Mit dem Ausstellungsprogramm 2026 positioniert sich LUMA Arles erneut als zentrale Plattformen für zeitgenössische Bildpraxis. Der neue Ausstellungszyklus startet am 1. Mai 2026, eine zweite Phase folgt ab 4. Juli 2026 – und verbindet Fotografie, Film und installative Arbeiten zu einem vielschichtigen Diskursraum.
Gerade die fotografischen Positionen zeigen, wie stark sich das Medium heute jenseits klassischer Kategorien bewegt – zwischen Bild, Material und Konzept. Im Zentrum der fotografischen Auseinandersetzung steht die Ausstellung Overpainted Photographs von Gerhard Richter (The Tower, Main Gallery, Level -2 | 1. Mai 2026 – 10. Januar 2027). Indem er fotografische Vorlagen mit Ölfarbe überarbeitet, unterläuft Richter gezielt deren dokumentarischen Anspruch.

© Gerhard Richter 2026
Das Bild verliert seine vermeintliche Evidenz und wird zur offenen Oberfläche, in der sich Figuration und Abstraktion überlagern. In einer Zeit, in der Bilder permanent produziert und manipuliert werden, erscheint Fotografie hier nicht als Beweis, sondern als instabile Konstruktion.
Stan Douglas bewegt sich in Bodies Never Lie zwischen Film, Fotografie und Installation (La Mécanique Générale | 4. Juli 2026 – 10. Januar 2027). Seine Arbeit untersucht, wie Geschichte medial konstruiert wird – und wie Bilder als Träger von Macht, Erinnerung und Widerstand fungieren.
Im Zentrum steht eine neue Filmproduktion, die im Spanien der 1950er Jahre angesiedelt ist. Mit komplexen narrativen Strukturen und visuellen Technologien entwickelt Douglas ein vielschichtiges Bildsystem, in dem Vergangenheit nicht dokumentiert, sondern inszeniert wird.

ulianknxx, Image extracted from the video What Colours Can We Dream In This Night Filled With Salt, 2025 © Studioknxx
Mit Amanat präsentiert LUMA Arles eine Arbeit, die zwischen dokumentarischer und poetischer Bildsprache operiert (Les Forges | 4. Juli – 8. November 2026). Ismailova verbindet filmische und fotografische Elemente, um kulturelle Erinnerungsräume Zentralasiens sichtbar zu machen.
Zeit erscheint hier nicht linear, sondern als Überlagerung – als visuelle Verdichtung von Ritualen, Landschaften und kollektiven Erfahrungen.
Mit In the Veins erweitert Camille Henrot den fotografischen Begriff in Richtung eines immersiven Bildraums (The Tower, Glassroom, Level -2 | 1. Mai 2026 – 10. Januar 2027). Die Arbeit untersucht die unsichtbaren Strukturen, die menschliche Erfahrung prägen – Emotionen, Narrative und kulturelle Prägungen.
Fotografie und bewegtes Bild werden hier zu einem sensorischen System, das sichtbar macht, wie sehr Bilder heute nicht nur Realität abbilden, sondern Bedeutungen erzeugen.

Soundwalk Collective (Stephan Crasneanscki, Simone Merli)
© Photo: Vanina Sorrenti
Mit 100 Years of Cahiers d’Art and LUMA Arles rückt das Programm die Rolle von Archiven in den Fokus (The Tower, Living Archives Gallery, Level -2 | 1. Mai 2026 – Frühjahr 2027). Fotografien erscheinen hier nicht als abgeschlossene Werke, sondern als Teil eines dynamischen Systems, das Wahrnehmung und Kunstgeschichte aktiv prägt.
Archive werden als lebendige Strukturen verstanden, die entscheiden, was sichtbar bleibt – und was vergessen wird.
Auffällig ist, dass Fotografie im Programm selten isoliert auftritt. Stattdessen wird sie konsequent eingebettet: als Material (Richter), als narrative Struktur (Douglas), als Teil filmischer Arbeiten (Henrot, Ismailova) oder als archiviertes Wissen (Cahiers d’Art).
Diese Verschiebung ist programmatisch: Fotografie wird nicht als abgeschlossenes Medium verstanden, sondern als offenes System im Austausch mit anderen Disziplinen.
Damit zeigt das Programm von LUMA Arles 2026 deutlich, wohin sich fotografische Praxis entwickelt: weg vom Bild als Beweism hin zum Bild als Prozess, als Ort von Konstruktion, Erinnerung und Aushandlung. Damit wird Fotografie weniger als Technik sichtbar – sondern als Denkform. Oder anders gesagt: Nicht das Bild steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, was ein Bild heute überhaupt noch ist.












