Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) verleiht die Manfred Heiting Medal of Curatorial Excellence in Photography 2026 an die amerikanische Kuratorin Sarah Greenough (Foto oben) und die National Gallery of Art in Washington, D.C. Ausgezeichnet werden damit eine Persönlichkeit und eine Institution, die gemeinsam eine international bedeutende fotografische Sammlung aufgebaut und durch Forschung, Ausstellungen und Publikationen einem breiten Publikum erschlossen haben.
- Heiting Medal
Die Entscheidung würdigt zugleich die Entwicklung der Fotografie innerhalb der National Gallery of Art. Mit der Gründung einer eigenen Abteilung für Fotografie im Jahr 1990 unter Sarah Greenough etablierte das Museum das Medium als gleichberechtigte Sammlungssparte neben Malerei, Skulptur, Druckgrafik und Zeichnung. Greenough prägte den Aufbau dieser Abteilung maßgeblich und machte die Fotografie zu einem festen Bestandteil des Sammlungs- und Ausstellungsprogramms.
Sarah Greenough war bis zu ihrer Pensionierung 2026 Senior Curator und Leiterin der Abteilung für Fotografie der National Gallery of Art. Nach ihrem B.A. an der University of Pennsylvania erwarb sie M.A. und Ph.D. an der University of New Mexico, wo sie bei dem Fotohistoriker Beaumont Newhall studierte. 1990 wurde sie Gründungskuratorin der Fotoabteilung und übernahm die Verantwortung für den Ausbau einer Sammlung, die heute die Geschichte des Mediums von seinen Anfängen 1839 bis in die Gegenwart abbildet.
Seit Beginn der gezielten Sammeltätigkeit ist der fotografische Bestand der National Gallery auf mehr als 25.000 Werke angewachsen. Mit der Einrichtung eigener Galerieräume im West Building erhielt die Fotografie 2004 zudem einen festen Platz für dauerhafte Präsentationen. Heute zählt das Ausstellungs- und Publikationsprogramm der Abteilung international zu den renommiertesten seiner Art. Zum 25-jährigen Bestehen wurde diese Entwicklung 2015 mit drei großen Ausstellungen sowie der Publikation „The Altering Eye: Photography at the National Gallery of Art“ gewürdigt.
Unter Greenoughs kuratorischer Verantwortung entstanden zahlreiche viel beachtete Ausstellungen zu Schlüsselpositionen der Fotografiegeschichte. Dazu zählen Projekte zu Alfred Stieglitz, Paul Strand, André Kertész, Irving Penn, Robert Frank, Allen Ginsberg, Sally Mann und Robert Adams. Zu den herausragenden Präsentationen gehören „Looking In: Robert Frank’s ‘The Americans’“, „Sally Mann: A Thousand Crossings“ sowie „American Silence: The Photographs of Robert Adams“.
Ebenso prägend ist Greenoughs Arbeit als Autorin und Herausgeberin. Ihre Publikation „Alfred Stieglitz: The Key Set“ erschloss die Stieglitz-Sammlung der National Gallery umfassend. Weitere Bücher beschäftigten sich unter anderem mit Walker Evans, Roger Fenton sowie dem Briefwechsel zwischen Georgia O’Keeffe und Alfred Stieglitz. Mehrere dieser Publikationen gelten als Referenzwerke der fotohistorischen Forschung.
Greenoughs kuratorische und publizistische Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit Preisen des International Center of Photography, dem George Wittenborn Memorial Book Award sowie dem Alfred H. Barr, Jr. Award der College Art Association. Für den Katalog zu „Looking In: Robert Frank’s ‘The Americans’“ erhielt sie außerdem Auszeichnungen der Association of Art Museum Curators und des International Center of Photography.
Die DGPh Manfred Heiting Medal of Curatorial Excellence in Photography wurde 2025 erstmals vergeben. Initiiert und gefördert wird sie vom Fotoexperten Manfred Heiting. Die Auszeichnung würdigt jeweils eine Institution und eine international herausragende Persönlichkeit, die dort eine qualitätsvolle fotografische Sammlung aufgebaut und diese durch Forschung, Ausstellungen und Publikationen öffentlich zugänglich gemacht hat. Erste Preisträger waren 2025 die niederländische Kuratorin Mattie Boom und das Rijksmuseum.
Die Preisverleihung findet am 24. Oktober 2026 im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) im Rahmen der DGPh Photography Awards statt. An diesem Tag werden außerdem der Kulturpreis 2026, der Dr. Erich Salomon-Preis sowie der Otto Steinert-Preis – DGPh-Förderpreis für Fotografie – vergeben.
Die National Gallery of Art zählt mit einer Sammlung von mehr als 160.000 Werken zu den bedeutendsten Kunstmuseen der USA. Ihre Geschichte geht auf eine Stiftung des Finanz- und Kunstsammlers Andrew W. Mellon zurück. Das West Building wurde 1941 eröffnet, das von I. M. Pei entworfene East Building folgte 1978.
















