Fotografiska Berlin setzt im zweiten Halbjahr 2026 mit Ausstellungen von Thomas Billhardt, Lauren Greenfield und Roger Ballen auf drei sehr unterschiedliche Positionen, die Fotografie als dokumentarisches, soziales und künstlerisch erweitertes Medium begreifen. Ergänzt wird das Programm durch die Reihe „Emerging Berlin“.

Thomas Billhardt, Alexanderplatz, Berlin, 1960 © Thomas Billhardt, CAMERA WORK Gallery
Den Auftakt bildet ab dem 28. August 2026 die Ausstellung „Thomas Billhardt – Die Augen weit offen“.
Thomas Billhardt
Bis zum 7. Februar 2027 zeigt Fotografiska Berlin Arbeiten eines Fotografen, dessen Werk eng mit der politischen und sozialen Geschichte der DDR, aber auch mit internationalen Schauplätzen des 20. Jahrhunderts verbunden ist. Billhardt fotografierte den Alexanderplatz über Jahrzehnte hinweg, dokumentierte den Vietnamkrieg und reiste nach Kuba sowie in die UdSSR. Seine Bilder zeigen Geschichte nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als Gegenwart im Moment ihrer Entstehung.
„Die Augen weit offen“ richtet den Blick auf das Leben in einem unfreien System, ohne es rückblickend nostalgisch zu verklären. Billhardts Fotografien zeigen Alltag, Anpassung, Protest, Zärtlichkeit, Überleben und soziale Realität in politischen Ordnungen, die größer sind als das einzelne Individuum. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Camera Work Gallery.
Lauren Greenfield
Ab dem 26. September 2026 folgt mit „Lauren Greenfield – Social Studies“ eine Ausstellung, die sich der Gegenwart digitaler Bild- und Lebenswelten widmet (Foto oben: Couple Selfie, Aimee and Braden, both 18, University of Arizona, Tuscon, 2022 © Lauren Greenfield). Greenfield untersucht, was es bedeutet, im Zeitalter von Smartphone, Social Media und permanenter Selbstbeobachtung aufzuwachsen. Über ein Jahr lang begleitete sie Jugendliche aus Los Angeles, filmte sie in Schule, Familie und Freundeskreis und zeichnete parallel ihre Smartphonedaten in Echtzeit auf. Das Projekt wurde zunächst als fünfteilige Serie realisiert und ist nun bis zum 12. Januar 2027 als Ausstellung in Berlin zu sehen.
Fotografiska Berlin vergrößert mit „Social Studies“ jene Bildräume, die normalerweise auf dem Smartphone-Display stattfinden, auf Lebensgröße. Auf rund 450 Quadratmetern verbindet die Ausstellung Fotografien, Typologien, eine immersive Jugendzimmerinstallation, einen Algorithmenraum und einen Screeningraum. Greenfield macht sichtbar, wie digitale Medien Identität, Beziehungen, Selbstwertgefühl und soziale Rollen formen. Dabei geht es nicht allein um Kritik an Plattformen, sondern um die Frage, wie sich Menschen ihre Handlungsfähigkeit im digitalen Raum zurückerobern können.
Begleitend zur Ausstellung arbeitet Fotografiska Berlin mit dem Education Innovation Lab und dem Adenauer Campus zusammen. Geplant sind partizipative Workshops mit Berliner Jugendlichen, deren Ergebnisse in eine digitale Lernreise einfließen sollen. Außerdem ist freier Eintritt für Schulklassen vorgesehen. Damit erweitert „Social Studies“ den Ausstellungsraum in den Bildungsbereich und führt die Auseinandersetzung über Bildmacht, Medienkompetenz und digitale Verantwortung fort.
Roger Ballen
Am 6. November 2026 eröffnet mit „roger ballen.! drawing meets photography“ die dritte große Ausstellung des Halbjahres. Bis zum 14. März 2027 zeigt Fotografiska Berlin das Werk eines Künstlers, der die Grenzen zwischen Fotografie, Zeichnung und Malerei konsequent erweitert hat. Roger Ballen entwickelte sich von einer erzählenden dokumentarischen Fotografie hin zu einer intermedialen Praxis, die von Spontanität, psychologischer Verdichtung und Elementen der Art Brut geprägt ist.

Roger Ballen, Snatched, 2021, from the series Spirits and Spaces © Roger Ballen
Die Ausstellung präsentiert Ballens Werk in einer chronologisch angelegten Struktur. Zu sehen sind ikonische Schwarz-Weiß-Fotografien, neuere farbige Arbeiten, Polaroids, Radierungen und Originalzeichnungen. Ergänzt wird die Präsentation durch weniger bekannte Werke sowie Installationen, darunter das neue Werk „Drawing Man“. Im Zentrum steht jene Bildsprache, die als „Ballenesque“ bekannt geworden ist: ein visuelles Universum zwischen Inszenierung, Zufall, Zeichnung, Raum, Körper und psychischem Innenbild. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem museum gugging.
Emerging Berlin
Neben den großen Einzelpräsentationen führt Fotografiska Berlin das Programm „Emerging Berlin“ fort. Die Reihe richtet den Blick auf die Zukunft fotografischer Praxis in einer Stadt, die internationale Künstler, Experimente und neue visuelle Sprachen anzieht. Über einen Open Call ausgewählte Künstlerinnen und Künstler erhalten Einzelausstellungen, Mentoring, Medienpräsenz und professionelle Unterstützung. Im zweiten Halbjahr 2026 zeigt Fotografiska Berlin Arbeiten von Carola Lampe vom 14. August bis 20. Oktober 2026 sowie von Miji Ih vom 23. Oktober 2026 bis 13. Januar 2027.
Mit Billhardt, Greenfield und Ballen spannt Fotografiska Berlin einen weiten Bogen: von Zeitgeschichte und politischer Dokumentation über die Analyse digitaler Jugendkultur bis zur Erweiterung fotografischer Bildräume in Richtung Zeichnung, Installation und Malerei. Gemeinsam ist den Ausstellungen die Frage, wie Bilder Wirklichkeit nicht nur abbilden, sondern formen, herausfordern und neu lesbar machen.
Die Ausstellungen entstehen in Partnerschaft mit IFA Berlin und Volkswagen R sowie in Kooperation mit WhiteWall als Fotografie-Druckpartner. Fotografiska Berlin befindet sich in der Oranienburger Straße 54 in Berlin-Mitte und ist täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet.












