Die 48. Leitz Photographica Auction in der Leica Welt in Wetzlar hat einmal mehr gezeigt, dass seltene Leica-Kameras zu den begehrtesten Sammlerobjekten der Fotografiegeschichte zählen. Während historische Modelle aus den 1930er- bis 1950er-Jahren traditionell die höchsten Preise erzielen, sorgten diesmal auch jüngere Sondereditionen für bemerkenswerte Ergebnisse.

Alexander-Sedlak
Angeführt wurde die Versteigerung von einer Leica MP-33 aus dem Jahr 1957 (Foto oben), die für 600.000 Euro inklusive Aufgeld den Besitzer wechselte. Ebenfalls zu den Spitzenlosen zählte ein Leica Ig-Prototyp mit der außergewöhnlichen Seriennummer 750000, der 540.000 Euro erzielte.
Die Leica MP („M Professional“) gehört zu den seltensten jemals produzierten Leica-Kameras. Zwischen 1956 und 1957 entstanden lediglich 402 Exemplare, von denen nur 141 in schwarzer Lackierung gefertigt wurden.
Die Kamera entstand auf Anregung amerikanischer Pressefotografen wie Alfred Eisenstaedt und David Douglas Duncan, die die Vorteile des Leica-M-Systems mit dem schnellen Filmtransport des Leicavit kombinieren wollten. Damit gilt die MP bis heute als eine der konsequentesten Reportagekameras der Leica-Geschichte.
Das nun versteigerte Exemplar MP-33 wurde zusammen mit einem schwarzen Leicavit-Schnellaufzug und einem ebenfalls schwarz lackierten Summicron 2/50 mm angeboten. Das Ergebnis von 600.000 Euro bestätigt den anhaltenden Stellenwert dieser Kamera innerhalb der internationalen Leica-Sammlerszene.
Für großes Interesse sorgte auch der Leica Ig-Prototyp Nr. 750000. Die um 1953 entstandene Versuchskamera dokumentiert die Entwicklung der letzten Leica-Schraubgewindemodelle und vereint Elemente mehrerer Baureihen in einer einzigartigen Übergangskonstruktion.
- Die Leica IIIb black paint mit der Seriennummer 295302
- Leica Ig Prototyp Nr. 750000
- Leica M Edition 70
Neben ihrem prototypischen Charakter dürfte auch die markante Seriennummer zur Attraktivität des Loses beigetragen haben. Mit 540.000 Euro erreichte der Prototyp einen der höchsten Zuschläge der Auktion.
Für die größte Überraschung sorgte jedoch eine Leica IIIb Black Paint von 1938.
Während das Auktionshaus einen Wert von lediglich 32.000 bis 36.000 Euro erwartete, stieg der Preis während der Versteigerung auf 312.000 Euro inklusive Premium an – beinahe das Zehnfache des Schätzwerts.
Der Grund liegt in ihrer außerordentlichen Seltenheit. Laut Leica-Archiv wurden lediglich fünf Exemplare dieser schwarz lackierten Ausführung produziert und 1938 nach New York ausgeliefert. Die nun angebotene Kamera mit der Seriennummer 295302 zählt damit zu den seltensten bekannten Vorkriegs-Leicas überhaupt.
Interessant ist, dass sich die Nachfrage längst nicht mehr ausschließlich auf historische Kameras konzentriert.
- Leica MP 10323 ,Meister Edition Berlin` Outfit
- Leica M10-P Safari Prototyp
- Leica M6 Black Paint ‚Leitz Auction‘ Set
So erzielte die Leica MP 10323 „Meister Edition Berlin“ aus dem Jahr 2017 einen Zuschlag von 132.000 Euro und vervielfachte damit ihren Schätzwert. Die auf lediglich zehn Exemplare limitierte Sonderedition wurde anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Leica Stores Berlin aufgelegt.
Auch die Leica M6 Black Paint „Leitz Auction“-Edition sowie die Leica M Edition 70 übertrafen ihre ursprünglichen Verkaufspreise deutlich.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich innerhalb der Sammlerszene zunehmend ein eigener Markt für moderne Leica-Sondereditionen etabliert. Limitierte Auflagen, besondere Provenienzen und die Nähe zur Markengeschichte gewinnen dabei ähnlich an Bedeutung wie klassische historische Seltenheiten.
Die Auktion verdeutlicht zugleich einen Trend, der sich seit Jahren beobachten lässt: Hochwertige Kameras werden zunehmend nicht nur als technische Geräte oder Sammlerobjekte wahrgenommen, sondern auch als Zeugnisse der Fotografiegeschichte.
Gerade Modelle wie die Leica MP oder die Leica IIIb stehen für entscheidende Entwicklungen des Fotojournalismus und der Reportagefotografie des 20. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung reicht damit weit über ihren materiellen Wert hinaus.
Die Ergebnisse der Leitz Photographica Auction zeigen, dass der Markt für historische Leica-Kameras weiterhin außerordentlich robust ist. Bemerkenswert ist jedoch vor allem die wachsende Nachfrage nach jüngeren Sondereditionen. Während klassische Sammlerobjekte bislang vor allem durch Alter und Seltenheit definiert wurden, entwickeln sich zunehmend auch moderne Leica-Modelle mit geringer Auflage zu begehrten Sammlerstücken.
Für Fotografen sind solche Auktionen darüber hinaus ein Spiegel der Fotografiegeschichte. Sie machen sichtbar, welche Kameras und Systeme nicht nur technisch, sondern auch kulturell und historisch eine nachhaltige Bedeutung erlangt haben.















