Die langjährige GEO Bildchefin Ruth Eichhorn ist gestorben. Als Director of Photography prägte sie über viele Jahre den deutschen Magazin-Fotojournalismus und arbeitete mit zahlreichen international bekannten Fotografen zusammen.
Ruth Eichhorn gehörte zu den prägenden Bildredakteurinnen ihrer Generation. Nach Stationen in Paris und New York übernahm sie 1994 die fotografische Leitung von GEO in Hamburg und blieb dort bis 2015 als Director of Photography tätig, anschließend noch als Editor-at-Large.
Ihr Arbeitsfeld reichte von der Auswahl und Beauftragung von Fotografen über die Entwicklung von Reportagen bis zur Bildauswahl und visuellen Dramaturgie. Entscheidend war dabei weniger ein einheitlicher Stil als die Frage, welche fotografische Position zu einem Thema passte.
Prägende Bildredaktion
Unter Eichhorns Leitung entstanden zahlreiche Reportagen mit Fotografen aus unterschiedlichen Generationen und fotografischen Traditionen. Auch Positionen aus der ostdeutschen Fotografie bezog sie früh ein. Dazu gehörten unter anderem Ute und Werner Mahler, Harf Zimmermann, Harald Hauswald und Sibylle Bergemann.
Mit Bergemann verband sie eine langjährige Zusammenarbeit. Später gab Eichhorn den bei Steidl erschienenen Band „Sibylle Bergemann – Unterwegs in der Welt“ heraus.
Als sie 2015 die Leitung der Bildredaktion abgab, wurde besonders ihr Einfluss auf die visuelle Qualität des Magazins und ihr internationales Netzwerk hervorgehoben.
International gefragt
Auch außerhalb des Redaktionsalltags war Ruth Eichhorn in der Fotografie präsent. Sie gehörte mehrfach Jurys von World Press Photo an und arbeitete für weitere internationale Fotowettbewerbe. Zudem war sie über viele Jahre mit dem UNICEF Foto des Jahres verbunden.
Nach ihrem Ausscheiden aus der festen Redaktion arbeitete sie weiter als freie Bildredakteurin und Kuratorin, betreute Ausstellungen und Buchprojekte und engagierte sich bei Fotofestivals und Jurys.
2018 war sie Schirmherrin des Umweltfotofestivals Horizonte Zingst.
Fotografie als eigenständige Erzählung
Ruth Eichhorn stand für eine Form der Bildredaktion, bei der Fotografie nicht als bloße Illustration verstanden wurde. Im Mittelpunkt standen die Auswahl der richtigen fotografischen Handschrift, die Entwicklung einer visuellen Erzählung und die enge Zusammenarbeit mit den Fotografen.
Damit beeinflusste sie über viele Jahre, wie Reportagefotografie in großen Magazinen eingesetzt und wahrgenommen wurde. Mit Ruth Eichhorn verliert die Fotografie eine der erfahrensten und einflussreichsten Bildredakteurinnen ihrer Generation.
















