CEWE richtet sein Geschäft noch konsequenter auf Fotobücher, Prints und andere Fotoprodukte aus. Für Fotografen und Fotokunden ist dabei weniger das aktuelle Quartalsergebnis interessant als die strategische Entwicklung dahinter: Das Fotofinishing wächst, höherwertige Fotobücher gewinnen an Bedeutung und mit Kodak Moments baut CEWE das Sofortbildgeschäft international aus. Im eigenen Fotofachhandel verzichtet der Konzern dagegen bewusst auf niedrigmargige Hardwareumsätze.
Die für den Fotomarkt interessantesten Zahlen stecken im Fotofinishing. Im zweiten Quartal 2026 setzte CEWE 514 Millionen Fotos ab – 5,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Geschäftsbereichs stieg um 7,5 Prozent auf 136,8 Millionen Euro.
- DAs CEWE Headquarter in Oldenburg
Auch das CEWE FOTOBUCH wächst weiter. Im zweiten Quartal wurden rund 1,16 Millionen Exemplare verkauft, 1,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bemerkenswerter ist, dass der damit erzielte Umsatz um 3,1 Prozent zulegte. CEWE führt dies auf den Trend zu höherwertigen Fotobüchern zurück.
Für den Fotomarkt bestätigt sich damit ein Trend: Während Bilder heute überwiegend digital entstehen und konsumiert werden, bleibt ihre physische Umsetzung wirtschaftlich relevant. Dabei scheint nicht allein die Stückzahl zu zählen – hochwertige Ausführungen gewinnen offenbar zusätzlich an Gewicht.
Noch deutlicher wird die Neuausrichtung durch die Übernahme von Kodak Moments Retail Photo Solutions. CEWE will damit sein Sofortfoto-Geschäft international ausbauen und künftig insbesondere in den USA, Kanada, Mexiko und Australien stärker präsent sein.
Kodak Moments steht für Fotolösungen am Point of Sale. Für den Fotomarkt ist die Übernahme deshalb vor allem dort interessant, wo Smartphone- und Digitalkamera-Aufnahmen unmittelbar zu physischen Bildern werden. CEWE verstärkt damit einen Bereich, der digitale Bildproduktion und klassischen Fotoprint direkt miteinander verbindet.
Die Akquisition passt zur grundsätzlichen Fokussierung des Konzerns: Kapital und Management sollen stärker auf das Kerngeschäft Fotofinishing konzentriert werden.
Neben dem Fotofinishing betreibt CEWE weiterhin ein eigenes Fotofachhandelsgeschäft. Dazu gehören CEWE FOTOJOKER (PL), CEWE Japan Photo (NO/SE), CEWE FOTOLAB (SK/CZ) sowie das Oldenburger Stammhaus Wöltje (DE). Insgesamt nennt CEWE aktuell 147 stationäre Standorte.
Im zweiten Quartal sank der Umsatz dieses Geschäftsbereichs allerdings um 15,3 Prozent auf 6,9 Millionen Euro. Dahinter steht jedoch keine grundsätzliche Abkehr vom Kamerahandel. CEWE erklärt vielmehr ausdrücklich, im Bereich Foto-Hardware bewusst auf niedrigmargiges Handelsgeschäft zu verzichten.
Damit zeichnet sich eher eine selektivere Handelsstrategie ab: Kameras und Zubehör bleiben Teil des Angebots, Umsatz um jeden Preis ist jedoch offenbar nicht das Ziel. Die Fotohandelsmarken positioniert CEWE weiterhin ausdrücklich als Spezialisten für Kameras und Fotozubehör.

Produktion des CEWE FOTOBUCHs auf Fotopapier
Konzentration auf Fotografie
Zur stärkeren Fokussierung passt auch der Anfang Juli vollzogene Verkauf der Online-Druckmarken SAXOPRINT, viaprinto und LASERLINE. Mit dem Rückzug aus dem kommerziellen Online-Druck will CEWE Kapital und Managementkapazitäten stärker auf das Fotofinishing konzentrieren.
Das Gesamtbild ist damit klarer als es ein Quartalsbericht zunächst vermuten lässt: CEWE konzentriert sich zunehmend auf jene Bereiche, in denen aus digitalen Aufnahmen physische Fotoprodukte entstehen – vom Fotobuch über klassische Prints bis zum Sofortfoto. Parallel bleibt der eigene Fotofachhandel Bestandteil des Geschäfts, wird aber stärker nach Ertrag statt nach Umsatz gesteuert.
Für Fotografen ist dabei vor allem eine Entwicklung bemerkenswert: Das physische Foto behauptet seinen Markt – und hochwertige Fotoprodukte gewinnen offenbar eher an Bedeutung, als dass sie von der digitalen Bilderflut verdrängt werden.
Foto oben: Der aktuelle CEWE-Vorstand – Dr. Reiner Fageth,Thomas Mehls (Vorstandsvorsitzender), Sirka Hintze, Patrick Berkhouwer (stellvertretender Vorstandsvorsitzender) und Carsten Heitkamp. Foto: CEWE
















