Für den deutschen Markt kündigen sich fünf ungewöhnliche FineArt-Papiere aus dem ILFORD GALERIE Sortiment an. Drei handgeschöpfte japanische Tesuki-Washi treffen auf zwei schwere Cotton-Medien, die eine matte Oberfläche mit einem lichtabhängigen Pearlescent-Effekt verbinden.
Die neuen Papiere sind auf eine Bildwirkung ausgelegt, bei der das Trägermaterial sichtbar bleibt. Fasern, Strukturen und natürliche Unregelmäßigkeiten werden nicht hinter einer möglichst neutralen Oberfläche verborgen, sondern bewusst Teil des Prints. Besonders bei den drei Washi-Medien entsteht dadurch ein deutlicher Gegenpol zum technisch perfekten, vollkommen gleichmäßigen Inkjetpapier.
Handgeschöpft in Echizen
Tesuki-Washi Yanase 120, Pearlescent 120 und Hokusai 210 werden in Echizen in der japanischen Präfektur Fukui von Hand geschöpft. Die Region blickt auf eine mehr als 1.500-jährige Tradition der Washi-Herstellung zurück. Alle drei Papiere bestehen aus 60 Prozent Hanf und 40 Prozent Kozo. Eine von ILFORD entwickelte Beschichtung macht die handgefertigten Bögen für den FineArt-Inkjetdruck nutzbar.
Das 120 g/m² schwere Tesuki-Washi Yanase ist die hellste und zurückhaltendste Variante des Trios. Seine matte, natürlich faserige Oberfläche besitzt eine Stärke von 300 µm. Die Eigenstruktur des Papiers bleibt sichtbar, ohne das Bild durch einen zusätzlichen Glanz- oder Schimmereffekt zu überlagern. ILFORD bietet Yanase in verschiedenen Blattformaten an, teilweise auch mit den für handgeschöpfte Papiere typischen unregelmäßigen Büttenrändern.
Tesuki-Washi Hokusai 210 ist mit 210 g/m² und einer Stärke von 480 µm deutlich schwerer und voluminöser. Der Bogen besitzt dadurch eine ausgeprägte materielle Präsenz und eignet sich besonders für Arbeiten, bei denen das Papier nicht nur Bildträger, sondern Teil des Objekts sein soll. In Japan wurde Hokusai Ende Juni 2026 in den Handel eingeführt.
Tesuki-Washi Pearlescent 120 verbindet die natürliche Struktur des handgeschöpften Papiers mit einem perlmuttartigen Schimmer. Unter diffusem Raumlicht kann der Effekt ausgesprochen zurückhaltend bleiben. Bei direkter Beleuchtung und wechselndem Betrachtungswinkel tritt die zusätzliche Reflexionsebene deutlicher hervor. ILFORD Japan hatte das Papier im Dezember 2025 als Ergänzung der Tesuki-Washi-Serie angekündigt.
Matte Baumwolle mit Pearlescent-Effekt
Einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgen auch Smooth Cotton Pearlescent 310 und Textured Cotton Pearlescent 310. Beide Medien bestehen aus 100 Prozent Baumwolle, wiegen 310 g/m² und kombinieren den Charakter eines matten Cotton-Rag-Papiers mit einer von ILFORD als „Sparkle Effect“ bezeichneten Beschichtung.
Smooth Cotton Pearlescent besitzt eine besonders gleichmäßige Oberfläche und eine Stärke von 550 µm. Sie unterstützt feine Details, ruhige Flächen und weiche Tonwertverläufe. Der Pearlescent-Effekt ergänzt diese zurückhaltende Oberfläche um einen feinen Schimmer in Lichtern und Mitteltönen, ohne den Print in ein klassisch glänzendes Papier zu verwandeln. (Ilford)
Textured Cotton Pearlescent ist mit 570 µm geringfügig stärker. Seine sicht- und fühlbare Struktur wird bewusst Teil der Bildgestaltung. Je nach Beleuchtung kommt zur plastischen Papieroberfläche eine zweite, reflektierende Ebene hinzu. Das Medium richtet sich damit vor allem an Motive, bei denen Materialität, Oberfläche und Lichtwirkung eine eigenständige gestalterische Funktion übernehmen sollen. (Ilford)
Die Pearlescent-Beschichtung verlangt allerdings eine angepasste Druckabstimmung. ILFORD weist in den technischen Datenblättern darauf hin, dass abhängig vom Motiv eine Erhöhung der Bilddichte um etwa zehn bis 20 Prozent erforderlich sein kann. Auch für eine präzise Farbabstimmung können weitere Korrekturen notwendig werden. Ein individueller Testprint dürfte daher sinnvoller sein als die unveränderte Übernahme eines Profils für ein reguläres mattes Cotton-Papier. (Ilford)
Motiv und Licht entscheiden
Die neuen Medien eignen sich nicht gleichermaßen für jedes Bild. Die Washi-Papiere legen sich mit ihrer sichtbaren Faserstruktur stärker über das Motiv und dürften besonders bei reduzierten Bildwelten, grafischen Arbeiten, Porträts, Stillleben und monochromen Motiven ihre Wirkung entfalten.
Bei den Pearlescent-Papieren entscheidet zusätzlich die spätere Beleuchtung. Unter weichem Licht können sie zunächst wie reguläre matte FineArt-Medien erscheinen. Erst bei gerichteter Beleuchtung wird der Schimmer deutlich sichtbar. Für Ausstellungen bedeutet das, dass die Wirkung des Prints nicht allein am Bildschirm oder unter normiertem Betrachtungslicht beurteilt werden kann. Präsentationsort, Leuchten, Einfallswinkel und Rahmung werden Teil des Ergebnisses.
Die fünf Papiere sind derzeit noch nicht regulär in Deutschland eingeführt. Im Fachhandel werden sie teilweise bereits als Vorbestellungsartikel geführt, finale Preise und verbindliche Liefertermine stehen jedoch noch nicht fest.
(Abb.: Fineart Partner)
















