Die Paris Photo versammelt vom 12. bis 15. November 2026 insgesamt 242 Aussteller im Grand Palais. Zur 29. Ausgabe der Messe kommen 195 Galerien und 47 Verlage aus 38 Ländern nach Paris. Die Ausgabe steht im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums der Fotografie und verbindet historische Positionen, zeitgenössische Bildstrategien, digitale Perspektiven und internationale Fotobuchkultur.

Thomas Ruff, Porträt (A. Zeitler), 1998
Thomas Ruff/Artists Rights Society (ARS), New York/VG Bild-Kunst, Germany
Courtesy the artist, David Zwirner, Konrad Fischer, Mai 36, Lia Rumma and Sprueth Magers
Das Jubiläum der Fotografie bildet den programmatischen Rahmen der Messe. Paris Photo versteht die 2026er Ausgabe nicht nur als Marktplatz, sondern als Parcours durch die Geschichte und Gegenwart des Mediums. Im Grand Palais treffen frühe fotografische Verfahren auf aktuelle künstlerische Auseinandersetzungen mit Bildproduktion, Reproduktion, Identität und digitaler Transformation.
Hauptsektor
Im Hauptsektor präsentieren 150 Galerien ihre Programme. Zu den neuen Teilnehmern zählen unter anderem Lia Rumma aus Mailand, BIENVENU STEINBERG & C aus New York, Filomena Soares aus Lissabon und Gregor Podnar aus Wien. Zugleich erweitert die Messe ihren internationalen Blick mit Galerien wie La Cometa aus Bogotá, Proyectos Monclova aus Mexiko-Stadt, Silverlens aus Makati City und L’Atelier 21 aus Casablanca.
Ein besonderer Akzent liegt auf der historischen Dimension des Mediums. Im Grand Palais wird Paris Photo Sammler mit einer Installation von Thomas Ruff empfangen. Der Vertreter der Düsseldorfer Schule präsentiert sein Werk in einer retrospektiven Hängung, die in Zusammenarbeit mit fünf Galerien entsteht: David Zwirner, Konrad Fischer, MAI 36, Lia Rumma und Sprüth Magers.
Der Blick in die Frühzeit der Fotografie wird unter anderem durch Galerien geprägt, die auf historische Verfahren spezialisiert sind. Hans P. Kraus Jr. zeigt eine Auswahl von Arbeiten aus den ältesten fotografischen Prozessen, darunter Camera-clara-Zeichnungen, photogene Zeichnungen, Kalotypie-Negative, Daguerreotypien, daguerresche Gravuren und Fotogramme. Vertreten sind dabei frühe Protagonisten wie Louis Daguerre, William Henry Fox Talbot, Girault de Prangey, Anna Atkins und Hippolyte Fizeau.

William Henry Fox Talbot, View from a window, rue de la Paix, 1843 – Courtesy of the artist & Hans P. Kraus Jr. Inc
Dieser historische Fokus wird mit zeitgenössischen Positionen konfrontiert. Galerie Binome präsentiert Künstler, die alte Verfahren wie Glasnegative, Fotogramme oder Collagen neu aufgreifen oder mit aktuellen Technologien die Materialität der Fotografie befragen. Galerie Christophe Gaillard zeigt eine Solo-Präsentation von Isabelle le Minh, die sich mit Geschichte, Formen und Grenzen des Mediums auseinandersetzt. Alberto Damian widmet sich dem italienischen Künstler Paolo Gioli und dessen Serie zu Nicéphore Niépce.
Voices-Sektor
Neben dem Hauptsektor setzen die kuratierten Bereiche eigene Akzente. Der Voices-Sektor steht 2026 unter dem Titel „Disappearance“ und wird von Francesco Zanot und Zasha Colah kuratiert. Er geht von einem Paradox aus: Fotografie wurde lange als Medium verstanden, das bewahrt, was zu verschwinden droht. Zugleich erscheint ihre traditionelle Form heute selbst zunehmend instabil, verändert durch technische, kulturelle und digitale Prozesse, die ihren Status neu definieren. Zu den teilnehmenden Galerien zählen Charim aus Wien mit Ulay, Kristof De Clercq aus Antwerpen mit Léonard Pongo sowie Southern Guild aus Kapstadt mit Lebohang Kganye, Sandra Brewster und Silvia Rosi.
Digital-Sektor
Der Digital-Sektor, kuratiert von Marco de Mutiis, richtet den Blick auf Ursprung und Zukunft des Mediums. Er versteht Fotografie als Technologie, die unsere Wahrnehmung der Welt tiefgreifend verändert hat, und fragt zugleich nach jenen neuen Formen, die unser Sehen in den kommenden zwei Jahrhunderten prägen könnten. Vertreten sind unter anderem Nagel Draxler aus Berlin, Nguyen Wahed aus London und carmen araujo arte aus Caracas.
Emergence-Sektor
Auf der oberen Ebene des Grand Palais präsentiert der Emergence-Sektor zwanzig Projekte von Galerien, die sich jungen künstlerischen Positionen widmen. Gezeigt werden unter anderem Brandon Gercara bei DS Galerie aus Paris, Dev Dhunsi bei Melk Galleri aus Oslo und Randa Mirza bei Galerie Tanit aus Beirut. Damit bleibt Paris Photo auch 2026 ein Ort, an dem sich etablierter Markt, historische Reflexion und neue künstlerische Stimmen begegnen.
Der Publishing-Sektor versammelt 47 Verlage und Händler für Vintage-Fotobücher. Das Spektrum reicht von aktuellen Publikationen bis zu historischen und seltenen Büchern. Neben etablierten Verlagen wie MACK, Atelier EXB und Aperture sind unter anderem Gato Negro und OBSIDIANA aus Mexiko-Stadt sowie Palm* Studios und Sun Archive aus London neu vertreten. Für die internationale Fotobuchszene bleibt Paris Photo damit einer der wichtigsten Treffpunkte des Jahres.

Nadine Ijewere, Untitled, 2025 – Courtesy of the artist & Huxley-Parlour
Partner
Neu ist auch die Partnerschaft mit Pictet. Die Schweizer Gruppe wird offizieller Partner der Messe, neben BMW, das Paris Photo seit 24 Jahren begleitet. Der 2008 gegründete Prix Pictet, einer der international wichtigsten Preise an der Schnittstelle von Fotografie, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung, wird erstmals in einem eigenen Bereich in der Nave des Grand Palais präsentiert. Gezeigt werden Arbeiten ausgezeichneter Fotografen, darunter Positionen zu ökologischen und sozialen Fragestellungen.
Centre Pompidou
Ein weiterer Höhepunkt ist die Einladung an das Centre Pompidou. Unter dem Titel „Revealing: the Photography Collection of Centre Pompidou“ präsentiert die Institution eine Ausstellung mit rund 100 Werken von etwa 30 historischen und zeitgenössischen Künstlern. Die Schau ist als Hommage an die Erfindung der Fotografie zum Jubiläumsjahr angelegt und entfaltet sich entlang der Themen „Making the Image“, „At Infinity“ und „Identities“. Kuratiert wird sie von Damarice Amao, Florian Ebner und Julie Jones.
Mit der 29. Ausgabe positioniert sich Paris Photo 2026 erneut als zentrale internationale Messe für Fotografie und Bildkultur. Der Rahmen des 200-jährigen Jubiläums macht dabei sichtbar, wie weit das Medium heute reicht: von seinen frühesten Verfahren über die klassische Galeriepräsentation und das Fotobuch bis zu digitalen Bildräumen und neuen Formen visueller Autorschaft. Gerade im Grand Palais, das der Messe nach seiner Wiedereröffnung erneut eine repräsentative Bühne bietet, wird Fotografie als historisches, materielles, ökonomisches und technologisches Medium zugleich verhandelt.
Paris Photo
12. bis 15. November 2026
Vernissage: 11. November 2026, nur auf Einladung
Grand Palais, Avenue Winston-Churchill, 75008 Paris















