Der Bundesverband professioneller Bildanbieter e.V. (BVPA) hat ein Positionspapier zum Umgang mit KI-generierten und manipulierten Bildern in der Presse veröffentlicht. Unter dem Titel „Vertrauen in visuelle Informationen sichern – Verantwortung gemeinsam wahrnehmen“ formuliert der Verband zentrale Positionen der professionellen Bildanbieter und ruft zu einem engeren Dialog mit Verlagen, Bildredaktionen und weiteren Akteuren der Medienbranche auf.
Ausgangspunkt sind Fälle, in denen manipulierte beziehungsweise KI-generierte Bilder über internationale Distributionswege in die journalistische Berichterstattung gelangt sind. Sie haben deutlich gemacht, wie zentral die Frage der Authentizität visueller Informationen für Medien, Bildanbieter und Öffentlichkeit geworden ist. Für den BVPA geht es dabei nicht nur um technische Prüfverfahren, sondern um Verantwortung entlang der gesamten publizistischen Liefer- und Veröffentlichungskette.
Professionelle Bildagenturen, so der Verband, investieren seit Jahrzehnten erhebliche personelle, technische und organisatorische Ressourcen in Prüfung, Dokumentation und Bereitstellung visueller Inhalte. Herkunft, Urheberschaft und Kontext von Bildern zu sichern, gehöre zum professionellen Selbstverständnis der Branche. Gerade in einer Zeit, in der generative KI Manipulationen immer einfacher und zugleich schwerer erkennbar macht, komme dieser Rolle besondere Bedeutung zu.
Zugleich warnt der BVPA vor falschen Erwartungen. Eine hundertprozentige Garantie für die Echtheit jedes einzelnen Bildes sei weder technisch noch organisatorisch realistisch. Das gelte nicht nur für Bildagenturen, sondern ebenso für Verlage, Plattformen, Technologieanbieter und andere Beteiligte der Wertschöpfungskette. Qualitätssicherung bleibe deshalb ein kontinuierlicher Prozess, der Herkunftsnachweise, Lieferantenmanagement, redaktionelle Prüfung und technische Kontrollmechanismen miteinander verbindet.
Neue Prüf- und Erkennungstechnologien können diesen Prozess unterstützen, menschliche Expertise aber nicht ersetzen. Damit positioniert sich der BVPA gegen eine rein technologische Lösung der Authentizitätsfrage. Bildforensik, Metadaten, KI-Erkennung und Provenienzsysteme sind wichtige Werkzeuge, doch sie müssen in redaktionelle Abläufe eingebettet und von fachkundigen Entscheidungen begleitet werden.
Eine zentrale Aussage des Positionspapiers betrifft die gemeinsame Verantwortung. Die Authentizität visueller Inhalte könne nur im Zusammenspiel von Fotografen, Bildagenturen, Bildredaktionen und Verlagen gesichert werden. Während professionelle Bildanbieter Herkunft, Metadaten und Plausibilität prüfen, bleibt die journalistische Einordnung, Verifikation und letztliche Veröffentlichungsentscheidung Aufgabe der Redaktionen. Glaubwürdigkeit entsteht damit nicht an einer einzelnen Stelle, sondern durch abgestimmte Prozesse entlang der gesamten publizistischen Kette.
Mit Blick auf regulatorische Entwicklungen unterstützt der BVPA sinnvolle Standards zur Herkunfts- und KI-Kennzeichnung. Diese müssten jedoch technisch realisierbar, interoperabel und wirtschaftlich tragfähig sein. Transparenzpflichten dürfen aus Sicht des Verbandes nicht zu Anforderungen führen, die im redaktionellen und agenturseitigen Alltag praktisch nicht umsetzbar sind.
Besonders deutlich wird das Positionspapier beim Thema Ressourcen. Zusätzliche Kontrollen, neue technische Werkzeuge, Dokumentationspflichten und regulatorische Vorgaben verursachen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand. Wer höhere Sicherheits- und Qualitätsstandards erwartet, müsse bereit sein, die dafür notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Die Sicherung glaubwürdiger visueller Berichterstattung sei keine kostenfreie Zusatzleistung, sondern eine Investition in die Integrität journalistischer Medien.
Der BVPA will das Papier als Grundlage für Gespräche mit Verlagen, Bildredaktionen, Journalistenverbänden und weiteren Marktteilnehmern nutzen. Ziel ist die Entwicklung praktikabler Standards für Transparenz, Kennzeichnung und Risikobewertung, die den redaktionellen Alltag unterstützen und zugleich wirtschaftlich umsetzbar bleiben.
Das Positionspapier versteht sich ausdrücklich nicht als abschließende Antwort auf alle Fragen rund um KI und Bildauthentizität. Es markiert vielmehr einen Ausgangspunkt für eine Debatte, die die Bildbranche dauerhaft beschäftigen wird: Wie lässt sich Vertrauen in visuelle Informationen sichern, wenn Bilder leichter denn je erzeugt, verändert und verbreitet werden können?
Download:
bvpa.org














