Lomography erweitert seine Joseph-Petzval-Serie um ein 35mm F1.8 für Sony E, Canon RF und Nikon Z. Die neue „Métamorphose“ will den klassischen Petzval-Swirl nicht einfach reproduzieren, sondern dessen Charakter gezielt weiterentwickeln: Ein eigener Bokeh-Ring verändert die Bildwirkung in sieben Stufen – vom weicheren, zurückhaltenden Hintergrund bis zu stark verzerrten, vortexartigen Strukturen.
Kontrollierte optische Fehler
Die Joseph Petzval Métamorphose folgt bewusst nicht dem klassischen Ideal eines möglichst neutral korrigierten Objektivs. Lomography greift vielmehr historische optische Konzepte von Carl Friedrich Gauß und Joseph Petzval auf und macht Abbildungsfehler wie Koma und Astigmatismus zum gestalterischen Prinzip.
Auf der höchsten Bokeh-Stufe soll das 35mm das scharfe Bildzentrum mit einer stark nach außen gezogenen Verzeichnung kombinieren. Lichtpunkte werden dabei zu kometenartigen Formen, während sich bei kurzen Aufnahmedistanzen Swirl und radiale Ausdehnung überlagern. Bei niedriger Einstellung bleibt der Effekt wesentlich zurückhaltender und erzeugt weichere Ränder sowie blasenartige Hintergrundstrukturen. Der Bildeindruck soll sichtbar vom Objektiv mitgestaltet werden – bis hin zu Effekten, die fast an Zoombewegungen oder optische Verzerrungen in der Nachbearbeitung erinnern.
Sieben Stufen für das Bokeh
Wie bei anderen Petzval-Objektiven lässt sich die Intensität des Effekts in sieben Stufen einstellen. Zusätzlich beeinflussen Blende, Fokusdistanz und Motivabstand den Look. Damit soll sich das Objektiv sowohl für klassische Porträts als auch für deutlich experimentellere Anwendungen eignen. Lomography nennt unter anderem dynamische Effekte in eigentlich statischen Szenen, die visuelle Darstellung von Desorientierung oder bewusst surreale und an Horrorfilm-Ästhetik erinnernde Bildwelten als Einsatzmöglichkeiten.
Mit der Métamorphose richtet sich Lomography ausdrücklich auch an Filmer. Fokus-, Blenden- und Bokeh-Ring lassen sich manuell beziehungsweise mit Cinema-Zubehör bedienen. Der Fokusweg beträgt 180 Grad, die Zahnringe sind mit MOD-0.8-Follow-Focus-Systemen kompatibel. Hinzu kommen eine integrierte 1/4-Zoll-Objektivhalterung und stufenlose Einstellringe. Ein fokusgekoppelter Mechanismus soll verhindern, dass Veränderungen des Bokeh-Effekts unerwünschte Fokusverschiebungen verursachen.
Das dürfte vor allem beim Filmen interessant sein: Der Charakter des Hintergrunds kann während einer Einstellung verändert werden, ohne dass dabei zwangsläufig die Schärfeebene verloren geht.
35mm F1.8 mit manueller Bedienung
Das Objektiv besitzt eine Brennweite von 35 mm und eine maximale Lichtstärke von F1.8. Die stufenlose Irisblende reicht bis F22; zusätzlich lassen sich Drop-in-Blendenplatten verwenden. Der optische Aufbau besteht aus sechs Elementen in fünf Gruppen, die Naheinstellgrenze liegt bei 35 Zentimetern. Das Filtergewinde misst 67 mm. Elektronische Kontakte gibt es nicht – Fokus und Steuerung erfolgen vollständig manuell. Erhältlich sein soll die Joseph Petzval Métamorphose für Canon RF, Nikon Z und Sony E. Angaben zu Preis und konkretem Liefertermin enthält die vorliegende Pressemitteilung nicht.
Petzval als Gegenentwurf zur Perfektion
Lomography setzt mit der Métamorphose seine seit Jahren verfolgte Neuinterpretation historischer Objektivkonstruktionen fort. Interessant ist dabei weniger die technische Rückschau als der bewusste Gegenentwurf zur aktuellen Objektiventwicklung: Während moderne Konstruktionen Verzeichnung, Koma und andere Aberrationen zunehmend vollständig korrigieren, macht Lomography gerade diese Eigenschaften regelbar und damit zum kreativen Werkzeug.
Das Ergebnis dürfte entsprechend polarisieren – und genau darin liegt der Reiz. Die Métamorphose will kein universelles 35mm sein, sondern ein Objektiv, dessen Handschrift im fertigen Bild ausdrücklich sichtbar bleiben darf.

















