Die Naturfotografie lebt von Geduld, Beobachtungsgabe und dem richtigen Moment. Wie eindrucksvoll sich all das verbinden lässt, zeigt der Wettbewerb „GDT Naturfotograf des Jahres 2026“, den die Gesellschaft für Naturfotografie e.V. jährlich unter ihren Mitgliedern ausrichtet. In diesem Jahr rückt ein bemerkenswert junger Fotograf ins Zentrum: Luca Lorenz (Foto oben) aus Berlin wurde zum Gesamtsieger gekürt.
Sein Bild eines Alpenschneehasen ist weit mehr als eine gelungene Tieraufnahme. Entstanden hoch über der Baumgrenze in den Schweizer Alpen, zeigt es ein Tier, das nahezu mit seiner Umgebung verschmilzt. Kaum sichtbar sitzt der Hase am Eingang einer Felshöhle, das weiße Winterfell wird Teil der verschneiten Landschaft. Lorenz nutzte lange Belichtungszeiten und gezielte Kamerabewegungen, um genau diesen Effekt zu verstärken: das Verschwinden im Sichtbaren.

Foto: Luca Lorenz
Doch die ästhetische Qualität des Bildes trägt eine tiefere Bedeutung. Der Alpenschneehase ist ein stiller Indikator für die Folgen des Klimawandels. Sein saisonaler Fellwechsel wird zunehmend zum Problem, wenn Schnee ausbleibt und das Tier in weißer Tarnung auf braunem Untergrund sichtbar wird. Dieses sogenannte „Colour Mismatch“ macht ihn zur leichten Beute – ein Umstand, den Lorenz mit seiner Arbeit sensibel ins Bewusstsein rückt.
Dass ein erst 20-jähriger Fotograf diese Verbindung von Bildgestaltung und inhaltlicher Aussagekraft so überzeugend meistert, überrascht bei genauerem Hinsehen weniger. Lorenz hat sich die Fotografie autodidaktisch angeeignet und früh ein Gespür für ungewöhnliche Perspektiven und reduzierte Bildsprachen entwickelt. Seine Arbeiten bewegen sich oft zwischen Dokumentation und Abstraktion, zwischen Beobachtung und Interpretation.
Der Wettbewerb selbst unterstreicht die hohe Qualität des gezeigten Materials. 546 Mitglieder aus 15 Ländern reichten rund 9.000 Bilder ein. Nach einer Vorauswahl durch eine Fachjury entschieden die Mitglieder über die besten Arbeiten in sieben Kategorien – von Vögeln über Landschaften bis hin zur Sonderkategorie „Biodiversität“, die in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung ausgelobt wurde.
Neben dem Gesamtsieg von Luca Lorenz wurden zahlreiche weitere Fotografen ausgezeichnet, deren Arbeiten die Vielfalt und Ausdruckskraft der Naturfotografie widerspiegeln. Sie alle eint der Anspruch, Natur nicht nur abzubilden, sondern erfahrbar zu machen – und damit auch für ihren Schutz zu sensibilisieren.










