Die Kampagne „Zum Glück: NRW“ macht Fotografie selbst zum Thema: 80 Archivbilder werden aus ihrem ursprünglichen publizistischen Zusammenhang gelöst und im Stadtraum neu gelesen. Als großformatige Plakate werden sie zu öffentlichen Erinnerungsbildern – und zeigen exemplarisch, wie stark Fotografie unser Bild von Geschichte prägt.
Zum 80. Geburtstag Nordrhein-Westfalens verwandelt sich Düsseldorf im August in ein groß angelegtes fotografisches Erinnerungsalbum. Bis 31. August 2026 zeigen die Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen und die Rheinische Post unter dem Titel „Zum Glück: NRW“ 80 Fotografien auf 80 Großflächenplakaten im gesamten Stadtgebiet.
- Mitarbeiter des Glanzstoff-Werks in Oberbruch im Kreis Heinsberg fahren gemeinsam mit dem Fahrrad zur Arbeit. Fotograf: Dokumentationszentrum Glanzstoff Oberbruch / Rheinische Post-Archiv Ort: Oberbruch, Heinsberg
- Gartenarbeit in der Zechensiedlung Schüngelberg. Im Hintergrund ist der Förderturm der Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer zu sehen. Fotograf: Willy van Heekern/Fotoarchiv Ruhr Museum / Rheinische Post- Archiv
- Die Szenerie vor der geschlossenen Kunstakademie: Studenten warten vergeblich darauf, dass der Kultusminister seine Entscheidung widerruft. Fotograf: Ulrich Horn / Rheinische Post
Die Bilder überspannen acht Jahrzehnte Landesgeschichte. Sie dokumentieren politische Wendepunkte ebenso wie Alltagsszenen, wirtschaftliche Entwicklungen, kulturelle Aufbrüche und persönliche Begegnungen. Gerade in dieser Mischung zeigt sich die besondere Stärke fotografischer Überlieferung: Geschichte entsteht nicht allein aus den großen Ereignissen, sondern ebenso aus Gesten, Situationen und Momenten, die erst im Rückblick Bedeutung gewinnen.
Vom Pressebild zum Erinnerungsbild
Die meisten Fotografien stammen aus dem Archiv der Rheinischen Post. Damit greift die Kampagne auf einen Bildbestand zurück, der ursprünglich überwiegend für journalistische Zusammenhänge entstanden ist. Im öffentlichen Raum verändert sich ihre Funktion: Aus zeitgebundenen Pressefotografien werden historische Zeugnisse und kollektive Erinnerungsbilder.
„Die Geschichte Nordrhein-Westfalens wird nicht nur von großen politischen Ereignissen geprägt. Sie lebt vor allem von den Erinnerungen der Menschen, die dieses Land seit 80 Jahren mitgestalten“, erklärt Basil Kerski, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen. Mit „Zum Glück: NRW“ sollen jene Momente sichtbar werden, die vom Werden und Gelingen des Bundeslandes erzählen.
- Am Rheinufer, nahe der Oberkasseler Brücke, hielt Düsseldorfer Rolf Naskret den Glückmoment eines Paares, die sich über den Maianfang freuen, auf Kamera fest. Fotograf: Rolf Naskret/ Rheinische Post- Archiv
- Auch eine Art, den Sommersonntag zu genießen: Am Rhein in Höhe der Schnellenburg und des Nordpark-Eingangs reihte sich Blechdach an Blechdach. Die Insassen der Wagen „guckten spazieren“. Fotograf: Klaus Medau / Rheinische Post
- Sonnendeck mit Blick auf die alte Oberkasseler Behelfsbrücke in Düsseldorf. Nach der Zerstörung der ursprünglichen Brücke durch deutsche Soldaten im Jahr 1945 übernahm sie von 1948 bis 1974 als Dauerbehelfsbrücke die wichtige Verbindung zwischen Oberkassel und der Düsseldorfer Altstadt. Fotograf: Ulrich Horn / Rheinische Post
Auch Matthias Körner, Geschäftsführer der Rheinischen Post Medien GmbH, stellt die Menschen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt. Die 80 Motive sollen besondere Augenblicke, vertraute Gesichter und das Lebensgefühl eines Landes vermitteln, mit dem die Rheinische Post seit Jahrzehnten verbunden ist.
Fotografie als Zugang zur Geschichte
Über QR-Codes auf den einzelnen Plakaten gelangen Betrachter zu einer digitalen Kampagnenseite mit Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Motiven. Die großformatige Präsentation im Stadtraum wird damit um historische und redaktionelle Kontexte ergänzt.
Interessant ist dabei gerade der Wechsel zwischen Bild und Information. Die Fotografie funktioniert zunächst unmittelbar und ohne Erklärung, während die digitale Ebene anschließend zusätzliche Zusammenhänge liefert. So entsteht ein niedrigschwelliger Zugang zu Landesgeschichte, bei dem das Bild nicht bloße Illustration ist, sondern Ausgangspunkt der historischen Auseinandersetzung.
„Zum Glück: NRW“ ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen und der Rheinischen Post und wird von Ströer unterstützt. Die Kampagne zeigt dabei nicht zuletzt, welche Bedeutung fotografische Archive besitzen: Sie bewahren nicht nur Bilder vergangener Ereignisse, sondern prägen langfristig auch, wie eine Gesellschaft sich selbst erinnert.
Foto oben: Ruhrgebiet bei Herne, FOTOAGENTUR SVEN SIMON / Rheinische Post Archiv





















