden zu Indikatoren gesellschaftlicher Veränderung. Die Arbeit legt nahe, dass die Zukunft nicht allein durch politische Entscheidungen entsteht, sondern ebenso durch die kleinen kulturellen und emotionalen Verschiebungen des Alltags.
Die Jury würdigte insbesondere den Perspektivwechsel des Projekts. Während viele eingereichte Arbeiten die Unsicherheiten zukünftiger Entwicklungen in den Mittelpunkt stellten, zeichne Zhangs Konzept ein differenziertes und zugleich hoffnungsvolles Bild einer möglichen Zukunft. Die Arbeit sei weniger Vision als Momentaufnahme einer Gegenwart, in der die Zukunft bereits angelegt ist.
Jiajia Zhang wurde 1981 im chinesischen Hefei geboren und lebt heute in Zürich. In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie die Zirkulation von Bildern und die Auswirkungen digitaler Bildkulturen auf Intimität, Autorschaft sowie die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum. Ihre Arbeiten wurden international unter anderem in New York, Mailand, Berlin, Paris, St. Gallen und Singapur gezeigt.
Mit „And in 2084, You are 62“ präsentiert die Künstlerin eine ebenso persönliche wie gesellschaftliche Zukunftsbefragung, die zeigt, wie Fotografie und bildbasierte Kunst neue Perspektiven auf die Welt von morgen eröffnen können.
Foto oben: A FILM IN TWO PARTS, THE SECOND of WHICH NEVER ENDS











