Mit der Gruppenausstellung „Animals“ versammelt die Galerie Springer Berlin fotografische Positionen, die Tiere nicht als bloße Motive zeigen, sondern als Gegenüber, Projektionsfläche und Teil einer verletzlichen Lebenswelt. Zu sehen sind Arbeiten unter anderem von Edward Burtynsky, Ute und Werner Mahler, Loredana Nemes, Arnold Odermatt und Stefanie Seufert.
Im Zentrum der Ausstellung steht nicht die dokumentarische Darstellung der Tierwelt, sondern die Frage nach dem künstlerischen Blick: Warum wird ein bestimmtes Tier zum Motiv, und wie verändert sich seine Bedeutung im fotografischen Prozess?
- Ursula Böhmer, Ringamåla Schweden / Skåne 2004, Edition 5
Viele der gezeigten Arbeiten zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Nähe zwischen Fotograf und Tier aus. Besonders die Werke von Ursula Böhmer, Stefanie Seufert, Maria Jauregui Ponte und Mirjana Vrbaški lassen sich als Porträts lesen, in denen individuelle Präsenz und emotionale Verbundenheit eine zentrale Rolle spielen.
Ursula Böhmer reiste für ihre Serie „All Ladies“ durch Europa, um Kühe auf der Weide zu fotografieren. Mirjana Vrbaškis Vogelporträts, die in zoologischen Gärten entstanden, verleihen ihren Motiven dagegen eine überraschende Würde und charakterliche Eigenständigkeit.
Verletzlichkeit und Verantwortung
Die Ausstellung verbindet diese unmittelbare Nähe mit Fragen nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur und zur Tierhaltung. Die Fotografien verweisen damit zugleich auf Fragilität, Verletzlichkeit und ethische Verantwortung.
- Mirjana Vebaski, Marabou, 2015, Archival Pigment Print, Edition 5
Edward Burtynsky wählt eine andere Perspektive. Seine Aufnahme von Flamingos am Lake Bogoria in Kenia zeigt keinen einzelnen Vogel, sondern einen großräumigen Naturraum. Die gestiegenen Wasserstände des Sees verändern dort die angestammten Nahrungsgebiete der Flamingos und machen die Auswirkungen klimatischer Veränderungen sichtbar.
Zwischen Sachlichkeit und Humor
Arnold Odermatts Fotografien verbinden dokumentarische Präzision mit stillem Humor und humanistischer Haltung. Ein vergleichbarer Grundton zieht sich durch Arbeiten von Ute und Werner Mahler. Gezeigt werden unter anderem Modefotografien Ute Mahlers aus den 1990er Jahren, in denen Tiere selbstverständlich Teil der Bildkomposition sind.
- Edward Burtynsky, Flamingos #1, Lake Bogoria, Kenya, 2017
Ein Trompe-l’œil von Werner Mahler dient zugleich als Titelmotiv der Ausstellung. Ingar Krauss setzt dem eine irritierende Arbeit entgegen: Ein präparierter Feldhase erscheint so lebendig und aufmerksam, dass die Grenze zwischen Leben und Präparation bewusst ins Wanken gerät.
Internationale Positionen
Neben Ursula Böhmer, Edward Burtynsky, Maria Jauregui Ponte, Ingar Krauss, Ute Mahler, Werner Mahler, Loredana Nemes, Arnold Odermatt, Aitor Ortiz und Stefanie Seufert ist auch Mirjana Vrbaški vertreten. Ergänzt wird die Schau durch Werke aus einer Privatsammlung.
Die Vernissage findet am 11. September 2026 statt. Die Ausstellung läuft vom 15. September bis 14. November 2026 in der Galerie Springer Berlin.
Foto oben: Werner Mahler, Château de Brissac, Loiretal, 2001, Frankreich, Camera Obscura


















