Mit dem FE 100-400 mm F4.5 GM OSS erweitert Sony sein G-Master-Portfolio um ein neues Supertelezoom für Vollformatkameras mit E-Mount. Das Objektiv ersetzt nicht einfach das bisherige FE 100-400 mm F4.5-5.6 GM OSS, sondern positioniert sich deutlich ambitionierter: konstante Lichtstärke von F4.5 über den gesamten Zoombereich, schnellerer Autofokus, interne Zoomkonstruktion und volle Unterstützung aktueller Hochgeschwindigkeitskameras wie der Alpha 9 III.
Sony richtet das Objektiv klar an professionelle Sport-, Wildlife- und Pressefotografen. Mit einem Gewicht von rund 1.840 Gramm bleibt das FE 100-400 mm F4.5 GM OSS für ein lichtstarkes Supertelezoom vergleichsweise mobil.

Optisch betreibt Sony dazu einen erheblichen technischen Aufwand. Das Objektiv kombiniert neu entwickelte ED-XA-Elemente, klassische XA-Elemente, zwei Super-ED-Linsen sowie drei weitere ED-Elemente zur Korrektur chromatischer und sphärischer Aberrationen. Ziel ist eine gleichmäßig hohe Schärfe bis in die Bildecken – selbst bei Offenblende von F4.5 und über den gesamten Brennweitenbereich hinweg.
Gerade die konstante Lichtstärke unterscheidet das neue Modell vom bisherigen FE 100-400 mm F4.5-5.6 GM OSS. Während beim Vorgänger die maximale Blende im Telebereich abfiel, bleibt sie nun konstant bei F4.5. Das erleichtert nicht nur die Belichtungskontrolle bei Serienaufnahmen und Video, sondern bietet auch Vorteile bei Freistellung und Autofokusleistung unter schwierigen Lichtbedingungen.
Ein weiterer wesentlicher Fortschritt dürfte der Autofokus sein. Vier XD-Linearmotoren, ein schwimmender Fokusmechanismus und neue AF-Algorithmen sollen besonders schnelle Motivbewegungen präziser erfassen. Sony spricht von bis zu dreifach höheren AF-Geschwindigkeiten und einer um rund 50 Prozent verbesserten Motivverfolgung gegenüber dem bisherigen FE 100-400 mm GM. Diese Angaben basieren allerdings auf internen Sony-Tests in Verbindung mit der Alpha 9 III. Interessant ist dabei die vollständige Unterstützung der 120-Bilder-pro-Sekunde-Serienbildfunktion der Alpha 9 III inklusive AF/AE-Tracking.

Das Innenzoom-Design gehört zu den auffälligsten konstruktiven Änderungen. Anders als beim bisherigen FE 100-400 mm verändert sich die Baulänge beim Zoomen nicht. Dadurch bleibt der Schwerpunkt konstant, was insbesondere bei Freihandaufnahmen, Schwenks oder Gimbal-Einsatz Vorteile bringt. Gleichzeitig verbessert dies die Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit. Dennoch relativiert Sony selbst die Robustheitsangaben: Das Objektiv ist zwar staub- und spritzwassergeschützt, aber nicht vollständig gegen Staub oder eindringendes Wasser abgedichtet.
Die integrierte optische Stabilisierung unterstützt kompatible Kameras auch im Active-Modus. Zusätzlich arbeitet das Objektiv mit Sonys kamerainterner Breathing Compensation zusammen, um Bildwinkelveränderungen beim Fokussieren während Videoaufnahmen zu reduzieren.
Für professionelle Anwender bietet das FE 100-400 mm F4.5 GM OSS vier Fokus-Hold-Tasten sowie einen dedizierten Funktionsring. Welche Funktionen zugewiesen werden können, hängt allerdings von der jeweils verwendeten Kamera ab. Auch hier zeigt sich die zunehmende Verzahnung moderner Objektive mit kamerainterner Software und Firmware.
Die Nano-AR-Vergütung II soll Streulicht und Geisterbilder reduzieren und damit den Kontrast bei Gegenlicht verbessern. Ergänzt wird dies durch eine 11-Lamellen-Blende, die das für die G-Master-Serie typische weiche Bokeh erzeugen soll.
Spannend bleibt die Telekonverter-Kompatibilität. In Verbindung mit dem 1,4-fach-Telekonverter erreicht das Objektiv längere Brennweiten, mit dem 2-fach-Telekonverter sogar bis zu 800 mm. Im APS-C-Modus sind effektiv bis zu 1.200 mm möglich. Gleichzeitig steigen damit aber auch die Anforderungen an Stabilisierung und Autofokuspräzision erheblich.
Mit dem FE 100-400 mm F4.5 GM OSS verfolgt Sony außerdem ganz nebenbei die Entwicklung hin zu hochspezialisierten Hybridobjektiven für Foto und Video. Die Kombination aus interner Zoomkonstruktion, hoher AF-Geschwindigkeit, Breathing Compensation und Unterstützung extrem schneller Serienbildraten zeigt deutlich, wie stark sich moderne Profiobjektive inzwischen an den Anforderungen hybrider Produktionen orientieren.
Technisch gehört das neue 100-400 mm zum Preis von 4.999 Euro ohne Zweifel zu den ambitioniertesten Telezooms im E-Mount-System. Gerade im professionellen Sport- und Wildlife-Segment konkurriert es indirekt mit etablierten 400-mm-, 500-mm- oder 600-mm-Teleobjektiven.













